05. Dezember 2014

BDEW-Statusbericht zum Standardlastprofilverfahren Gas

Nach dem jetzt vorliegenden "Statusbericht zum Standardlastprofilverfahren Gas", den die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH (FfE) aus München im Auftrag des BDEW seit Jahresbeginn 2014 erarbeitet hat, haben die bisher verwendeten Standardlastprofile Schwächen im Bereich besonders niedriger und besonders hoher Temperaturen. Die Wissenschaftler schlagen mehrere Maßnahmen vor, mit denen die Netzkontenschiefstände der Verteilnetzbetreiber reduziert und damit das Regelenergieaufkommen vermindert werden kann. Der Statusbericht dient als Grundlage zur Diskussion mit Verordnungsgebern und ist Ausgangspunkt für zukünftige Weiterentwicklungen des Standardlastprofilverfahrens Gas. Der BDEW hat der FfE bereits einen Folgeauftrag zur detaillierten Untersuchung der vorgeschlagenen Maßnahmen erteilt.

Fokus des Statusberichts zum Standardlastprofilverfahren Gas ist eine objektive und fundierte Bestandsaufnahme zu dem seit Oktober 2008 angewandten Standardlastprofilverfahren Gas. Standardlastprofile Gas werden für die Bilanzierung von Gasmengen nicht leistungsgemessener Endkunden durch Verteilnetzbetreiber herangezogen. Der Statusbericht zeigt Stärken und Schwächen des bestehenden Verfahrens und identifiziert kurzfristiges Optimierungspotential sowie langfristige Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Die wirtschaftliche und transparente Umsetzbarkeit der vorgeschlagenen Maßnahmen spielt dabei für alle Beteiligten eine zentrale Rolle. Ziel ist es, mit einem weiterhin transparenten Standardverfahren, gemäß den Vorgaben der Festlegung GABi Gas, die Netzkontenschiefstände der Verteilnetzbetreiber zu reduzieren und damit das Regelenergieaufkommen in den Marktgebieten möglichst gering zu halten.

Hintergrund für den Statusbericht ist, dass die Höhe des Regelenergiebedarfs im deutschen Gasmarkt neben den Prognoseabweichungen aus den Rechnungsbilanzkreisen der Bilanzkreisverantwortlichen auch durch die Schiefstände der Netzkonten der Verteilnetzbetreiber hervorgerufen wird. Die Netzkontenabweichungen sind unter anderem abhängig von der Qualität der bestehenden Lastprofile und der Anwendung des Standardlastprofilverfahrens durch die Verteilnetzbetreiber.

Im Statusbericht wurden Ursachen für die regelmäßig (systematisch) und vor allem saisonal auftretenden Netzkontenschiefstände analysiert. Grundlage hierfür sind energiewirtschaftliche Daten der beiden Marktgebietsverantwortlichen NetConnect Germany und Gaspool Balancing Services sowie Daten von 40 Gasverteilernetzen.

Ergebnisse
Die Datenanalyse zeigt, dass in den untersuchten Netzgebieten eine systematische Abweichung von Allokation und Restlast bei besonders niedrigen und besonders hohen Temperaturen auftritt. Bei niedrigen Temperaturen ist ein näherungsweise linearer Zusammenhang zwischen Temperatur und Restlast zu beobachten, der von den bisherigen Profilen der TU München nicht abgebildet wird. Eine Ursache hierfür ist möglicherweise das Nicht-Vorhandensein von Tagen mit ausgesprochen kalten Temperaturen in den Datengrundlagen, die von der TU München bei der Entwicklung der bisher verwendeten Profile herangezogen wurden. Weiterhin treten bei hohen Temperaturen teilweise Abweichungen zum Grundlastbedarf auf, die aus einer Abweichung des tatsächlichen Warmwasserverbrauchs von den Profilwerten resultieren.

Zusätzlich ergeben sich in der Übergangszeit hohe Streueffekte, die durch individuell unterschiedliches Kundenverhalten je nach Wetterlage entstehen und rein temperaturbasiert nicht zu prognostizieren sind. Dieses Phänomen tritt in annähernd allen Netzgebieten auf. Im Rahmen des Statusberichts wurde weiterhin der Regelenergieeinsatz von vier ausgewählten Monaten untersucht, in denen Auffälligkeiten hinsichtlich Regelenergieeinsatz und Netzkontenabrechnungen auftraten. Dabei zeigte sich kein durchgängiger Zusammenhang zwischen dem Regelenergieeinsatz in den Marktgebieten und der Anzahl an Verteilnetzbetreibern mit hohen Schiefständen in den Netzkonten.

Weiterentwicklung/Empfehlung
Aufgrund dieser systematischen Abweichungen wurden mögliche Maßnahmen zur Weiterentwicklung des synthetischen Profilverfahrens identifiziert und analysiert. Darunter zählen ein saisonaler, im Vorfeld bekannter Ausgleichsfaktor, der wesentlich zur Behebung des Sommer-/Wintereffektes beitragen kann sowie eine Linearisierung der bestehenden sigmoiden Profilfunktionen, durch welche die bekannten systematischen Unterallokationen bei kalten Temperaturen vermieden werden können. Der Statusbericht spricht schließlich Empfehlungen aus, diese Maßnahmen genauer zu untersuchen, damit Verbesserungen hinsichtlich der Allokationsgüte der Netzbetreiber erreicht werden können.

Weiteres Vorgehen
Hierfür hat der BDEW bereits einen Auftrag für ein Folgegutachten an die Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft mbH (FfE) erteilt. In dem Folgegutachten sollen die identifizierten Maßnahmen zur Weiterentwicklung des Standardlastprofilverfahrens hinsichtlich der notwendigen Anpassungsmaßnahmen an Profilen und Profilverfahren detailliert untersucht und dargestellt werden. Weiterhin sollen im Rahmen einer Testphase zusammen mit ausgewählten Netzbetreibern die Weiterentwicklungsmaßnahmen erprobt und eine standardisierte Einführung vorbereitet werden. Für eine mögliche Einführung müssen Transparenzanforderungen aller Marktakteure erfüllt und ein standardisierter Datenaustausch mit massengeschäftstauglichen Verfahren zwischen Netzbetreiber und Gaslieferant garantiert werden.

Der BDEW wird die Marktakteure über das weitere Verfahren und neueste Erkenntnisse informieren.


Weitere Informationen

Anna-Louisa Rohrich
Geschäftsbereich Energienetze, Regulierung und Mobilität
Telefon 0 30 / 300 199-1116
E-Mail Anna-Louisa.Rohrich@bdew.de

Marcel Steckel
Geschäftsbereich Vertrieb, Handel und gasspezifische Fragen
Telefon 0 30 / 300 199-1361
E-Mail Marcel.Steckel@bdew.de

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