30. April 2015

EU-Vergleich Wasser- und Abwasserpreise: BDEW präsentiert VEWA-Studie in Brüssel

BDEW-Vizepräsident Simon überreichte die Studie an Tobias Biermann (GD Umwelt der EU-Kommission), Quelle: BDEW/Thome.

Der BDEW hat die Ergebnisse der 3. Auflage der sog. VEWA-Studie (Vergleich europäischer Wasser- und Abwasserpreise) am 21. April 2015 in Brüssel u.a. Vertretern der EU-Kommission vorgestellt. Die 2006 erstmals durchgeführte Untersuchung erhebt den Anspruch, neben den bloßen Wasser- und Abwasserpreisen auch Subventionen und europäische Qualitäts- und Leistungsstandards zu berücksichtigen und damit ein realistisches Bild zu zeichnen. Verglichen werden die sieben Länder Deutschland, England, Wales, Frankreich, Polen, die Niederlande und Österreich. In der Debatte um die Transparenz von Trink- und Abwasserpreisen in Europa sieht der BDEW seine Aufgabe darin, diese auf möglichst objektive Maßstäbe zu beziehen. Die VEWA-Studie leistet hierzu einen entscheidenden Beitrag und ist wissenschaftlich anerkannt.

Das Kürzel "VEWA" (Vergleich europäischer Wasser- und Abwasserpreise) steht für einen europäischen Preisvergleich, der sich nicht mit dem reinen Preisvergleich pro Kubikmeter begnügt. Die neuesten Daten der VEWA-Studie (vgl. BDEW direkt 4/2015) hat der BDEW am 21. April 2015 in der Berliner Landesvertretung in Brüssel vorgestellt. Verglichen werden die Länder Deutschland, England, Wales sowie Frankreich, Polen, die Niederlande und Österreich. Vor dem Hintergrund der Diskussion über Transparenz und Qualitätsbenchmarking in der Wasserwirtschaft sowie der Weiterbehandlung der Bürgerinitiative rigth2water im Europäischen Parlament dient die VEWA-Studie als wissenschaftliche Grundlage zur Versachlichung der Debatte. Die Ergebnisse der Studie sowie die aktuellen Themen auf europäischer Ebene wurden bei der Veranstaltung in Brüssel mit Vertretern der Europäischen Kommission und weiteren Stakeholdern diskutiert.

Auf Brüsseler Ebene gibt es seitens der Europäischen Kommission Überlegungen zur Steigerung der Transparenz in der Wasserwirtschaft. Außerdem beschäftigt sich das Europäische Parlament im Rahmen eines Initiativberichts zur Bürgerinitiative "right to water" (siehe zuletzt BDEW direkt 1-2/2015) mit dem Thema "Wasserversorgung im Binnenmarkt". Die Ergebnisse der VEWA-Studie boten eine fundierte Datenbasis für diese Diskussionen.

Jörg Simon, BDEW-Vizepräsident Wasser/Abwasser, betonte in seiner Begrüßungsrede die Rolle der Wasserversorgung als Teil der Daseinsvorsorge und nahm deshalb erneut auf die Diskussion zu Ausschreibungspflichten für die Wasserversorgung Bezug. Er stellte heraus, dass keine Initiativen zur Ausweitung des Binnenmarktes auf den Wassersektor notwendig seien. Dies auch vor dem Hintergrund der hohen Kundenzufriedenheit in Deutschland, die das BDEW-Kundenbarometer zeige.

Gleichzeitig bemühten sich die deutschen Unternehmen um eine kontinuierliche Verbesserung ihrer Leistungen. Ein wichtiges Instrument dafür sei die freiwillige Teilnahme an Benchmarkingprojekten. Weitere Vorgaben durch die Europäische Kommission seien in diesem Bereich deshalb nicht notwendig.

