27. März 2015

Verbesserte Förderung für effiziente Heizsysteme

Das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien (MAP) wurde umfassend novelliert. Die Novelle tritt am 1. April 2015 in Kraft und ist ein deutlicher Impuls für die Energiewende im Wärmemarkt.

Die Anzahl der geförderten Anlagen ist im BAFA-Teil seit dem Jahr 2010 von knapp 146.000 Anlagen auf knapp 56.000 Anlagen im Jahr 2014 zurückgegangen. Alleine von 2013 zu 2014 sank die Anzahl der geförderten Anlagen um über 16.000 Anlagen bzw. um über 22 Prozent. Auch zu Beginn des Jahres 2015 verzeichnet das Programm einen Rückgang der Nachfrage. Die Hälfte der im Jahr 2014 insgesamt (55.881) geförderten Anlagen waren Biomasseanlagen (27.638), gefolgt von Solaranlagen (22.185) und Wärmepumpen (4.471). Im KfW-Teil des MAP war der Rückgang innerhalb der beiden letzten Berichtsjahre weniger stark. Die Anzahl der Förderzusagen der KfW sank von 2.695 im Jahr 2013 auf 2.595 im Jahr 2014.

Die Förderrichtlinie ist auch nach seiner Novellierung hochkomplex. Die Expertenkommission zum Monitoring-Prozess "Energie der Zukunft" stellt zum MAP fest, dass die Komplexität "nicht unbedingt hilfreich [ist], Gebäudebesitzern die Förderoptionen zu vermitteln und somit Investitionen anzureizen". Mit der neuen Richtlinie ergeben sich vielfältige Änderungen gegenüber der vorhergehenden Richtlinie. Wie für die alte Richtlinie liegen auch zur neuen Richtlinie Übersichtstabellen (Solarthermie, Biomasse, Wärmepumpe) vor, die die Richtlinie für Anwender überhaupt erst verständlich machen.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick
Die Fördersätze sind bei bei fast allen Fördersegmenten erhöht, insbesondere die solare Trinkwarmwasserbereitung verzeichnet erhebliche Steigerungen. Die Antragsberechtigung wird auf alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe, ausgeweitet. Bei Neubauten sind nun oft Ein- und Zweifamilienhäuser förderfähig (bislang erst ab drei Wohnungen). Der Gebäudebestand wird neu definiert: Zu ihm zählen Gebäude, in denen seit mindestens zwei Jahren ein anderes Heizungssystem installiert ist, das ersetzt oder unterstützt werden soll. Die Frist für die Antragstellung wird zum Teil von sechs auf neun Monate erweitert. Solarkollektoranlagen zur reinen Warmwasserbereitung sind jetzt auch (wieder) Gegenstand der Basisförderung.

Die Höchstgrenze bei der solaren Prozesswärme von 1.000 Quadratmetern wird aufgehoben. Neu ist eine ertragsabhängige Förderung im Rahmen der solaren Innovationsförderung; davon verspricht sich das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) Innovationsanreize für die Entwicklung effizienterer Solarthermieanlagen. Die Prozesswärme wird nun auch mit der Errichtung einer Biomasse-Anlage oder effizienten Wärmepumpe gefördert. Für Optimierungsmaßnahmen an neuen förderfähigen Anlagen wird eine Zusatzförderung gewährt. Auch nachträgliche Optimierungsmaßnahmen an bereits geförderten Anlagen sind nun förderfähig. Für Wärmepumpen wird ein Lastmanagementbonus (für das Label Smart-Grid-Ready "SG-Ready") neu eingeführt. Auch ein Qualitätscheck von Wärmepumpen wird ab ein Jahr nach Inbetriebnahme einer geförderten Anlage bezuschusst. Der Bonus für die Zuführung der Wärme in ein Wärmenetz wird jetzt auch mit der Errichtung einer Biomasse-Anlage oder Wärmepumpe möglich. Auch hinsichtlich der Antragsfristen ist vieles geändert.

Solarthermie
Besondere Impulse im Wärmemarkt setzt die deutlich verbesserte Förderung von Solarthermieanlagen. Die Basisförderung für thermische Solaranlagen bis 40 Quadratmeter Kollektorfläche beträgt mindestens 500 Euro für die reine Warmwasserbereitung und mind. 2.000 Euro für sonstige Anwendungszwecke wie beispielsweisde die Heizungsunterstützung. Das sind 500 Euro mehr als bisher. Der Kombinationsbonus beim Austausch eines alten Kessels wird mit 500 Euro zusätzlicher Förderung beibehalten. Zusätzliche Optimierungsmaßnahmen am Heizungssystem im Zusammenhang mit der Errichtung der Solaranlage können mit bis zu weiteren 1.000 Euro bezuschusst werden. Zusammen sind das bis zu 3.500 Euro Fördersumme.

Durch das MAP werden Solarthermieanlagen für folgende Anwendungsbereiche gefördert:

  • Warmwasserbereitung
  • Raumheizung
  • Kombinierte Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung
  • solare Kälteerzeugung
  • Integration in Wärme- und Kältenetze 
  • Bereitstellung von Prozesswärme.


