02. Februar 2015

Neue und erweiterte BAFA-Förderrichtlinien

Zum Jahresbeginn 2015 hat das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) seine Förderrichtlinien angepasst: Die Vor-Ort-Beratung wird erweitert, Contracting-Beratung wird zukünftig ebenso unterstützt wie die Einrichtung von Energieeffizienz-Netzwerken von Kommunen. Entfallen werden dagegen künftig die Fördermöglichkeiten für Thermografie und für die Stromsparberatung. Auch die Förderung von Querschnittstechnologien wird angepasst.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Umsetzung der Energieeffizienz-Richtlinie hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) das Spektrum der BAFA-Förderung angepasst und erweitert. Die wichtigsten Änderungen sind nachfolgend kurz beschrieben, Details zu den einzelnen Förderprogrammen finden sich auf der Website des BAFA.

Grundsätzlich steht der BDEW der weiteren Unterstützung von Investitionen in Energieeffizienz positiv gegenüber. Allerdings ist auch in den neuen bzw. überarbeiteten Förderprogrammen die Diskriminierung der Mitarbeiter von Energieunternehmen nicht aufgehoben: Sie sind sowohl von der Vor-Ort-Beratung als auch von der Mittelstandsberatung über die Anforderung der sogenannten "Unabhängigkeit" ausgeschlossen. Der BDEW hat gegenüber dem BMWi erneut darauf hingewiesen, dass diese Ausgrenzung nicht sachgerecht ist und zu einer unnötigen Verknappung des Angebotes an kompetenter Energieberatung führt. Die Gespräche hierüber sind aktuell noch nicht abgeschlossen.

Dennoch bieten die Änderungen Anlass, Kunden in den betroffenen Segmenten auf die neuen Möglichkeiten zur Förderung von Effizienzinvestitionen hinzuweisen, auch in Verbindung mit eigenen Dienstleistungsangeboten.

Neue Richtlinie für die Vor-Ort-Beratung
Zum 1. März 2015 tritt die geänderte Richtlinie für die Vor-Ort-Beratung in Kraft. Im Wesentlichen werden die Zuschüsse für die Beratung erhöht, zudem wird ein zusätzlicher Zuschuss für Wohnungseigentümergemeinschaften eingeführt. Gefördert werden Vor-Ort-Beratungen künftig mit 60 Prozent (bislang 50 Prozent) der förderfähigen Beratungskosten, jedoch maximal mit 800 Euro (bislang 400 Euro) bei Ein- und Zweifamilienhäusern und 1.100 Euro (bislang 500 Euro) bei Wohnhäusern mit mindestens drei Wohneinheiten.

Für die Beratung von Wohnungseigentümergemeinschaften wird zukünftig ein Zuschuss in Höhe von maximal 500 Euro für eine zusätzliche Erläuterung des Energieberatungsberichts in der Wohnungseigentümerversammlung bzw. Beiratssitzung gewährt. Förderfähig sind 100 Prozent des auf die zusätzliche Erläuterung entfallenden Anteils des Beratungshonorars - bis zum Maximalbetrag von 500 Euro.

Für den Energieberatungsbericht besteht künftig folgende Wahlmöglichkeit: Entweder es wird im Rahmen eines energetischen Sanierungskonzepts aufgezeigt, wie durch zeitlich zusammenhängende Maßnahmen ein energetisches Niveau erreicht werden kann, das einem KfW-Effizienzhaus entspricht (Komplettsanierung). Oder es wird - alternativ - ein Sanierungsfahrplan für eine umfassende energetische Sanierung aufgestellt. Der Sanierungsfahrplan muss einen Vorschlag enthalten, in welcher Reihenfolge die unter Beachtung der Energieeinsparverordnung (EnEV) und des Stands der Technik aufeinander abgestimmten Maßnahmen umgesetzt werden sollten.

Hinsichtlich der Anforderungen an den Berichtsinhalt verweist die BAFA insbesondere auf aktualisierte Checklisten (innerhalb der Rubrik "Downloads") sowie auf die FAQ.

Zur besseren Übersicht hat das BAFA überdies die wichtigsten Änderungen der Richtlinie in einer Broschüre tabellarisch gegenübergestellt.

Förderung von Einspar-Contracting für Kommunen und kleine und mittlere Unternehmen
Neu ist eine Förderung von Projektentwicklern für Einspar-Contracting bei Kommunen und KMU. Förderfähig sind Ausgaben für Beratungsleistungen des Projektentwicklers einschließlich der Ausgaben für die Erstellung der Abschlussberichte bzw. der Erstellung der Leistungsbeschreibung. Die Förderung erfolgt als Projektförderung auf Ausgabenbasis in Form einer Anteilsfinanzierung und wird als nicht rückzahlbarer Zuschuss an den Antragsteller gewährt.

