03. September 2014

Benchmarking: Kein Berichtsinstrument für die EU

Der BDEW hat in einer Stellungnahme den Vorschlag der Europäischem Umweltagentur, Benchmarking in der gesamten EU als Berichtsinstrument für Wasserpreise einzuführen, abgelehnt. Ein derartiges Instrument verpflichtend einzuführen, ist nicht zielführend - angesichts der Unterschiede in Europa. Ein freiwilliges Benchmarking könnte dagegen gefördert werden.

Die Europäische Umweltagentur (European Environment Agency, EEA) hatte sich in ihrer Studie zur Wasserpreisgestaltung auf die Kostendeckung inkl. Umwelt- und Ressourcenkosten nach Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bezogen. Ein EU-weites Benchmarking-System sollte nach der EEA-Auffassung Ressourcen- und Umweltkosten in irgendeiner Form mit in die Preisgestaltung einbeziehen und damit auch der Überwachung der Einhaltung der WRRL dienen. Als Beispiel genannt wird hier u.a. der Ansatz einer allgemeinen Schätzung von Umwelt- und Ressourcenkosten nach der WRRL. Dies verknüpfen die Autoren der Studie mit einem aus ihrer Sicht wünschenswerten EU-weiten Benchmarking. Hierzu wird ein Benchmarking-Berichtsbogen für die Erfassung der Umwelt- und Ressourcenkosten vorgeschlagen, der rund 93 Kennzahlen oder Datenvariablen enthält.

Benchmarkingsysteme in der EU nicht vergleichbar
Der BDEW stellt heraus, dass es in Europa unterschiedliche Benchmarkingsysteme gibt, die teils widersprechend sind oder miteinander unvereinbar sind. In Deutschland und Österreich heißt Benchmarking: freiwillige Leistungsvergleiche. In England und Wales ist dagegen Benchmarking Instrument des Regulierungssystems. Viele andere EU-Mitgliedsländer haben dagegen nach Kenntnis des BDEW keine Benchmarkingsysteme. Vereinzelt wenden einzelne Wasserversorgungsunternehmen Benchmarking an, aber oft nicht das komplette EU-Mitgliedsland. So nehmen an der von der EEA zitierten European Benchmarking Cooperation oft nur wenige Versorger pro Land teil, z.B. in Polen zwei Unternehmen. Insofern ist äußerst fraglich, ob die von der EEA gewünschten Daten überhaupt in allen EU-Mitgliedsländern erhoben werden können.

Ver- und Entsorgungsgebiete nicht identisch mit Flusseinzugsgebieten
Bezogen auf die Kostendeckung nach WRRL ist zudem anzuführen, dass das deutsche Benchmarkingsystem von Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsunternehmen angewandt wird. Diese sind nicht identisch mit Flusseinzugsgebieten nach WRRL. Die Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsunternehmen sind nicht mit Wasserbewirtschaftungsaufgaben der Flusseinzugsgebiete betraut. Diese obliegen in Deutschland dem Staat (Ausnahme: Nordrhein-Westfalen). Auf dieser Ebene wäre bei der Analyse anzusetzen.

Pro freiwilliges Benchmarking
Möchte die EU Benchmarking in der Wasserwirtschaft fördern, gälte es als ersten Schritt, dort freiwilliges Benchmarking zu initiieren und zu fördern, wo es bislang nicht angewandt wird. Der BDEW betont, dass er Benchmarking als freiwilliges Instrument der Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsunternehmen sieht, um ihre Leistungen zu vergleichen, von den Besten zu lernen und sich zu verbessern. Es ist kein europäisches oder staatliches Berichtsinstrument. Der BDEW hält es für notwendig, dieses Instrument national zu stärken und nicht durch europäische Berichtspflichten, denen nur max. fünf von 28 EU-Mitgliedstaaten nachkommen können, zu gefährden.


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Vera Szymansky
Geschäftsbereich Wasser und Abwasser
Telefon 0 30 / 300 199-1212
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