03. September 2014

Langfristige Strategie der Bundesregierung zur Mobilisierung von Investitionen in die Renovierung des Gebäudebestands

Im Rahmen ihrer Verpflichtungen aus Artikel 4 der Europäischen Energieeffizienzrichtlinie (EED) hat die Bundesregierung im April 2014 ihre langfristige Strategie zur Mobilisierung von Investitionen in die Renovierung des nationalen Gebäudebestands an die EU-Kommission gemeldet. In dem etwa 40 Seiten umfassenden Bericht beschreibt sie den Zustand des Gebäudebestands in Deutschland sowie ihre Strategie für seine kosteneffiziente Sanierung. Der Bericht gibt nicht nur einen guten Überblick über die Struktur des Gebäudebestands in Deutschland, sondern auch über die bestehenden Maßnahmen zur Verbesserung seiner energetischen Qualität.

Knapp 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland entfallen auf den Gebäudebereich. 26 Prozentpunkte davon werden für die Beheizung, weitere fünf Prozentpunkte für die Warmwasserbereitung benötigt. Der Rest entfällt auf Kühlung und Beleuchtung. Aufgrund seines hohen Energiebedarfs gehört der Gebäudebereich zu den wichtigsten Sektoren zur Verbesserung der Energieeffizienz. Bei der Reduzierung des Raumwärmeverbrauchs in Gebäuden - insbesondere bei den privaten Haushalten - sind laut dem Bericht bereits große Fortschritte erzielt worden. Danach liegt der temperaturbereinigte Wert 2012 mit 147 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr um knapp 30 Prozent niedriger als noch Ende der 1990er Jahre (205 kWh pro Quadratmeter und Jahr).

Die Bundesregierung unterscheidet in ihrem Überblick über den Gebäudebestand in Deutschland zwischen Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden. Die amtliche Gebäudestatistik weist für 2011 einen Bestand von rund 18,2 Mio. Wohngebäuden mit zusammen rund 41 Mio. Wohnungen aus. Sie haben eine durchschnittliche Wohnfläche von rund 87 Quadratmetern.

Der Bericht weist aus, dass sich rund 68 Prozent aller Wohnungen in Gebäuden befinden, die vor 1979 errichtet wurden. Der Anteil der Wohnungen in Gebäuden, die nach 1995 gebaut wurden, beträgt rund 13 Prozent. Die aus energetischer und bauphysikalischer Sicht ungünstigste Baualtersklasse der 1950er bis 1970er Jahre macht rund 43 Prozent aus. Aus dieser Zeit stammt mit knapp 20 Mio. Wohnungen auch ein Großteil der Mehrfamilienhäuser. Ansonsten dominieren in jeder Baualtersklasse die Ein- und Zweifamilienhäuser mit insgesamt knapp 18 Mio. Wohnungen. Auch ein Großteil dieser Gebäude ist in den 1950er bis 1970er Jahren entstanden.

Der Bestand an Nichtwohngebäuden beläuft sich nach Schätzungen auf etwa 1,7 Millionen und ist erheblich heterogener strukturiert als der Wohngebäudebestand. Büro- und Verwaltungsgebäude haben mit 22 Prozent den größten Anteil am Nichtwohngebäudebestand, gefolgt von den Gebäuden des Einzelhandels (14 Prozent), Landwirtschaftsgebäuden (14 Prozent) und der Kategorie "Hotels, Cafés und Restaurants" (13 Prozent).

Die Bundesregierung weist darauf hin, dass es für die Bundesgebäude eine Selbstverpflichtung der Bundesregierung zur Reduzierung der Energieverbräuche und der CO2-Emissionen gibt. Bezogen auf das Jahr 1990 sollen bis 2020 insgesamt 50 Prozent CO2-Emissionen eingespart werden. Im Jahr 2008 wurden noch etwa 2,2 Mio. Tonnen CO2 emittiert. Dies entspricht einer Reduzierung der CO2-Emissionen gegenüber 1990 (4,3 Mio. Tonnen) von über 66 Prozent.