Antragsberechtigt sind Kommunen, mehrheitlich in kommunalem Eigentum befindliche Unternehmen und Einrichtungen sowie kleine und mittlere Unternehmen, die sich mehrheitlich in Privateigentum befinden und die KMU-Kriterien der EU-Kommission erfüllen.

Die Antragsteller müssen Eigentümer der Immobilien und Liegenschaften sein, die Beratungsgegenstand sein sollen, und deren Energiekosten mindestens 100.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer betragen.

Die Förderung soll insbesondere potenzielle Contracting-Nehmer ohne Contracting-Erfahrungen an diese Form der Umsetzung bzw. Finanzierung von Einspar-Maßnahmen heranführen. Das Programm dient auch der Erfüllung der Vorbildfunktion des öffentlichen Sektors bei der Steigerung der Energieeffizienz und ist Bestandteil des Maßnahmenpaketes zur Umsetzung der Energieeffizienz-Richtlinie, hier insbesondere Artikel 18 (Förderung von Energiedienstleistungen).

Förderung von Energieeffizienz-Netzwerken von Kommunen
Nicht erst seit ihrer Verankerung im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) gehören auch Energieeffizienz-Netzwerke zu den Instrumenten. Das Programm "Förderung von Energieeffizienz-Netzwerken von Kommunen" will gezielt die Bildung solcher Netzwerke von Kommunen anregen.

Zur Steigerung der Energieeffizienz können sich Kommunen im Rahmen dieses Förderprogramms zusammenschließen und gemeinsam, mit Unterstützung durch ein Netzwerkteam, Energieeinsparungen erkennen und entsprechende Maßnahmen umsetzen. Netzwerk- und Energieexperten sollen diese Energieeffizienznetzwerke initiieren, geeignete Maßnahmen zur Minderung des Energieverbrauchs identifizieren und die Umsetzung von Einsparzielen, die sich die Netzwerkteilnehmer selbst setzen, begleiten.

Gefördert wird sowohl die Phase der Initiierung eines Netzwerks als auch die Begleitung der Netzwerkarbeit. In der Netzwerkphase sind alle Personal- und Sachausgaben für den Ausbau, die Einrichtung und den Betrieb eines Energieeffizienz-Netzwerkes förderfähig. Die Höhe des nicht rückzahlbaren Zuschuss beträgt bis zu 50 Prozent der förderfähigen Ausgaben. Der jährliche Zuschuss ist auf höchstens 10.000 Euro pro Netzwerkteilnehmer beschränkt.

Förderung von Querschnittstechnologien
Angepasst wurde auch das Programm zur Förderung von hocheffizienten Querschnittstechnologien. Neben redaktionellen Änderungen, die sich aus den Erfahrungen mit der Anwendung des Programms ergeben haben, wurde die Förderung an die technologische Entwicklung angepasst. Unter anderem wird die Förderung der Umstellung auf LED-Beleuchtung zurückgefahren, dafür wird zum Beispiel das Dämmen von Rohrleitungen als neuer Fördertatbestand aufgenommen.

Das Programm umfasst wie bisher zwei Arten von Maßnahmen, die Förderung von Einzelmaßnahmen sowie die sogenannte systemische Optimierung. Bei Einzelmaßnahmen wird der Ersatz einzelner Anlagen durch hocheffiziente Anlagen in den Bereichen elektrische Motoren und Antriebe, Pumpen, Raumlufttechnische Anlagen, Druckluftsysteme sowie Anlagen zur Wärmerückgewinnung mit einem nicht rückzahlbaren Zuschuss gefördert. Die systemische Optimierung zielt auf die ganzheitliche Betrachtung eines technischen Systems. Im Rahmen einer Energieberatung wird ein unternehmensindividuelles Energieeinsparkonzept erarbeitet, auf dessen Basis sowohl der Ersatz von Querschnittstechnologien als auch der Ersatz von Anlagen oder Anlagenteilen, die die Energieeffizienz eines technischen Systems unter Nutzung hocheffizienter Querschnittstechnologien verbessern, gefördert werden kann.

Förderung der Mittelstandsberatung
Ziel dieses Programms ist es, die Anzahl der durchgeführten Energieberatungen bei KMU weiter voran zu bringen und damit vorhandene Energieeinsparpotenziale zu heben. Gefördert wird Beratung für Unternehmen mit jährlichen Energiekosten über 10.000 Euro mit bis zu 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten einschließlich einer eventuell in Anspruch genommenen Umsetzungsberatung, jedoch maximal 8.000 Euro. Für Unternehmen mit jährlichen Energiekosten von maximal 10.000 Euro beträgt die Zuwendung ebenfalls bis zu 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten, jedoch maximal 800 Euro.

Darüber hinaus wurde auch die KWK-Förderung angepasst.


Weitere Informationen

aus dem Geschäftsbereich Energieeffizienz

Boris Safner
Telefon 0 30 / 300 199-1376
E-Mail boris.safner@bdew.de

Hartmut Kämper
Telefon 0 30 / 300 199-1373
E-Mail hartmut.kaemper@bdew.de

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