Die Innovationsförderung großer Solaranlagen (ab 20 und bis 100 Quadratmeter) beträgt nun 100 Euro je qm für die reine Warmwaserbereitung und 200 Euro/qm für die Raumheizungsunterstützung oder die Einspeisung in Wärmenetze. Für Neubauten sind diese Werte um 20 Prozent reduziert.

Neu ist die alternative Innovationsförderung als ertragsabhängige Förderung. Hier ist der Investitionszuschuss vom rechnerisch ermittelten Kollektorertrag abhängig. Diese Art der Förderung soll nach Ablauf eines Jahres auf der Grundlage von gutachterlichen Untersuchungen überprüft und ggf. angepast werden.

Für große Solarkollektoranlagen mit der Nutzung als Prozesswärme können bis zu 50 Prozent der Investititionskosten als Förderung gewährt werden.

Förderung von Wärmepumpen
Elektrische Wärmepumpen (WP) erhalten in der Basisförderung bei Verwendung der Wärmequellen Erdwärme oder Wasser 100 Euro/kW, jedoch

  • mindestens 4.500 Euro bei Erd-WP mit Erdsonde
  • mindestens 4.000 Euro bei allen anderen Erdwärme-/Wasser-WP.


Die Basisförderung von Luft-Wasser-WP beträgt 40 Euro/kW, jedoch

  • mindestens 1.500 Euro bei leistungsgeregelten und/oder monovalenten WP
  • mindestens 1.300 Euro bei sonstigen L/W-WP.


Gas-Wärmepumpen erhalten in der Basisförderung für alle Wärmequellen 100 Euro/kW, jedoch mindestens 4.500 Euro.

Es bestehen drei Bonus-Sachverhalte: Die Bonusförderung für lastmanagementfähige WP (Lastmanagementbonus - SG-Ready) beträgt 500 Euro. Der Kombinationsbonus beträgt ebenfalls 500 Euro für die gleichzeitige Errichtung der WP mit einer Solarthermie-Anlage, mit einer Biomasseanlage oder für den Anschluss an ein Wärmenetz. Der dritte Bonus-Sachverhalt betrifft den Effizienzbonus und beträgt 50 Prozent der jeweiligen Basisförderung. Im Bereich der Innovationsförderung sind neue Sachverhalte förderfähig, z.B. für Prozesswärme bis zu einem maximalen Förderbetrag von 18.000,- Euro.

Förderung von großen Biomasse-Anlagen inklusive Biomasse-KWK
Gegenstand der Förderung ist die Errichtung und Erweiterung von automatisch beschickten Anlagen und emissionsarmen Scheitholzkesseln zur Verfeuerung oder Vergasung von fester Biomasse für die thermische Nutzung mit mehr als 100 Kilowatt (kW) Nennwärmeleistung. Zu den förderfähigen Anlagen zählen insbesondere Kessel zur Verbrennung naturbelassener Biomasse, insbesondere Holz in Form von Scheitholz, Hackschnitzeln oder Presslingen.

Wie bislang kann als Basisförderung ein Tilgungszuschuss in Höhe von bis zu 20 Euro je kW installierter Nennwärmeleistung - höchstens jedoch 50.000 Euro je Einzelanlage - gewährt werden bei Errichtung und Erweiterung von automatisch beschickten Anlagen und emissionsarmen Scheitholzkesseln zur Verfeuerung oder Vergasung von fester Biomasse für die thermische Nutzung mit einer installierten Nennwärmeleistung von mehr als 100 kW.

Zusätzlich zur Basisförderung können 20 Euro pro kW Nennwärmeleistung bei Einhaltung bestimmter Staubemissionsgrenzwerte und weitere 10 Euro pro kW für Pufferspeicher mit einem Mindestspeichervolumen von 30 Liter pro kW als kumulierbare Innovationsförderung in Anspruch genommen werden. Die Gesamthöchstförderung beträgt, wie bisher, 100.000 Euro je Anlage.

Wie im MAP 2012 kann mit einem Tilgungszuschuss von bis zu 40 Euro je kW Nennwärmeleistung die Errichtung und Erweiterung von Anlagen zur Verfeuerung und Vergasung von fester Biomasse für die kombinierte Wärme- und Stromerzeugung (Biomasse-Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, Biomasse-KWK), auch zur thermisch getriebenen Erzeugung technischer Kälte, gefördert werden, wenn die Biomasse-KWK-Anlage eine Nennwärmeleistung von über 100 kW bis zu einer Nennwärmeleistung von 2.000 kW aufweist und der elektrische Wirkungsgrad größer als zehn Prozent und der Gesamtwirkungsgrad größer als 70 Prozent ist. Neu ist der Verweis auf Paragraph 3 Absatz 1 Nummer 13 der 1. BImSchV, wonach auch sonstige nachwachsende Rohstoffe eingesetzt werden dürfen, soweit sie bestimmte Anforderungen erfüllen. Ansonsten haben sich die Fördervoraussetzungen gegenüber dem bisherigen MAP nicht verändert.

