13. Juli 2016

Untersuchung des BDEW und DWD zur Ermittlung von meteorologischen Einflussfaktoren auf das Verbrauchsverhalten der SLP-Gaskunden

Gasnetzbetreiber, die das synthetische Standardlastprofilverfahren nutzen, erstellen täglich auf Basis der Prognosetemperatur eines Wetterdienstleisters und den synthetischen Standardlastprofilen (SLP) eine Verbrauchsprognose für den Folgetag. Der BDEW untersucht zusammen mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD), ob es Zusammenhänge zwischen dem Verbrauchsverhalten und der Meteorologie bzw. weiteren meteorologischen Einflussgrößen gibt, die auch die Temperaturempfindung bzw. das Kundenverhalten beeinflussen und so wiederholt dazu beitragen, dass Netzbetreiber mit Prognoseungenauigkeiten umzugehen haben.

Hintergrund
Die ermittelteVerbrauchsprognose wird als Allokationsmeldung an den Marktgebietsverantwortlichen (MGV) gemeldet. Differenzen zwischen den Allokationsmengen und dem tatsächlichen Gasverbrauch der SLP-Kunden werden in den Netzkonten der NB erfasst. Je genauer die Allokation jedes einzelnen Netzbetreibers ist, desto geringer könnte theoretisch das Regelenergieaufkommen durch die Prognose-abweichung sein. Da die Abwicklung und Anwendung der SLP Gas komplex ist, wird der Markt nach wie vor vor eine Herausforderung gestellt, was eine genauere Ermittlung der Prognosegüte betrifft (vgl. BDEW direkt 4/2014).

Exemplarisch stehen hierfür die Monate Juli und Oktober 2013 sowie November und Dezember 2015 mit einer hohen Anzahl von Netzkontoschiefständen, welche dafür sorgten, dass es unter den deutschen NB zu einer erhöhten Anzahl derer kam, die in die monatliche Netzkontenabrechnung fielen (vgl. BDEW direkt 12/2013).

Die BDEW-Projektgruppe "Standardlastprofile Gas" (PG SLP Gas) hatte zur Verbesserung u.a. zwei Untersuchungen in Auftrag gegeben, die unter dem Titel: "Statusbericht zu Standardlastprofilen Gas" und "Weiterentwicklung der Standardlastprofile Gas" veröffentlicht wurden. Hieraus konnten Erkenntnisse gewonnen werden, welche bereits dazu führten, dass der BDEW bzw. die PG SLP Gas die SigLinDe SLP-Profile ("Sigmoid + linear + Deutschland") entwickelten (vgl. BDEW direkt 08/2015). Trotz neuer Profile war aber auch klar, dass weiterhin Abweichungen vorhanden sein werden, die es gilt zu verringern.

Die Mitglieder PG SLP Gas, aber auch die Gasnetzbetreiber selbst haben wiederholt die Differenz zwischen der Prognose- und der Ist-Temperatur verglichen und bewertet und sich die Frage gestellt, welche Temperatur idealerweise dazu geführt hätte, möglichst geringe Abweichungen in ihrer Prognose zu erhalten. Schließlich lag der Schluss nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Verbrauchsverhalten und der Meteorologie bzw. weiteren meteorologischen Einflussgrößen geben muss. Diese Einflussgrößen schienen auch die Temperaturempfindung bzw. das Kundenverhalten zu beeinflussen und über die bereits am Markt existierende Tagesmitteltemperatur hinauszugehen, welche sich die Gasnetzbetreiber täglich von den Wetterdienstleistern beschaffen.