Renovierungskonzept
Der Bericht weist richtigerweise darauf hin, dass es im Gebäudebereich keine eindimensionalen Lösungen zur kostenwirksamen energetischen Sanierung gibt. Es bedarf eines Instrumentariums, das eine flexible Unterstützung und Lösungen für die unterschiedlichen Ausgangs- und Interessenslagen bietet. Ein ausgewogener Mix von Vorgaben, Anreizen und Information muss eine konsensgestützte Umsetzung durch die Gebäudeeigentümer ermöglichen. Das Instrumentarium zur weiteren Steigerung der Sanierungsaktivitäten muss möglichst technologieoffene und zielgruppengerechte Lösungen für die energetische Optimierung von Einzelgebäuden wie auch die Quartiersentwicklung bieten. Dies ist auch eine regelmäßig vorgetragene Forderung des BDEW, der zudem auf die notwendige Energieträgerneutralität hinweist. Die Bundesregierung betont in ihrem Bericht, dass Freiwilligkeit und Wirtschaftlichkeit aller Maßnahmen und ein ausgewogener Instrumentenmix aus "Fordern, Fördern, Informieren - Marktkräfte stärken" im Mittelpunkt stehen.

Maßnahmen für umfassende Renovierungen
In einem eigenen Kapitel zählt der Bericht die vorhandenen Maßnahmen zur Sicherung und Steigerung der Energieeffizienz des Gebäudebestandes auf.

Die Energieeinsparverordnung, das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz sowie Vorgaben aus dem Mietrecht stellen den ordnungsrechtlichen Rahmen für die Gebäudeeffizienz dar. Er wird ergänzt durch einen Mix aus Fördermaßnahmen. Die Bundesregierung sieht Förderung als ein zentrales Steuerungsinstrument, um Eigentümer dazu zu motivieren, anstehende Sanierungen mit Energieeffizienzmaßnahmen zu verbinden und hochwertige und möglichst umfassende energetische Modernisierungsmaßnahmen durchzuführen. Jährlich werden momentan etwa drei Prozent des Gebäudebestandes saniert, aber nur bei einem Drittel dieser Gebäude werden auch energetische Sanierungsmaßnahmen - vorrangig Einzelmaßnahmen - durchgeführt.

Zu den wichtigsten Instrumenten gehört hier die KfW-Förderung. Etwa die Hälfte aller Wohnungsneubauten ist KfW-gefördert und wird demgemäß nach einem deutlich über den gesetzlichen Anforderungen liegenden energetischen Standard errichtet.

Im Zeitraum 2006 bis 2013 hat die Förderung die energieeffiziente Sanierung oder Errichtung von fast 3,5 Mio. Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von rund 159 Mrd. Euro unterstützt. Der Förderhebel öffentlicher Mittel zu privaten Investitionen beträgt nach dem Bericht durchschnittlich 1:12, das heißt jeder Euro Fördergeld löst Investitionen in Höhe von 12 Euro aus. Damit ist auch der Einsatz der Fördermittel für den Zuschussgeber hocheffizient. Im Jahr 2014 sollen zum Beispiel für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm 1,8 Mrd. Euro für Zuschüsse oder zinsvergünstigte Darlehen bereitstehen.

In Kapitel 4.6 geht der Bericht kurz auf die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung ein und führt die Absetzbarkeit von Handwerksleistungen an. Hier verschenkt die Bundesregierung durch den Verzicht auf eine umfassende steuerliche Absetzbarkeit von Investitionen zur energetischen Sanierung allerdings aus Sicht des BDEW ein erhebliches Sanierungspotenzial.

Weitere Entwicklung
Im folgenden Kapitel geht die Bundesregierung auf ihr Energiekonzept sowie weitere Projekte und Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Sanierungsstrategie ein. Insbesondere weist sie auf das Ziel des Energiekonzeptes hin, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand erreicht zu haben.

Die bisherigen Instrumente allein werden nicht ausreichen, um diese ambitionierten nationalen Ziele zu erreichen. Erforderlich sind geeignete verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen, Zeit für die Umsetzung und die Etablierung am Markt sowie erhebliche Investitionen zur Realisierung einer dauerhaften Kostenersparnis. Der Bericht erkennt aber auch, dass insbesondere bei der Anwendung des Ordnungsrechts im Bestand hinsichtlich der wirtschaftlichen Belastungen der Mieter und Eigentümer Grenzen gesetzt sind.

Insgesamt zeichnet der Bericht naturgemäß ein positives Bild der deutschen Bemühungen zur Erreichung der Effizienzziele im Gebäudebestand. Dem ist, insbesondere im Vergleich mit den übrigen Mitgliedsstaaten, auch durchaus zuzustimmen. Allerdings sieht der BDEW in einzelnen Bereichen durchaus weiteres Verbesserungspotenzial bei den Rahmenbedingungen für die Sanierung des Gebäudebestands. Insbesondere müssen die Markteingriffe zur Investitionslenkung auf ein Minimum beschränkt bleiben, um die Entwicklung der Effizienz- und Sanierungsmärkte weiter zu unterstützen und nicht durch falsche Signale zu stören.


Weitere Informationen

Hartmut Kämper
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1373
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