13. April 2015, Hannover

BDEW veröffentlicht neue Kraftwerksliste:

Hildegard Müller: Die Energiewirtschaft ist eine der Schaltzentralen für die Digitalisierung

BDEW arbeitet im Strategiekreis der Plattform Industrie 4.0 mit / Inzwischen 53 Prozent aller geplanten Kraftwerksneubauten in Frage gestellt

"Die Energiewirtschaft ist eine der Schaltzentralen für die Digitalisierung. Sie ist die Branche, die Kompetenz in den Bereichen Industrie 4.0, Vernetzung der Dinge und Transformation der Energiesysteme von fossilen hin zu erneuerbaren Energien hat. Dies sind die drei großen Zukunftshemen, die derzeit international diskutiert werden. Somit ist das Engagement unser Unternehmen entscheidend, um die Digitalisierung insgesamt voranzutreiben." Das erklärte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), bei der Pressekonferenz des Branchenverbandes im Rahmen der Hannover Messe.

Die Potenziale der Digitalisierung seien für die Energiewirtschaft enorm. Dies zeige sich auch auf der diesjährigen Hannover Messe. "Internettechnologien, Big Data, Innovationen in Prozessen sowie die zunehmende Dezentralisierung eröffnen auch für unsere Branche völlig neue Möglichkeiten und Geschäftsmodelle. Zur politischen Unterstützung arbeitet der BDEW künftig im Strategiekreis der Plattform Industrie 4.0 mit, einer branchenübergreifenden Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sowie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung", erläuterte Hildegard Müller. Ziel der Plattform ist es, den technischen Wandel und seine gesellschaftlichen Folgen zu fördern und zu begleiten. Der BDEW will daran mitwirken, die Vorteile der Digitalisierung für die Energieversorgung und die Energiewende nutzbar zu machen.

"Die Energiewirtschaft setzt die Digitalisierung bereits um", sagte Müller. Die digitale Vernetzung würden die Energieunternehmen durch ihren Einfluss quer über alle Sparten und Wertschöpfungsstufen ganz wesentlich mit gestalten. Müller: "Die Branche arbeitet mit Kunden aus der Industrie, aus dem Gewerbebereich, aus dem Handel und mit Verbrauchern. Die Energieversorger rüsten Haushalte mit modernen Produkten aus. Die Unternehmen investieren in Erneuerbare Energien und moderne Technologien, um die Energiewende Wirklichkeit werden zu lassen."

Diese neuen Möglichkeiten dürften aber nicht über die großen Herausforderungen hinwegtäuschen, mit denen die Energiewirtschaft gleichzeitig zu kämpfen habe. "Wenn die Energiewende und die Umstellung auf die Erneuerbaren Energien als tragende Säule der Energieversorgung gelingen soll, dann brauchen wir auch in Zukunft als verlässliche Ergänzung neue, effizientere und klimafreundlichere Kraftwerke", betonte Müller. Doch wachse der wirtschaftliche Druck bei bestehenden KWK-Anlagen und Kraftwerken und auch die Lage beim Kraftwerksneubau spitze sich immer weiter zu.

Nach der aktuellen BDEW-Kraftwerksliste, die in Hannover vorgestellt wurde, fehlt bei inzwischen rund 53 Prozent aller geplanten Neubauprojekte eine konkrete Investitionsentscheidung. Insgesamt sind 74 Großprojekte, die eine Leistung von mindestens 20 Megawatt haben, mit rund 33.000 Megawatt installierter Leistung geplant, in Genehmigung oder in Bau. Bei 39 Projekten ist die Umsetzung in Frage gestellt. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es noch 32 Projekte, 2013 waren es 22 Projekte, die als unsicher galten. "Wenn es politisch so weiter geht wie bisher, dann wird es keine neuen, modernen Kraftwerke geben. Es gibt einfach keine Investitionsanreize, auch wenn die Politik immer betont, dies ändern zu wollen. Das Gegenteil ist mit den bisher bekannt gewordenen Plänen der Fall", so Hildegard Müller.

Erschwerend komme hinzu, dass der Anteil der Kraftwerke, die rund um die Uhr Strom erzeugen können, in den nächsten Jahren stark sinken werde. "Wir gehen nach heutigem Kenntnisstand davon aus, dass die gesicherte Leistung bis zum Abschalten der letzten Kernkraftwerke 2022 um 16,7 Gigawatt zurückgehen wird", sagte Müller. Neben den Projekten, die laut BDEW-Kraftwerksliste unsicher sind, wirken sich die bei der Bundesnetzagentur beantragten Kraftwerksstilllegungen negativ auf die gesicherte Leistung aus. Außerdem werden durch den Ausstieg aus der Kernenergie weitere Kapazitäten vom Netz gehen. Müller: "Zudem ist es aus heutiger Sicht wahrscheinlich, dass aufgrund der Marktentwicklungen, der zunehmenden Unwirtschaftlichkeit konventioneller Kraftwerke und verschärfter Emissionsgrenzwerte noch weitere Stilllegungen folgen werden."

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