26. April 2013

Studien von KfW und dena: Gebäudesanierung lohnt sich

Zwei neue Studien kommen zu dem Schluss: Die Sanierung des Wohngebäudebestandes lohnt sich sowohl in volkswirtschaftlicher Betrachtung als auch in Bezug auf das von der Bundesregierung angestrebte Ziel einer Minderung des Energiebedarfs für die Raumwärmenutzung um 80 Prozent bis zum Jahr 2050. Bei der Studie im Auftrag der KfW-Bank "Ermittlung der Wachstumswirkungen der KfW-Programme zum Energieeffizienten Bauen und Sanieren" ging es um die makroökonomische Perspektive, bei der im Auftrag der Deutschen Energie-Agentur (dena) durchgeführten Studie "Auswertung von Verbrauchskennwerten energieeffizient sanierter Wohngebäude" um die Bewertung abgeschlossener Gebäudesanierungen in Bezug auf das angestrebte Verbrauchsminderungsziel. Vor allem die KfW-Studie zeigt, wie groß der Markt für Sanierungs- bzw. Energieeffizienzmaßnahmen werden kann. Für die Energieunternehmen bietet sich hier eine große Chance, angesichts der zurückgehenden Nachfrage nach Heizenergie zumindest einen Teil der Umsatzeinbußen durch Verlagerung des Geschäftes zu kompensieren.

Auf besonderes Presseecho ist die im Frühjahr 2013 veröffentlichte Studie der KfW-Bankengruppe gestoßen, die von der Unternehmensberatung Prognos erstellt wurde. Sie wurde - fälschlicher Weise - dahingehend interpretiert, dass sie die Gebäudesanierung als unwirtschaftlich darstelle. Dieses Missverständnis ist wohl der volkswirtschaftlichen Betrachtungsweise in Verbindung mit einer leicht verkürzten Darstellung im Abschlussbericht der Studie geschuldet.

KfW-Studie "Ermittlung der Wachstumswirkungen der KfW-Programme zum Energieeffizienten Bauen und Sanieren"
In einer Kosten-Nutzen-Analyse stellt sie die theoretischen Gesamtkosten einer Sanierung des kompletten Gebäudebestandes mit einer Minderung des Heizenergiebedarfs um 80 Prozent - wie von der Bundesregierung für 2050 angestrebt - den damit verbundenen Energiekosteneinsparungen sowie weiteren volkswirtschaftlichen Effekten gegenüber. Die Studie verweist darauf, dass für diese Kosten-Nutzen Analyse nicht die Vollkosten der Sanierung als Maßstab herangezogen werden dürfen, sondern nur die Mehrkosten für die höhere Energieeffizienz.

Zu den Hauptaspekten, die in der Studie untersucht wurden, gehören die Höhe des durch die Förderung ausgelösten Investitionsimpulses, die durch Effizienzsteigerungen bedingte Energiekosteneinsparung und vermiedene Umweltschäden. Zudem wurden die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Steuereinnahmen betrachtet. Dabei wird der mittlere jährliche Endenergieverbrauch sanierter Gebäude für 2011 je nach Szenario auf Werte zwischen 100 und 120 Kilowattstunden je Quadratmeter (kWh/m2) angesetzt und eine Reduktion dieses Wertes bis 2050 auf 30 bis 80 kWh/m2 angenommen.

In den kommenden 35 Jahren muss ein Großteil des heutigen Gebäudebestandes ohnehin saniert bzw. durch Neubauten ersetzt oder ergänzt werden, auch ohne energie- und klimapolitische Ziele. Daher macht die Studie in dem von den Autoren als realistisch angesehenen Szenario folgende Rechnung auf:

  • 507 Mrd. EUR Gesamtkostenvolumen für die Sanierung des Gebäudebestandes, darunter 270 Mrd. EUR für ohnehin erforderliche Gebäudesanierung sowie 237 Mrd. EUR für energieeffizienzsteigernde Zusatzinvestitionen. Darin enthalten sind 66 Mrd. EUR Fördermittel der KfW-Bank.
  • Zu den 507 Mrd. EUR für die Bestandssanierung rechnet die Studie außerdem 331 Mrd. EUR für den energieeffizienten Neubau hinzu und kommt so auf ein Gesamtvolumen für die Erreichung der Effizienzziele im Gebäudebestand von 838 Mrd. EUR bis 2050.
  • Dem stellen die Autoren 372 Mrd. EUR Energiekosteneinsparung und 118 Mrd. EUR Steuermehreinnahmen sowie 208 Mrd. EUR positive Wertschöpfungseffekte gegenüber.

