Offshore-Windenergie ist ein zentraler Baustein der Energiewende. Sie ergänzt die Onshore-Windenergie als zuverlässige, kostengünstige und umweltfreundliche Energiequelle mit hohen Volllaststunden. Eine Volllaststunde ist ein Maß dafür, wie effizient eine Windkraftanlage arbeitet – unabhängig von ihrer tatsächlichen Laufzeit. Je höher die Volllaststunden, desto besser sind die Windbedingungen, desto mehr Strom wird erzeugt.
Anteil der Windenergie in Deutschland
Die Windenergie ist die Stromerzeugungstechnologie mit dem größten Anteil an der Stromerzeugung in Deutschland. 2024 wurden mit 254,9 Terrawattstunden (TWh) rund 59 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien (EE) erzeugt. Offshore-Windenergieanlagen trugen laut Bundesnetzagentur mit rund 26 TWh zur Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien bei.
Wie steht es um den Ausbau von Offshore Windenergieanlagen?
Mit 9,2 Gigawatt (GW) installierter Leistung und 1.639 Offshore-Windenergieanlagen in der Nord- und Ostsee ist Offshore-Wind bereits heute ein bedeutender Wirtschaftszweig. Die installierte Leistung bei Windkraftanlagen beschreibt, wie viel elektrische Leistung die Windkraftanlagen theoretisch gleichzeitig erzeugen könnten, wenn sie unter optimalen Bedingungen mit voller Kapazität laufen.
Im Jahr 2024 wurde insgesamt eine Leistung von rund 0,7 GW (742 Megawatt) in Betrieb genommen. Damit wurde mehr als doppelt so viel Windleistung auf See zugebaut wie in den Jahren 2023 und 2022.
Die Offshore-Wind-Ausbauziele sind ambitioniert: Bis 2030 sollen 30 GW, bis 2035 sollen 40 GW und bis 2045 sollen 70 GW ausgebaut werden. Um dies zu erreichen, werden jährlich zwei Ausschreibungen für neue Offshore-Flächen mit einer Größe von jeweils zwischen 0,5 GW und 2 GW durchgeführt. Derzeit befinden sich in Deutschland Offshore-Windparks mit einer Kapazität von rund 2.000 MW im Bau und weitere 16.000 MW in der Entwicklung (Deutsche WindGuard, 2025, PDF).
In Europa sind bisher 35 GW an Offshore-Windkapazitäten installiert (Stand 31.12.2024). Die Offshore-Wind-Ausbauziele in Europa belaufen sich auf insgesamt 163 GW bis 2030 und 300 GW bis 2050. In 2024 wurden laut WindEurope europaweit 2,3 GW zugebaut.
Moderne Groß-Anlagen so hoch wie der Eiffelturm
Offshore-Windenergieanlagen entwickeln sich technologisch rasant weiter. Derzeit liegt die durchschnittliche Nennleistung aller bislang installierten Offshore-Windenergieanlagen in Deutschland bei 5,6 MW pro Anlage. Die im Jahr 2024 zugebauten Anlagen hatten allerdings bereits eine durchschnittlichen Nennleistung von 10 MW pro Anlage, was den deutlichen technologischen Fortschritt widerspiegelt. Ab 2025 werden erstmals Anlagen mit Nennleistungen von 15 MW in Deutschland zugebaut, die hinsichtlich Rotordurchmesser und Nabenhöhe weitere signifikante Größen- und Effizienzsteigerungen mit sich bringen. Solche 15-MW-Anlagen haben eine Gesamthöhe von rund 330 Metern und sind damit genauso hoch wie der Eiffelturm.
Offshore-Windparks werden in Deutschland in zunehmend größeren Entfernungen zur Küste, teils über 100 km entfernt, gebaut, was spezielle Anforderungen an die Netzanbindung und den Bau der Anlagen stellt. Gleichzeitig konkurrieren jedoch auch andere Nutzungsformen wie Schifffahrt, Fischerei, Militär und Naturschutz um die begrenzten Flächen der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ).
Wirtschaftlichkeit von Offshore Wind
Offshore-Windparks erzielen im Vergleich zur Onshore-Windenergie besonders hohe Volllaststunden – sie arbeiten also wesentlich effizienter. Derzeit sind es zwischen 3.500 und 4.500 Stunden pro Jahr. Zum Vergleich: Onshore-Windenergieanlagen erzielen meist 2.000 bis 3.000 Volllaststunden. Die Stromgestehungskosten von Offshore-Windenergieanlagen (inkl. Netzanbindung) lagen im Jahr 2024 zwischen 5,5 und 10,3 Cent/kWh. Zum Vergleich: Die Stromgestehungskosten von Onshore-Windenergieanlagen lagen im Jahr 2024 zwischen 4,3 und 9,2 Cent/kWh. Für potenziell neu zu errichtende Gaskraftwerke würden die Stromgestehungskosten inklusive CO2-Zertifikatspreise im Jahr 2024 zwischen 10,9 und 32,6 Cent/kWh liegen (Fraunhofer IEE, 2024).
Die aktuell in der Entwicklung befindlichen Offshore Windparks (OWPs) in Deutschland finanzieren sich über sogenannte Power Purchase Agreements (PPAs). Diese langfristigen Stromabnahmeverträge bieten Investoren Planungssicherheit und ermöglichen es Anlagenbetreibern, unabhängig von direkten staatlichen Förderungen am Markt zu agieren.
Vorteile und Herausforderungen der Offshore-Windenergie
Die Offshore-Windenergie bietet zahlreiche Vorteile. Sie zeichnet sich durch eine hohe Energieausbeute aus, da die Offshore-Windenergieanlagen von stärkeren und konstanteren Windverhältnissen profitieren, was zu höheren Volllaststunden führt. Die großen, offenen Flächen auf See ermöglichen den Einsatz besonders leistungsstarker Windenergieanlagen, die effizienter arbeiten und hohe Erträge erzielen. Zudem leistet die Offshore-Windenergie einen wichtigen Beitrag zur CO2-Reduktion und unterstützt die Klimaziele der EU und Deutschlands.
Der Ausbau dieser Technologie schafft wirtschaftliche Impulse, fördert Arbeitsplätze und treibt technologische Innovationen, insbesondere im maritimen Sektor, voran. Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe gesellschaftliche Akzeptanz der Offshore-Projekte. Darüber hinaus kann die Offshore-Elektrolyse zur Wasserstoffproduktion zukünftig Chancen bieten, große Mengen an Windenergie direkt in grünen Wasserstoff umzuwandeln, den Offshore-Netzausbau zu entlasten, und die Systemintegration zu verbessern.
Gleichzeitig stehen der Offshore-Windenergie verschiedene Herausforderungen gegenüber. Der Netzausbau an Land ist entscheidend, um Verluste durch Netzengpässe zu vermeiden. Hohe Anfangsinvestitionen in Bau, Installation und Netzanbindung sowie die in den letzten Jahren gestiegenen Technologiekosten, etwa durch Inflation, hohen Energiekosten und Rohstoffpreise sowie Lieferkettenengpässe stellen erhebliche Herausforderungen dar. Auch komplexe regulatorische Anforderungen, langwierige Genehmigungsverfahren und die begrenzten Hafen- und Lieferkettenkapazitäten können Projekte verzögern. Zudem können Abschattungseffekte die Erträge und Kosteneffizienz der Anlagen beeinträchtigen, bei denen sich Windenergieanlagen gegenseitig den Wind „abschwächen“ und so die tatsächlichen Volllaststunden reduzieren.