03. September 2014

Benchmarking: IWW-Gutachten zu Hauptkennzahlen zur Wirtschaftlichkeit der Wasserversorgung liegt vor

Für die Entwicklung von Hauptkennzahlen zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit der Wasserversorgung in Benchmarkingprojekten liegt nun ein Gutachten vor, das im Auftrag des BDEW erstellt wurde. Die Gutachter schlagen für diesen Bereich 48 Hauptkennzahlen vor. Mittels einheitlicher Branchen- und Hauptkennzahlen möchten die Verbände BDEW, DVGW und VKU die derzeitigen Benchmarkingprojekte im Bereich Trinkwasserversorgung vergleichbar machen. Auch die Ausweisung der Ergebnisse soll vereinheitlicht werden. Das Gutachten passt sich in ein bereits laufendes DVGW-Forschungsvorhaben zu Hauptkennzahlen ein.

Weiterhin sollen sowohl Haupt- wie Branchenkennzahlen es ermöglichen, die Benchmarkingprojekte der Branche besser im "Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft" dokumentieren zu können.

Vorgeschlagene Hauptkennzahlen
Die vom BDEW beauftragten Gutachter empfehlen zur Bewertung der Wirtschaftlichkeit der Wasserversorgung 48 Kennzahlen zur Aufnahme in ein Hauptkennzahlensystem der deutschen Wasserversorgung (siehe S. 4 des Gutachtens). Der Auftragnehmer IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasserforschung gemeinnützige GmbH hatte zuvor eine Übersicht der Kennzahlen erstellt, die derzeit in Deutschland angewendet werden. Dabei wurden das IWA-Kennzahlensystem und die mittlerweile festgelegten Branchenkennzahlen der Wasserversorgung berücksichtigt.

Die 48 vorgeschlagenen Hauptkennzahlen decken folgende Themen ab:

  • Ertragsanalyse
  • Analyse Gesamtkosten / Analyse Gesamtaufwand
  • Analyse nach Aufwandsarten
  • Analyse Aufwand Verwaltung
  • Analyse Aufwand Technik
  • Analyse Kapitalaufwand
  • Investitionstätigkeit
  • Kapitalstruktur
  • Wirtschaftliche Nachhaltigkeit
  • Kaufmännische Wasserverluste
  • Trinkwasserentgelte
  • Personal.


Kosten oder Aufwand?
Sich auf eine kosten- bzw. aufwandsbasierte Definition der Hauptkennzahlen zu einigen, war wichtige Voraussetzung für die konsistente Formulierung von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Dies wurde im Januar 2014 in einem Expertenworkshop einvernehmlich erarbeitet. Hier haben Fachexperten aus BDEW-Gremien und die in Benchmarking-Projekten aktiven Beratungsunternehmen mitgewirkt. Eingeladen waren weiterhin andere Verbände und relevante Behörden.

Vier Anforderungen an das Hauptkennzahlensystem wurden im Rahmen der Diskussion formuliert:

  • Das Aufzeigen einer unzureichenden Kosten- und/oder Aufwandsdeckung sollte auch im Hauptkennzahlensystem abgebildet werden.
  • Das Hauptkennzahlensystem sollte eine möglichst hohe Anzahl von Wasserversorgern zu einem zeitnahen Benchmarking befähigen.
  • Eine wichtige Anwendung des Hauptkennzahlensystems besteht darin, eine hierarchische Aufwandsanalyse der Wasserversorger zu unterstützen.
  • Die Ergebnisse von Kosten- bzw. Aufwandskennzahlen müssen streng getrennt dargestellt und interpretiert werden.


Nach ausführlicher Diskussion wurde im Workshop die Lösung für die Formulierung der wirtschaftlichen Hauptkennzahlen vereinbart, die allen vier der oben formulierten Anforderungen weitgehend Rechnung trägt und wichtiger Teil des Gutachtens wurde:

Für die betriebswirtschaftliche Analyse werden die Hauptkennzahlen auf der Basis der handelsrechtlichen Aufwendungen definiert. Darüber hinaus soll zusätzlich die als Branchenkennzahl ausgewählte Kennzahl "Spezifische Gesamtkosten" als Vorschlag für das Hauptkennzahlensystem übernommen werden. Über die Hauptkennzahl "Aufwandsdeckungsgrad" (Gesamtertrag / Gesamtaufwand * 100 Prozent) und der entsprechenden Kommentierung, dass eine Aufwandsdeckung von 100 Prozent nicht ausreichend für eine vollständige Kostendeckung sein muss, wird auf die mögliche Diskrepanz zwischen Kosten- und Aufwandsdeckung aufmerksam gemacht.

Der BDEW hat das Gutachten nun mit dem Hinweis veröffentlicht, dass vorzugsweise Kosten (statt Aufwand) anzugeben sind.

Hintergrund
Um ca. 80 bis 100 Hauptkennzahlen zu erarbeiten, hatte der DVGW ein Forschungsvorhaben vergeben, das in einer ersten Phase alle verwendeten Kennzahlen (inkl. Definitionen) der Länderprojekte zusammenstellte. Sie umfassen die fünf Säulen des Benchmarkings: Wirtschaftlichkeit, Kundenservice, Qualität, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Aus BDEW-Sicht wurde hier deutlich, dass im Bereich Wirtschaftlichkeit sehr viele unterschiedliche Kennzahlen vorliegen, ebenso wie große Abweichungen. Dies veranlasste den BDEW, in Absprache mit dem DVGW, ein eigenes Gutachten zu vergeben. Die Auftragnehmer sind identisch mit den DVGW-Auftragnehmern.

Das Gutachten wurde von der BDEW-Projektgruppe Benchmarking begleitet. Ein Gutachten zu Kundenservice liegt bereits vor.

Der BDEW hat das Gutachten dem DVGW zur Verfügung gestellt und bedankt sich bei diesem dafür, dass er die Ergebnisse aus der ersten Phase des DVGW-Forschungsvorhabens verwenden konnte. Die Verbände werden sich weiter eng austauschen.


Weitere Informationen

Vera Szymansky
Geschäftsbereich Wasser und Abwasser
Telefon 0 30 / 300 199-1212
E-Mail vera.szymansky@bdew.de

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Anlagen und Materialien

IWW-Gutachten (PDF)