06. Dezember 2012

50,2 Hz-Problematik: Prozessleitfaden für Netzbetreiber veröffentlicht

Der BDEW hat eine Handlungsempfehlung (Prozessleitfaden) für die Netzbetreiber zur Umsetzung der am 26. Juli 2012 in Kraft getretenen Systemstabilitätsverordnung (SysStabV) entwickelt. Nach dieser Verordnung müssen die Stromnetzbetreiber bis spätestens Ende 2014 Photovoltaikanlagen mit einer Maximalleistung von mehr als zehn Kilowatt (kW) so nachrüsten, dass sie sich bei unzulässigen Frequenzabweichungen in Zukunft in einem gestuften Prozess vom Netz trennen.

Bis zur Einführung einer neuen Übergangsregelung durch den Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) im April 2011 (BDEW direkt 5/2011) mussten sich Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz bei einer Frequenz von 50,2 Hertz (Hz) abschalten. Durch den rasanten Zubau von Photovoltaikanlagen sind diese inzwischen zu einer systemrelevanten Größe geworden, bei der das oben beschriebene Verhalten zu einer Gefährdung des gesamten Stromversorgungssystems führen kann (siehe auch BDEW direkt 3/2011).

Diese Problematik adressiert die am 26. Juli 2012 in Kraft getretene SysStabV (siehe auch BDEW extra 34/2012), nach der deutschlandweit mehr als 100.000 PV-Anlagen nachgerüstet werden müssen. Die Nachrüstung ist für Anlagenbetreiber in der Regel kostenlos und wird vom Netzbetreiber durchgeführt. Die bei der Nachrüstung entstehenden Kosten werden je zur Hälfte über die Netzentgelte bzw. über die EEG-Umlage gewälzt. Der BDEW hat den Verordnungsgebungsprozess begleitet und sich unter anderem erfolgreich dafür eingesetzt, dass auch Netzbetreiber im vereinfachten Verfahren ihre Umrüstkosten vollständig refinanzieren können.

Die Wechselrichter von PV-Anlagen sind - gestaffelt nach der Höhe der installierten maximalen Leistung - nach Paragraph 8 Abs. 4 SysStabV insgesamt bis spätestens zum 31. Dezember 2014 nachzurüsten. Anlagen mit einer installierten maximalen Leistung von mehr als 100 Kilowatt sind bereits bis zum 31. August 2013 nachzurüsten.

Zur Begleitung des Nachrüstungsprozesses hat der BDEW die verbändeübergreifende Projektgruppe "Prozessumsetzung 50,2 Hz" unter Beteiligung des Bundesverbandes Solarwirtschaft e.V. (BSW-Solar) sowie des Zentralverbandes der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) eingerichtet, welche die Netzbetreiber bei der Nachrüstung unterstützen wird. Die Projektgruppe hat nun einen Prozessleitfaden für Netzbetreiber zur Nachrüstung von Photovoltaikanlagen gemäß der SysStabV veröffentlicht, der eine Richtlinie für einen zügigen und unkomplizierten Nachrüstprozess darstellen soll.

Der Prozessleitfaden kann auf der BDEW-Internetseite www.bdew.de/50-2Hz abgerufen werden. Diese Seite stellt bereits u.a. Informationen zur gesetzlichen Nachrüstfrist sowie Musteranschreiben an die Anlagenbetreiber bereit. Der nun veröffentlichte Prozessleitfaden stellt eine Handlungsempfehlung für Netzbetreiber zur Umsetzung der SysStabV dar und ergänzt somit das bestehende Informationsangebot.

Das Dokument ist als konkrete  Hilfestellung für Netzbetreiber konzipiert und geht daher neben allgemeinen Informationen insbesondere auf folgende Aspekte ein:

  • Kundenanschreiben und Abfragebogen,
  • Verantwortlichkeit für die Nachrüstung,
  • Varianten der Nachrüstung,
  • Kosten der Nachrüstung,
  • Report gegenüber dem Übertragungsnetzbetreiber.

Ergänzt wird der Prozessleitfaden durch eine separate Fragen- und Antworten-Liste, die stetig aktualisiert und erweitert wird.


Weitere Informationen

Jan Zacharias
Geschäftsbereich Energienetze und Regulierung
Telefon 0 30 / 300 199-1113
E-Mail jan.zacharias@bdew.de

Constanze Hartmann, LL.M.
Geschäftsbereich Recht und Betriebswirtschaft
Telefon 0 30 / 300 199-1525
E-Mail constanze.hartmann@bdew.de

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