30. Mai 2012, Berlin

Statement für die Presse:

Hildegard Müller zum heutigen BDEW-Symposium zur Finanzierung der Energiewende

"Für das Gelingen des Generationenprojekts Energiewende ist neben den enormen technischen Herausforderungen die Finanzierungsfrage ein zentraler Punkt. In der aktuellen energiepolitischen Diskussion genießt diese Erkenntnis aber noch keine Priorität. Die Frage nach der zukünftigen Energieversorgung wird intensiv diskutiert. Die Debatte wird allerdings eher von der Suche nach Antworten zur Problemlösung der Klimaveränderung dominiert und weniger durch die Fragen nach Versorgungssicherheit und Finanzierbarkeit. Aber auch in der Finanzierungsfrage brauchen wir bald Klarheit, damit die notwendigen Investitionsentscheidungen zum Umbau der Energieversorgung in Deutschland getroffen werden können. Denn die Investitionen könnten ohne die entsprechenden politischen Rahmenbedingungen ins Stocken geraten. Die Energiewirtschaft ist im Gespräch mit allen beteiligten Akteuren, um die Problemfelder zu identifizieren und entsprechende Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Ein aktuelles Beispiel dafür, dass die Branche immer wieder konstruktive Vorschläge einbringt, ist die aktuelle BDEW-Position zur Klärung der Haftungsrisiken bei Netzanbindungen von Offshore-Parks.

Unbestritten ist, dass sich die Finanzierungsbedingungen von Projekten für die Energiewende insgesamt verschlechtert haben. Immer mehr Unternehmen oder Finanzinstitute sehen momentan bei Investitionen in neue Netze, beim Bau neuer, konventioneller Kraftwerke oder auch beim Finanzierungsbedarf der Erneuerbaren Energien Probleme auf sich zukommen, die hierzu notwendigen Investitionsvolumina aufbringen zu können. Die Gründe für die dadurch wachsende Zurückhaltung bei Investitionen sind vielfältig. Sie reichen von neuen Finanzmarktregeln über eine höhere Eigenkapitalquote bis hin zu ökonomischen, aber auch politischen Unsicherheiten bei den Investitionsbedingungen. Selbst da, wo Finanzmittel zur Verfügung gestellt werden, ist es keineswegs sicher, dass diese auch in die energiewirtschaftlich vordringlichen Projekte fließen. Hinzu kommt, dass in allen Ländern der EU hohe Investitionen in energiewirtschaftliche Projekte anstehen. Es kommt also zu einem Wettbewerb, in dem sich deutsche Projekte auch an den Renditen von energiewirtschaftlichen Projekten in anderen Ländern messen lassen müssen.

Dies trifft insbesondere auch auf die mittel- bis langfristigen Perspektiven der herkömmlichen Geschäftsmodelle der Erzeugung zu. Die unmittelbaren Auswirkungen auf die Bereitstellung von Kapital, die Beurteilung der Bonität der Energieerzeuger und auch das Rating der großen Versorger sind Aspekte, die direkte Auswirkungen auf den Umbau der Energieversorgung in Deutschland haben. Konkret bedeutet dies zum Beispiel, dass die Energieversorger als Kreditnehmer höhere Zinsen zahlen oder mehr Sicherheiten nachweisen müssen als früher. Diese gestiegenen Risiken der Energieinvestitionen führen nicht nur zu einem Wettbewerb der Energiewirtschaft um Kapital, sondern auch zu Wettbewerbsverzerrungen gegenüber weniger liberalisierten Mitbewerbern im europäischen Binnenmarkt. All diesen Fragen geht der BDEW heute auf seinem Symposium nach; die Ergebnisse werden ausgewertet. Dort, wo es nötig ist, werden die Probleme adressiert und Lösungen aus Sicht der Branche anschließend angeboten."

Nach dem Login (oben rechts) finden Mitglieder weitere Informationen und Serviceleistungen.

Ansprechpartner

Mitglieder können hier nach dem Login die Kontaktdaten der Ansprechpartner zu den jeweiligen Themen einsehen