Förderung von großen Wärmespeichern in der Innovationsförderung
Bei Errichtung und Erweiterung großer Wärmespeicher ab zehn Kubikmeter kann in der Innovationsförderung ein Tilgungszuschuss gewährt werden von bis zu 250 Euro je Kubikmeter Speichervolumen bei Wasserspeichern und bis zu 250 Euro je Kubikmeter Wasseräquivalent bei Latentwärmespeichern und bei sonstigen Wärmespeichern. Der Förderbetrag deckt höchstens 30 Prozent der für den Speicher nachgewiesenen Nettoinvestitionskosten ab und beträgt je Wärmespeicher höchstens 1.000.000 Euro. Sowohl bei den Fördersätzen als auch bei den einzuhaltenden Kriterien haben sich gegenüber dem MAP 2012 keine Änderungen ergeben. So dürfen die Speicher beispielsweise nicht nach dem KWK-G gefördert werden können.

Nahwärmenetze
Dier Voraussetzungen zur Förderung haben sich grundsätzlich nicht geändert. Die durch das Wärmenetz verteilte Wärme muss entweder zu mindestens 20 Prozent aus Solarwärme (sofern ansonsten fast ausschließlich Wärme aus hocheffizienter KWK, aus Wärmepumpen oder aus industrieller oder gewerblicher Abwärme eingesetzt wird) oder zu mindestens 50 Prozent aus Wärme aus erneuerbaren Energien oder zu mindestens 50 Prozent aus Wärmepumpen oder zu mindestens 50 Prozent aus Anlagen zur Nutzung von Abwärme oder zu mindestens 50 Prozent aus einer Kombination der vorgenannten Maßnahmen entstammen.

Neu ist, dass bei der überwiegenden Versorgung von Neubauten die geforderten Anteile von Erneuerbaren Energien, Wärmepumpen, Abwärme oder einer Kombination aus den genannten auf 60 Prozent angehoben wurden.

Ferner setzt die Förderung voraus, dass im Mittel über das gesamte förderbare Netz ein Mindestwärmeabsatz von 500 kWh pro Jahr und Meter Trasse nachgewiesen wird.

Der Tilgungszuschuss beträgt 60 Euro je errichtetem Meter Trassenlänge. Die Förderung beträgt jedoch höchstens 1.000.000 Euro (Förderhöchstbetrag). Der Förderhöchstbetrag erhöht sich auf 1.500.000 Euro, sofern Wärme aus Tiefengeothermieanlagen in das Wärmenetz eingespeist wird.

Zu den förderfähigen Investitionskosten zählen auch die Nettoinvestitionskosten für jede Hausübergabestation, für die zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme des förderbaren Nahwärmenetzes ein verbindlicher Anschlussvertrag geschlossen wurde und für die kein Anschlusszwang besteht. Der Tilgungszuschuss beträgt bis zu 1.800 Euro je Hausübergabestation; ausgenommen sind Neubauten.

Nicht gefördert wird die Errichtung und Erweiterung eines Wärmenetzes, das mit Wärme aus Kraft-Kopplungsanlagen (KWK-Anlagen) gespeist wird, wenn eine Zuschlagszahlung nach dem KWK-G gewährt wird.

Darüber hinaus wird eine Wärmenetz-Kombinationsförderung bei großen Solarkollektoranlagen angeboten. Wenn die in der Solarkollektoranlage erzeugte Wärme zum überwiegenden Anteil in ein Wärmenetz einspeist, kann für die Solarkollektoranlage ein Tilgungszuschuss von bis zu 40 Prozent der förderfähigen Nettoinvestitionskosten beantragt werden.

Förderung von Biogasleitungen
Bis zu 30 Prozent der förderfähigen Investitionskosten können als Tilgungszuschuss für den Neubau und die Erweiterung von Biogasleitungen gewährt werden, wenn das Biogas (nicht Biomethan) einer Aufbereitungs- oder KWK-Anlage zugeführt oder als Kraftstoff genutzt wird.

Tipps
Liegt die Installation einer durch das MAP geförderten Anklage mehr als drei Jahre zurück, kann die Nachjustierung der Anlage mit bis zu 200 EUR gefördert werden.

Die Förderbedingungen des MAP unterliegen oft kurzfristigen Änderungen. Vor Beginn einer Antragstellung oder Maßnahme ist es daher unerlässlich, sich über die aktuellen Förderrichtlinien beim BAFA zu informieren.

Während eine Antragstellung auf Förderung im Rahmen der KfW-Programme oder der Mini-KWK-Richtlinie in der Regel vor Beginn der Maßnahme erfolgen muss, ist dies bei der MAP-Förderung nach Abschluss der Installationsarbeiten vorgesehen.


Weitere Informationen

Boris Safner
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1376
E-Mail boris.safner@bdew.de

Ingram Täschner
Geschäftsbereich Vertrieb, Handel und gasspezifische Fragen
Telefon 0 30 / 300 199-1261
E-Mail ingram.taeschner@bdew.de

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