02. September 2015

Energielabel soll künftig nur noch die Klassen A bis G umfassen

Die derzeitige Kennzeichnung mit der besten Energieeffizienzklasse "A+++" stößt in einigen Gerätegruppen an ihre Grenze. Die Europäische Kommission hat daher im Juli 2015 Anpassungen des Energielabels und eine Rückkehr zu einer einheitlichen Skala von A bis G vorgeschlagen. Ziel ist die bessere Information für den Verbraucher und daraus resultierend zusätzliche jährliche Energieeinsparungen von 200 TWh bis 2030.

Die momentane Version des Energielabels mit der besten Klasse "A+++" stößt mittlerweile in einigen Gerätegruppen an ihre Grenze, insb. bei Waschmaschinen, Geschirrspülern und Kühl- und Gefriergeräten. Zudem verkompliziert eine Vielzahl von unterschiedlichen Labelversionen die Verbraucherinformation.

Die EU-Kommission hat daher am 15. Juli 2015 im Rahmen eines Maßnahmenpakets zur Umsetzung der Europäischen Energieunion (BDEW-Extra 19/2015) einen Entwurf für eine Neuregelung der Energieverbrauchskennzeichnung veröffentlicht ("Proposal for a Regulation of the European Parlament and of the Council setting a framework for energy efficiency labelling and repealing Directive 2010/30/EU"). Die Steigerung der Energieeffizienz stellt eine der Prioritäten der Energieunionsstrategie dar und soll insbesondere über die ressourcenschonende Produktgestaltung und -kennzeichnung erreicht werden (BDEW Direkt 03/2015). Die einheitliche Rückkehr zur Skala von A bis G soll das Label einfacher und verständlicher machen. Die Kommission erhofft sich davon zusätzliche jährliche Energieeinsparungen von 200 TWh bis 2030, die einen wichtigen Beitrag zur Erreichung des Energieeffizienzziels von mindestens 27 Prozent bis zum Jahr 2030 leisten sollen. Außerdem erwartet die Kommission Umsatzzuwächse für Produkthersteller und Einzelhänder und Kosteneisparungen für Verbraucher.

Die wichtigsten Neuerungen:

  • Zukünftig soll es eine einheitliche Energieverbrauchsskala mit den Klassen A bis G geben. Grundsätzlich bleibt das Erscheinungsbild mit der siebenstufigen Farbskala von Rot bis Grün aber erhalten.
  • Wird ein Label für eine Produktgruppe neu eingeführt oder neu skaliert, sollen zum Zeitpunkt der Einführung keine Geräte in die obersten Klassen A und B fallen (Bestgeräte z. B. in "C"). 
  • Bei den bereits existierenden Produktlabeln sollen die Klassen innerhalb von fünf Jahren umsortiert werden: aus A+++ könnte dann "C" werden.
  • Bereits im Handel befindliche Geräte werden weiterverkauft wie bisher.
  • Neue Geräte dürfen nur mit dem neuen Label von A bis G verkauft werden. Alte Etiketten, z. B. mit A+++ bis D, muss der Händler austauschen.


Aufbau einer europäischen Produktdatenbank
Label- und Produktdaten sollen für Handel, Behörden, Verbraucher besser zugänglich gemacht werden. Damit soll insbesondere die Marktüberwachung in den einzelnen Mitgliedsländern schlagkräftiger werden.

Einführung Anfang 2017 geplant
Der Verordnungsvorschlag der Europäischen Kommission wurde dem Europäischen Parlament und dem Ministerrat übermittelt, die nun im ordentlichen Gesetzgebungsverfahren darüber beraten werden, um zu einer Einigung über Änderungen am Kommissionsvorschlag zu gelangen. Die Kommission erwartet, dass dieser Prozess ca. ein Jahr dauern wird und die neue Labelregulierung zum 1. Januar 2017 in Kraft treten kann. Die Verordnung wäre dann in den Mitgliedstaaten unmittelbar wirksam und würde die Richtlinie über die Energieverbrauchskennzeichnung (2010/30/EU) ablösen.

Die Vorschriften für die neue Produktdatenbank könnten laut Kommission ab dem 1. Januar 2019 gelten. Es ist zu erwarten, dass es zu den Vorschlägen eine intensive und kontroverse Diskussion geben wird. Einigkeit besteht darüber, dass eine grundlegende Änderung dringend nötig ist. Auch der BDEW ist der Meinung, dass weitere Plus-Klassen nicht sinnvoll sind und dass die Marktüberwachung verbessert werden muss. Sinnvoll ist prinzipiell auch die Umetikettierung bei neuen Produkten, um eine Übergangszeit mit verschiedenen Labelversionen so kurz wie möglich zu halten. Die Pläne der Kommission sehen jedoch auch vor, dass der Handel Etiketten innerhalb einer Woche austauschen muss. Dies wird in der Praxis kaum umsetzbar sein. Zudem ist eine umfangreiche Informationskampagne unumgänglich, um den Verbrauchern aber auch dem Handel und dem Handwerk zu verdeutlichen, dass ein "C"-Gerät genauso effizient ist wie früher ein "A+++" Gerät.  

Produktspezifische Umsetzung
Die ersten Gerätegruppen, die das neue Label bekommen, sind voraussichtlich Waschmaschinen, Geschirrspüler, Kühl- und Gefriergeräte und Fernseher. Die jeweiligen Verordnungen befinden sich momentan in der Überprüfungsphase.

Alle bereits existierenden Energielabel sollen innerhalb von 5 Jahren auf die Klassen A-G umgestellt werden. Da die Energieverbrauchskennzeichnungs-Richtlinie nur den allgemeinen Rahmen festlegt, müssen die jeweiligen produktspezifischen Verordnungen angepasst werden. Davon wären dann auch die Energielabel für Heizung und Warmwasser betroffen (BDEW-Direkt 9/2015), die ab 26. September 2015 zunächst mit den Klassen A++ bis G bzw. A bis G neu eingeführt werden. Im Einzelfall muss genau geprüft werden, welche Auswirkungen die Umsortierung für Produktgruppen hat. Ist technisch bedingt keine Weiterentwicklung möglich, muss dies bei der zuküntigen Klasseneinteilung berücksichtigt werden, um Technologie- und Energieträger-Offenheit zu gewährleisten. Fundierte Beratung, wie sie z. B. von Energieversorgungsunternehmen geleistet wird, wird dadurch noch wichtiger.

Der BDEW wird die Entwicklung aktiv verfolgen und sich im Gesetzgebungsprozess einbringen.


Weitere Informationen

Claudia Oberascher
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1372
E-Mail claudia.oberascher@bdew.de

Jessica Markus
BDEW-Vertretung bei der Europäischen Union
Telefon 00 32 2 / 774 51 15
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