Untersuchung
Um der Vermutung nachzugehen, wandte sich die PG SLP Gas daher im Juni 2015 deutschlandweit an die Gas-Netzbetreiber des BDEW und bat diese, für eine Untersuchung ihre Daten zu den Gas-SLP-Kunden zur Verfügung zu stellen. Mit den Daten wurde dann eine "Zieltemperatur" berechnet und erstmalig nachgewiesen, dass sich positive Effekte einstellen, wenn man weitere Einflussfaktoren auf eine Prognosetemperatur wirken lässt (z.B. Sonneneinstrahlung, Wind, Bodenfeuchtigkeit …), als nur die bisher verwendete Tagesmitteltemperatur. Die "Zieltemperatur" ist dabei vereinfacht ausgedrückt die Temperatur, mit der die tägliche Abweichung zwischen dem physikalischen Gasfluss der SLP-Kunden (Restlast) und der Allokationsmenge minimiert wird.

Der DWD bot als nachgelagerte Bundesbehörde seine unentgeltliche Unterstützung bei den wissenschaftichen Analysen zur Meteorologie an. Hierfür wurde dem DWD jeweils eine netzbetreiberspezifische Zieltemperatur zur Verfügung gestellt. Schließlich bestand die Aufgabe des DWD nun darin, für die Untersuchungen mögliche Zusammenhänge zwischen dem Gasverbrauch und weiteren Klimadaten herauszufinden.

Ziel war es dabei, Grundsätze für eine allgemein optimierte Gasallokationstemperatur zu entwickeln. Eine allgemein optimierte Allokationstemperatur bestimmt sich aus den Daten einer großen Anzahl von Netzbetreibern und soll im Prinzip für einen beliebigen Ort in Deutschland gelten. Die gefundenen Einflussgrößen sind hier allgemeingültig und nicht mehr scharf an das einzelne Netzgebiet bzw. die verwendete Wetterstation gebunden.


Es ist geplant, dass diese allgemeine Gasprognosetemperatur nach Abschluss der Analysen allen Netzbetreibern bzw. weiteren Wetterdienstleistern zur Verfügung gestellt werden soll. Die NB sollen in Zukunft diese optimimierte Gasprognosetemperatur neben der bisherigen Tagesmitteltemperatur zur Anwendung bringen können.

Seit die Untersuchungen bzw. Analysen im Sommer 2015 begonnen wurden, wurden von rund 60 Netzbetreibern Daten geliefert und ausgewertet. Insgesamt umfassen die Analysen, die bis Ende Juni 2016 angesetzt waren, vier Kalenderjahre. Von dem ausgeweiteten Analysezeitraum über vier Kalenderjahre (2012 - 1. HJ 2016) erwartet die PG SLP Gas noch belastbarere Aussagen zu den meteorologischen Zusammenhängen treffen zu können, da auch extreme bzw. untypische Wetterlagen (wie der warme Winter 2015/2016 und das sehr feuchte Frühjahr 2016) in die Beobachtungen eingeflossen sind.

Vorläufige Ergebnisse
Als bisheriges Fazit kann man feststellen, dass derjenige Netzbetreiber, der heute schon eine recht gute Prognosegüte erreicht, durch die Analyse des Gasverbrauchsverhalten seiner SLP-Kunden eine optimierte Gasprognosetemperatur bekommt, die eine weitere Verbesserung der Prognosegüte ermöglicht und insgesamt helfen könnte, die Schiefstände in den Netzkonten weiter zu reduzieren. Derzeit kann noch keine abschließende Aussage getroffen werden, ob und wie allumfassend die optimierte Gasprognosetemperatur schlussendlich allen Netzbetreibern in Deutschland helfen kann, eine regelmäßige Netzkontoabrechnung dauerhaft zu vermeiden.

Weiteres Vorgehen
Der BDEW plant, die Untersuchungen in diesem Sommer abzuschließen. Anschließend sollen allen Marktteilnehmern die Ergebnisse sowie die zukünftige Anwendung in einer öffentlichen Vorstellung erläutert werden.

Hierzu wird der BDEW zeitnah informieren.


Weitere Informationen

Anna-Louisa Rohrich
Geschäftsbereich Energienetze, Regulierung und Mobilität
Telefon 0 30 / 300 199-1116
E-Mail anna-louisa.rohrich@bdew.de

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