02. Mai 2016

Neues KFW-Förderprogramm "Abwärme" für gewerbliche Unternehmen

Ab 1. Mai 2016 fördert die KfW die Nutzung und Vermeidung von Abwärme mit zinsgünstigen Darlehen. Das Bundeswirtschaftsministerium gewährt dazu Tilgungszuschüsse bis zu 12,5 Mio. Euro. Das KfW-Energieeffizienzprogramm Abwärme richtet sich an gewerbliche Unternehmen und Energiedienstleister. Mitarbeiter von EVU sind von der Beratung ausgeschlossen.

Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Nutzung betrieblicher Abwärme in gewerblichen Unternehmen werden ab 1. Mai 2016 im neuen KfW-Energieeffizienzprogramm - Abwärme (Programmnummer 294) durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) besonders gefördert. Das neue Programm versteht sich als eine Maßnahme im Rahmen der "Offensive Abwärmenutzung" des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz (NAPE).

Mit dem Programm sollen deutliche Beiträge zur Energieeinsparung und Reduzierung von CO2-Emissionen erreicht werden. Anträge können vorerst bis zum 31. Dezember 2019 gestellt werden. Das neue Programm kann für Gewerbekunden der EVU und für Energieeffizienz Netzwerke interessant sein.

Gefördert werden Investitionen in die Modernisierung, Erweiterung oder den Neubau von Anlagen, wenn dadurch betriebliche Abwärme vermieden oder bislang ungenutzte Abwärme effizient genutzt wird.

Antragsberechtigt sind mehrheitlich private gewerbliche Unternehmen, unabhängig von ihrer Umsatzgröße, freiberuflich Tätige und Unternehmen, die im Rahmen einer Contracting-Vereinbarung (Energie-)Dienstleistungen für einen Dritten erbringen (Energiedienstleister). Die Förderung besteht aus einem zinssubventionierten KfW-Förderkredit, der bis zu 100 Prozent der förderfähigen Investitionskosten betragen kann, und Tilgungszuschüssen aus Mitteln des BMWi von bis zu maximal 50 Prozent. Der maximale Kreditbetrag beträgt i.d.R. 25 Mio. EUR, die Kreditlaufzeit maximal 20 Jahre. Der Zinssatz kann bis zu 20 Jahre festgeschrieben werden.

Förderung: Innerbetriebliche Vermeidung und Nutzung von Abwärme
Für die innerbetriebliche Vermeidung und Nutzung von Abwärme wird ein Tilgungszuschuss aus Mitteln des BMWi in Höhe von bis zu 30 Prozent gewährt. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erhalten zusätzlich einen Bonus auf den Tilgungszuschuss in Höhe von 10 Prozent. Das Merkblatt nennt für die innerbetriebliche Vermeidung und Nutzung von Abwärme folgende Beispiele:

  • Prozessoptimierung,
  • Umstellung von Produktionsverfahren auf energieeffiziente Technologien zur Vermeidung bzw.
  • Nutzung von Abwärme,
  • Dämmung/Isolierung von Anlagen, Rohrleitungen und Armaturen,
  • Rückführung von Abwärme in den Produktionsprozess,
  • Vorwärmung von anderen Medien,
  • Verwendung für Heizzwecke außerhalb des Gebäudes, in dem die Wärme anfällt,
  • Stromeffizienzmaßnahmen nur soweit sie in unmittelbarem Zusammenhang mit der Durchführung der Abwärmemaßnahme stehen.


Förderung: Außerbetriebliche Nutzung von Abwärme
Bei der außerbetrieblichen Nutzung von Abwärme beträgt der Zuschuss bis zu 40 Prozent zzgl. einem möglichen KMU-Bonus von 10 Prozent. Das Merkblatt nennt für die außerbetriebliche Nutzung von Abwärme folgende Beispiele:

  • Maßnahmen zur Auskopplung der Abwärme,
  • Verbindungsleitungen zur Weitergabe von Wärme an Dritte, z.B. Einspeisung in bestehende Wärmenetze.


Förderung: Verstromung von Abwärme

  • Verstromung von Abwärme, z.B. ORC-Technologie.


Förderung: Abwärmekonzept sowie Umsetzungsbegleitung und Controlling

  • Förderfähig sind Aufwendungen für die Erstellung des Abwärmekonzepts einschließlich Umsetzungsbegleitung und Controlling der geförderten Investitionsmaßnahme durch externe Sachverständige.


Anforderungen an Energieberater
Voraussetzung für die Förderung ist die Vorlage eines von einem Sachverständigen erstellten Abwärmekonzepts, das bei Antragstellung einzureichen ist. Zugelassene Sachverständige im Sinne dieses Förderprogramms sind externe Energieberater. Der Energieberater muss in der Energieeffizienz-Experten-Liste für Förderprogramme des Bundes geführt sein und für die Kategorie "Energieberatung im Mittelstand (BAFA)" freigeschaltet sein. Das bedeutet, dass Mitarbeiter von EVU von dieser Beratung allerdings erneut ausgeschlossen sind. Sofern das Unternehmen über ein nach DIN EN ISO 50001 oder EMAS zertifiziertes Energiemanagementsystem verfügt, kann das Konzept unternehmensintern erstellt werden.

Weitere Voraussetzungen
Weitere Voraussetzungen sind im "Merkblatt" und zusätzliche qualitative Anforderungen an das Abwärmekonzept in der Anlage "Technische Mindestanforderungen" der KfW beschrieben (Bestellnummer 600 000 3693).

Antragsberechtigte Unternehmen, die Contractingdienstleistungen gemäß DIN 8930-5 erbringen, müssen der Hausbank den Entwurf des Contracting-Vertrages und die Bestätigung zum Contractingvorhaben (Formularnummer 600 000 3733) vorlegen. Hinweise zur Datenweitergabe sind im Merkblatt und in der Bestätigung zum Kreditantrag KfW Energieeffizienzprogramm Abwärme (294) (Formularnummer 6000003692) enthalten.

Nicht gefördert werden Eigenbausysteme und Prototypen sowie gebrauchte Systeme und Systeme mit wesentlich gebraucht erworbenen Anlagenteilen. Auch Maßnahmen, die nach den Richtlinien zur Förderung von Maßnahmen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Wärmemarkt (BAnz AT 25.03.2015 B1) und nach dem Gesetz für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung förderfähig sind werden mit diesem neuen Programm "Abwärme" nicht gefördert.

Grundlage für die Berechnung des Tilgungszuschusses (Investitionskosten oder ggf. Investitionsmehrkosten) sind die beihilferechtlichen Regelungen (AGVO, De-minimis-VO, siehe Merkblatt).

Der Bundesregierung ist an einem zügigen Start der Förderung gelegen. Daher wurde die übliche Ankündigungsfrist von 3 Monaten unterschritten.


Weitere Informationen

Boris Safner
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1376
E-Mail boris.safner@bdew.de