27. März 2015

Network Code on Electricity Balancing - Komitologieverfahren startet in Kürze

Auf dem Weg zu einem vollintegrierten EU-Binnenmarkt für Strom ist neben der Etablierung grenzüberschreitender Spot- und Terminmärkte auch die Einrichtung eines grenzüberschreitenden Regelenergiemarktes vorgesehen. Die Regeln für diesen Regelenergiemarkt werden im Rahmen der Network Codes vom Verband der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) erstellt. Der Entwurf für den Network Code on Electricity Balancing wird von der EU-Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) geprüft und in Kürze zur Verrechtlichung der Vorgaben auf EU-Ebene in das sog. Komitologieverfahren überführt. In seiner Stellungnahme zum ENTSO-E-Entwurf für den EU-Regelenergiemarkt weist der BDEW darauf hin, dass dessen Ausgestaltung den Spotmarkt nicht beeinträchtigen darf.

Der Network Code on Electricity Balancing beschreibt die Regeln zur Ausgestaltung des grenzüberschreitenden Regelenergiemarktes. Der BDEW hatte in seiner Stellungnahme zum ersten ENTSO-E-Entwurf des Network Codes on Electricity Balancing darauf hingewiesen, dass der Regelenergiemarkt eine wichtige Funktion als Brücke zwischen Strommarkt und technischer Systemführung darstellt. Als besondere Herausforderung sieht der BDEW die Erfüllung notwendiger Schritte und Bedingungen für die Harmonisierung der Märkte. Die ACER hat den Marktparteien die Möglichkeit eingeräumt, zum finalen ENTSO-E-Entwurf Stellung zu nehmen. Der BDEW hat sich mit einer weiteren Stellungnahme beteiligt.

Ausgestaltung des Regelenergiemarkts darf Spotmarkt nicht beeinträchtigen
Der Network Code on Electricity Balancing sieht zahlreiche Anpassungen vor, um zukünftig einen grenzüberschreitenden Regelenergiemarkt zu ermöglichen. Die Regelenergiemärkte sind in den europäischen Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich ausgestaltet. Aus Sicht des BDEW ist eine Betrachtung der Ausgestaltung des Regelenergiemarktes zwangsläufig auch mit einer Betrachtung des Intraday-Marktes verbunden. Besonders kritisch wird dabei die mögliche Verpflichtung zur Einführung eines kurzfristigen Marktes für Regelarbeit gesehen. Es ist zu befürchten, dass sich durch die Einführung eines parallelen Marktes die Liquidität des Intraday-Marktes verschlechtert. Der BDEW plädiert daher in seiner Stellungnahme dafür, einen kurzfristige Markt für Regelarbeit lediglich als Option einzuführen, bis sich in allen Mitgliedstaaten ein liquider Intraday-Markt etabliert hat. Das erfolgreiche Marktdesign des Zusammenspiels von Intraday- und Regelenergiemarkt in Deutschland darf durch die Regelsetzung im europäischen Rahmen nicht gefährdet werden.

Des Weiteren kritisiert der BDEW, dass den Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) die Möglichkeit eingeräumt wird, selbst Regelenergieprodukte anbieten zu dürfen, sofern dies nicht im ausreichenden Maße durch die Marktparteien erfolgt. Der BDEW sieht darin einen Widerspruch zu den Zielen des 3. EU-Binnenmarktpaketes. Ebenfalls kritisch wird die Reservierungsmöglichkeit von grenzüberschreitender Transportkapazität durch den ÜNB zum Zwecke des Regelenergieaustausches gesehen. Der BDEW setzt sich dafür ein, dass ein Maximum an Transportkapazität zunächst für den Termin- und anschließend für den Day-ahead- und den Intraday-Markt bereitgestellt wird. Lediglich die verbliebene Transportkapazität sollte für den Austausch von Regelenergie genutzt werden.

Der BDEW ist darüber hinaus auch gemeinsam mit seinem europäischen Verband Eurelectric aktiv und setzt sich für praxistaugliche Regelungen bei der Harmonisierung der europäischen Regelenergiemärkte ein.


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Dr. Matthias Grote
Geschäftsbereich Vertrieb, Handel und gasspezifische Fragen
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