07. August 2013, Berlin

BDEW zu Wasserpreisen und Abwasserentgelten in Handelsblatt-Artikel

Trinkwasserpreise und Abwasserentgelte im europäischen Vergleich angemessen

Oberflächliche Preisvergleiche führen in die Irre / Zahlreiche Leistungs- und Qualitätsstandards müssen berücksichtigt werden

„Oberflächliche Wasserpreisvergleiche werden auch durch Wiederholung nicht richtiger. Wer einfach nur den Betrag auf der Wasser-Rechnung in Deutschland mit den entsprechenden Beträgen in anderen Staaten vergleicht, führt sich faktisch selbst hinters Licht: Diese Vergleiche berücksichtigen weder Subventionen noch europäische Qualitäts- und Leistungsstandards“, sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin mit Blick auf einen heute im Handelsblatt erschienen Artikel zu Wasserpreisen und Abwasserentgelten im internationalen Vergleich.

Auch der Rückgang des Wassergebrauchs verursache zusätzliche Kosten bei der Instandhaltung und Reinigung von Trinkwassernetzen und Abwasserkanälen. „Darüber hinaus müssen die bestehenden Kosten auf eine immer geringere Wassermenge umgelegt werden“, erläuterte Weyand. „Die hieraus entstehenden Probleme und Kosten sind eine Tatsache, die sich nicht einfach wegdiskutieren lässt.“

Der BDEW hat in einem Detailvergleich sechs europäische Länder in den Bereichen Trink- und Abwasser miteinander verglichen. Das Ergebnis: Bei Annahme eines ähnlichen, von der Europäischen Union vorgegebenen Qualitäts- und Leistungsniveaus und gleichzeitiger Berücksichtigung aller Subventionen zahlen Verbraucher in Deutschland pro Kopf und Jahr gemessen am verfügbaren Einkommen für ihre Wasserversorgung und Abwasserentsorgung nicht mehr als Verbraucher in England/Wales, Frankreich, Österreich und den Niederlanden", erläuterte Weyand.

Die BDEW-Studie berücksichtigt den  Anschlussgrad an Kläranlagen, die Ausstattung mit Zählern, die Erneuerungsraten des Netzes  sowie die Abwasserbehandlungsleistung. Zusätzlich werden auch die Ausgaben,  mit denen der jeweilige Staat bzw. seine regionalen und kommunalen Verwaltungseinrichtungen die nationale Wasserwirtschaft bezuschusst, berücksichtigt. Einbezogen werden auch europäische Fördergelder. Der Verbraucher trägt diese Zuschüsse indirekt in Form von Steuern und Abgaben.

„In Deutschland enthält die Wasser- und Abwasserrechnung auch tatsächlich nahezu alle Zahlungen der Bürger für die Leistungen der Wasser- und Abwasserwirtschaft. In anderen europäischen Ländern hingegen zahlen die Bürger neben den auf ihrer Rechnung ausgewiesenen Beträgen zusätzlich über allgemeine Steuern und Abgaben für die Leistungen der Wasser- und Abwasserwirtschaft. Dies findet sich nicht auf der Wasser- oder Abwasserrechnung der Haushalte wieder“, so Weyand.

Die hohe Qualität der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur in Deutschland im europäischen Vergleich zeige sich auch an den Wasserverlusten: Während in Deutschland die Wasserverluste rückläufig seien und etwa 6,5 Prozent des Wasseraufkommens betragen, seien die Wasserverluste in anderen EU-Ländern deutlich höher: In England/Wales gingen demnach 15,5 Prozent des Wasseraufkommens verloren, in Frankreich fast 21 Prozent, in Polen sogar fast ein Viertel (24,6 Prozent).

Die Entwicklung eines jährlich abnehmenden Pro-Kopf-Gebrauchs und der Rückgang der Wasserabgabe an die Industrie führten in Deutschland inzwischen zum Teil zu einer Unternutzung der ausgelegten Infrastruktur und ließen kaum noch Spielraum nach unten, so Weyand. Dies führe zu Kostensteigerungen und Problemen in Trinkwasserleitungen und Abwasserkanälen. Um Ablagerungen und Korrosion sowie hygienische Probleme aufgrund längerer Aufenthaltszeiten und geringerer Fließgeschwindigkeit zu vermeiden, müssten die Trinkwasser- und insbesondere Abwasserleitungen intensiv gespült werden. Die vermehrte Spülung verhalte sich bei zunehmendem Betriebsaufwand kontraproduktiv zu dem eigentlich reduzierten Wassergebrauch. Ein wirkliches Wassersparen sei in diesen Fällen nicht möglich. Zudem führten Spülungen letztendlich zu einer zusätzlichen Kostenbelastung für den Kunden, so Weyand abschließend.

Die Ergebnisse der BDEW-Studie (VEWA-Studie) können hier eingesehen werden.

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Jan Ulland
Pressesprecher / Press Spokesman
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