Rein auf die Effizienzinvestitionen bezogen führen also 237 Mrd. Euro zusätzliche Investitionen für Energieeffizienzmaßnahmen im Gebäude zu einer Energiekosteneinsparung von 372 Mrd. EUR. Dabei könnte die notwendige Investitionsförderung haushaltsneutral aus den erzielten Steuermehreinnahmen finanziert werden.

dena-Studie "Auswertung von Verbrauchskennwerten energieeffizient sanierter Wohngebäude"
Nahezu gleichzeitig mit der Studie der KfW hat die Deutsche Energieagentur (dena) ihre Studie zu Verbrauchskennwerten energieeffizient sanierter Gebäude veröffentlicht. Die Untersuchung vergleicht gezielt den Energiebedarf von energieeffizient sanierten Wohngebäuden vor und nach der Sanierungsmaßnahme. Sie stellt dabei die theoretisch ermittelten Bedarfswerte den tatsächlich erzielten Energieverbräuchen gegenüber. Im Gegensatz zur KfW-Studie also kein makroökonomischer Ansatz, sondern eine Auswertung konkreter Sanierungsfälle in Bezug auf die erzielten Energieeinsparungen.

Für die Studie wurden aus 460 Wohnhäusern, deren Sanierung zum Passivhaus im Rahmen eines dena-Projektes fachlich begleitet wurde, diejenigen ausgewählt, die bereits fertiggestellt und mindestens zwei Jahre bzw. zwei Heizperioden lang bewohnt wurden. Dies führte zu einer Analysegruppe von 52 Mehrfamilienhäusern und elf Ein- bzw. Zweifamilienhäusern. Bei diesen Gebäuden wurden die im Vorfeld nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) errechneten Energieverbrauchseinsparungen mit den real erzielten Werten verglichen. Im Durchschnitt der Gebäude lag der jährliche Endenergiebedarf vor der Sanierungsmaßnahme bei 223 kWh pro Quadratmeter Nutzfläche. Nach der Sanierung wurde entsprechend dem formulierten Ziel einer 80prozentigen Energieverbrauchsreduktion durch die Sanierung ein durchschnittlicher jährlicher Energiebedarf von 45 kWh/m2 erwartet.

Tatsächlich konnte, so zeigt die Studie, durch die Sanierungsmaßnahmen eine Einsparung von 76 Prozent erzielt werden, was einer Reduktion des jährlichen Energieverbrauchs von 223 kWh/m2 auf 54 kWh/m2 entspricht. Die Mehrzahl der untersuchten Gebäude (38 der 63 Gebäude) befindet sich innerhalb eines Korridors von plus/minus zehn Prozent um den Zielwert, den die dena für eine energetische Sanierung angibt.

Grundsätzlich bestätigt die Studie damit, dass sich die ambitionierten Sanierungsziele auch in der Praxis realisieren lassen. Gleichzeitig verweisen die Autoren der Studie darauf, dass jeder Einzelfall konkret betrachtet werden muss, um größere Abweichungen von der Theorie nachzuvollziehen. So unterliegen alle theoretischen Analysen einer Anzahl von Annahmen, die sich in der Praxis durchaus anders darstellen können. Eine ganz wesentliche Rolle beim tatsächlich realisierten Sanierungserfolg spielt dabei das Nutzerverhalten.

Schlussfolgerungen aus den Studien
Dass die Nachfrage nach Heizenergie in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich deutlich zurückgehen wird, ist keine neue Erkenntnis. Wie groß auf der anderen Seite der Markt für Sanierungs- bzw. Energieeffizienzmaßnahmen werden kann, wurde selten so deutlich herausgestellt wie in der KfW-Studie. Für die Energieunternehmen bietet sich hier also eine große Chance, zumindest einen Teil der Umsatzeinbußen durch Verlagerung des Geschäftes in Richtung Energiedienstleistungen zu kompensieren.

Auch energiepolitisch sind die Studien durchaus aufschlussreich. Während die dena-Studie deutlich macht, dass die energiepolitischen Ziele tatsächlich auch im Gebäudebestand erreichbar sind, zeigt die KfW-Studie, dass sich die energetische Gebäudesanierung auch volkswirtschaftlich „rechnet“. Die Studie zeigt, dass die Sanierung sich über Energiekosteneinsparungen und zusätzliche Staatseinnahmen selbst finanziert - ohne zusätzliche Finanzierungsinstrumente wie weitere Energiesteuern, "Effizienzumlagen" oder gar Verpflichtungen für Energieunternehmen, wie sie immer wieder gefordert werden.


Weitere Informationen

Hartmut Kämper
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1373
E-Mail hartmut.kaemper@bdew.de

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