31. März 2014

EU-Energieverbrauchskennzeichnung wird evaluiert

Im Rahmen der Online-Konsultation zur Evaluation der Energieverbrauchskennzeichnung-Richtlinie sowie von Teilen der Ökodesign-Richtlinie, die von der EU-Kommission im Zeitraum August bis November 2013 durchgeführt wurde, hat der BDEW u.a. darauf hingewiesen, dass Verbraucher nicht durch Vortäuschung falscher Tatsachen verunsichert werden sollten. So sind z.B. beim neuen Energielabel für Heizkessel die besten Klassen technisch nicht erreichbar. Die EU-Kommission arbeitet seit Mitte 2013 an dieser Evaluation, weil sie Rat und Parlament bis zum 31. Dezember 2014 einen Bericht über die Wirksamkeit beider Richtlinien vorlegen muss.

Neben guten Gebrauchseigenschaften ist insbesondere ein niedriger Energieverbrauch ein wichtiges Entscheidungskriterium für die Auswahl eines energiebetriebenen Gerätes. Daher hat die Europäische Union bereits in den 90er Jahren das Energielabel als verpflichtende Verbraucherinformation eingeführt. Die aktuell gültige Energieverbrauchskennzeichnungs-Richtlinie (2010/30/EU) enthält eine Klausel, nach der die EU-Kommission dem Europäischen Rat sowie dem Europäischen Parlament bis zum 31. Dezember 2014 über deren Wirksamkeit berichten muss. Hinsichtlich der Überarbeitung einiger Aspekte der Ökodesign-Richtlinie (2009/125/EG) kam die EU-Kommission in ihrem Ende 2012 vorgelegten Bericht zur Überprüfung der Wirksamkeit der bisherigen Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie zwar zu dem Schluss, dass weder Bedarf an einer unmittelbaren Überarbeitung der Ökodesign-Richtlinie noch an der Ausweitung des Geltungsbereiches auf nicht energieverbrauchsrelevante Produkte Bedarf bestehe. Die jetzige (nochmalige) Evaluierung der Wirksamkeit und Leistungsfähigkeit der Ökodesign-Richtlinie wird jedoch damit begründet, dass zum Zeitpunkt der vorangegangenen Überprüfung die Richtlinie erst zwei Jahre in Kraft war und aus diesem Grund bestimmte Aspekte innerhalb der damaligen Evaluierung nicht berücksichtigt werden konnten.

Mehrere Beratungsunternehmen, u.a. das Öko-Institut, wurden im Frühjahr 2013 mit einer Hintergrundstudie beauftragt. Im Rahmen der Evaluierung haben mittlerweile drei Stakeholder-Treffen stattgefunden. Außerdem hat die EU-Kommission eine umfangreiche Online-Konsultation veröffentlicht, an der sich der BDEW unmittelbar sowie über Eurelectric beteiligt hat.

Der BDEW merkte insbesondere an:

  • Eine erneute Revision des Energielabels ist nötig und muss dieses zukunftssicher machen, u.a. bei den zugelassenen Energieeffizienzklassen. Die momentan beste Klasse A+++ wird bei Hausgeräten z.T. schon deutlich unterboten. Über die Form der Darstellung muss dringend nachgedacht werden, denn eine Erweiterung auf eine neue Kategorie "A++++" ist nicht empfehlenswert, weil der Verbaucher die Unterschiede kaum noch auf einen Blick erfassen könnte.
  • Das Label muss leicht verständlich sein mit Fokus auf Energieeffizienz, zusätzliche komplexe Umweltangaben wie CO2-Fußabdruck oder "ökologischer Fußabdruck eines Produktes" sind kritisch zu sehen.
  • Das Energielabel wurde zunächst für Elektro-Hausgeräte eingeführt - mit großem Erfolg. Die Ausweitung auf komplexere Geräte bzw. Technologien schafft Probleme bei der Festlegung der Effizienzkriterien (Beispiel: Heizung) und führt zu komplizierten, unverständlichen Labeln (Beispiele: Leuchten, Heizung). Zukünftig muss kritisch geprüft werden, ob ein Label sinnvoll ist.
  • Bestimmte Technologien oder Energiequellen dürfen nicht gegenüber anderen bevorzugt oder benachteiligt werden.
  • Verbraucher bzw. Nutzer sollten nicht durch Vortäuschung falscher Tatsachen verunsichert werden. So sind z.B. beim neuen Energielabel für Heizkessel die besten Klassen technisch überhaupt nicht erreichbar.
  • Alle Labelangaben müssen zuverlässig, wiederholbar und zu vertretbaren Kosten messbar sein.
  • Die Labelangaben müssen für Verbraucher und Umwelt relevant sein.
  • Der Prozess von der Ausschreibung der Vorstudie bis zum Inkrafttreten einer von der EU-Kommission erlassenen Ökodesign-Verordnung dauert zu lange: Bisher sind es im Durchschnitt rund viereinhalb Jahre, bei komplexen Produktgruppen wie Heizung und Warmwasser sogar noch deutlich länger.


Der Endbericht der Hintergrundstudie soll im Juni 2014 vorgelegt werden, eine vorläufige Fassung wurde im Februar 2014 veröffentlicht. Momentan läuft zudem eine Verbraucherstudie in vier EU-Ländern, um die Verständlichkeit und den Einfluss auf die Kaufentscheidung bei verschiedenen Energielabelvarianten zu testen. Die Ergebnisse sollen im Spätsommer 2014 vorgelegt werden. Auf Grundlage dieser Studien sowie der Ergebnisse der Konsultation wird die Kommission Ende 2014 oder Anfang 2015 Vorschläge für eine Revision der Energieverbrauchskennzeichnung-Richtlinie sowie ggf. der Ökodesign-Richtlinie vorlegen. Der BDEW wird den Prozess weiter aktiv verfolgen.

BDEW-Broschüre liefert Hintergrundinformationen
Die BDEW-Broschüre "EU-Ökodesign und EU-Energieverbrauchskennzeichnung" beschreibt den gesetzlichen Hintergrund, die Zielstellung, den allgemeinen Ablauf sowie den aktuellen Stand der produktspezifischen Umsetzung sowohl bei Ökodesign als auch bei der damit eng verzahnten Energieverbrauchskennzeichnung. Die 3. Auflage der Broschüre erfasst den Stand zum Ende September 2013.


Weitere Informationen

Claudia Oberascher
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1372
E-Mail claudia.oberascher@bdew.de

Kathrin Watson
BDEW-Vertretung bei der EU
Telefon 0032 2 / 771 96 42
E-Mail kathrin.watson@bdew.de

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