Matthias Schmitt (RheinEnergie) vollzog beim Thema Benchmarking die Verknüpfung von der Makro- zur Mikroebene und zeigte am Beispiel seines Unternehmens, wie transparent Wasserversorger mit ihren Leistungen und ihrer Preisgestaltung umgehen können.

Die Kommissionsvertreter und andere Stakeholder reagierten positiv auf die VEWA-Studie und lobten diese als gute Grundlage für Vergleichbarkeit und Transparenz in Bezug auf die Preisgestaltung. Vermehrt wurden Stimmen laut, die Studie bei der nächsten Evaluation auf weitere Mitgliedstaaten auszudehnen.

Auch EurEau, der europäische Dachverband der Wasserwirtschaft, lobte die Studie als guten Überblick über die Leistungen der Wasserwirtschaft in der EU. Gerade mit Blick auf die Diskussion zum Thema Transparenz seien diese Daten gute Argumente für weitere Gespräche mit der Europäischen Kommission. In der Diskussion unter der Leitung von Marcel Meggeneder (Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung) wurden Details der Studie näher beleuchtet, wie zum Beispiel die Datenauswertung und die zugrundeliegende Methodik. Generell wurde in den letzten Jahren eine deutliche Verbesserung der Verfügbarkeit von Daten sowie deren Vergleichbarkeit u.a. aufgrund der europäischen Berichtspflichten festgestellt.

Ergebnisse der VEWA-Studie
Der Vergleich der Wasser- und Abwasserpreise in der VEWA-Studie basiert auf einem dreistufigen Modell:

  • Stufe I vergleicht die landesspezifischen Durchschnittspreise. Berücksichtigt werden dabei fixe Grundpreise und variable Mengenpreise, jedoch keine einmaligen Anschlussbeiträge.
  • In Stufe II wird ermittelt, wie hoch die kostendeckenden Wasser- und Abwasserpreise in den verschiedenen Ländern wären, wenn die öffentlichen Zuschüsse in die Preise der Wasserver- und Abwasserentsorgung eingerechnet würden.
  • In Stufe III werden die Preise der untersuchten Länder unter der Annahme eines einheitlichen Leistungsstandards verglichen.


Dies zeigt, dass die Preise der Wasserver- und Abwasserentsorgung durch viele Faktoren, die sich auf das landesspezifische Kostenniveau und damit auf das Preisniveau auswirken, beeinflusst werden und eine Gegenüberstellung der Netto-Preise je Kubikmeter die tatsächliche Belastung der Bürger nicht ausreichend widerspiegelt. Erst eine Kombination mit dem täglichen Wassergebrauch und die Umrechnung in Ausgaben pro Kopf und Jahr bei vergleichbaren Leistungstandards ergibt ein umfassendes Bild. Danach liegen im europäischen Vergleich die Preise in Deutschland sowohl für Trink- als auch für Abwasser im Mittelfeld.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Preise je Kubikmeter Trinkwasser in den letzten Jahren tendenziell gesunken sind, während die Preise für das Abwasser leicht gestiegen sind. Wesentliche Determinanten der Wasser- und Abwasserpreise bleiben neben dem Kostendeckungsgrad und dem Leistungsniveau auch strukturelle Rahmenbedingungen wie Rohrnetzlängen je Einwohner.

Abschließend kommt die VEWA-Studie zu dem Schluss, dass die Leistungsfähigkeit der Wasserwirtschaft in den letzten Jahren in allen untersuchten Ländern gestiegen ist und sich teilweise deutlich auf ein ähnliches Niveau angeglichen hat, da die damit verbundenen Investitionen in der Regel zu sich angleichenden Preisniveaus geführt haben.


Weitere Informationen

Nadine Fischer
BDEW-Vertetung bei der EU
Telefon 0032 27719642
E-Mail nadine.fischer@bdew.de

Dr. Jörg Rehberg
Geschäftsbereich Wasser und Abwasser
Telefon 0 30 / 300 199-1211
E-Mail joerg.rehberg@bdew.de

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