30. April 2015

KfW-Förderangebot für Nichtwohngebäude startet im Juli 2015

Das von der Bundesregierung Ende 2014 im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz angekündigte Förderprogramm für Nichtwohngebäude soll im Juli 2015 starten und von Unternehmen bzw. Freiberuflern genutzt werden können. Das hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel vor der Presse bekräftigt. Dem BDEW liegen dazu das entsprechende Merkblatt und ein Entwurf für technische Mindestanforderungen der KfW vor. Entsprechende Vorgaben für ein ebenfalls geplantes Förderprogramm für Kommunen liegen noch nicht vor.

Das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) hatte die Einführung einer Förderung für Nichtwohngebäude als "Sofortmaßnahme" in seinem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) im Dezember 2014 bereits angekündigt. Die Maßnahme versteht sich als ein Baustein, um bis 2050 das Ziel eines nahezu klimaneutralen Gebäudebestandes zu erreichen. Die Umsetzung der Förderung soll grundsätzlich auf die bewährten Anreizmaßnahmen für Effizienz und erneuerbare Wärme im Gebäudebereich aufbauen und ist daher bei der KfW im Programm Energetisches Bauen und Sanieren angesiedelt. Die Finanzierung erfolgt über das CO2-Gebäudesanierungsprogramm, welches unter anderem für diese Maßnahmen um 200 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt wurde. Angeboten werden Tilgungszuschüsse und verbilligte Zinsen.

Das Programm ist auch für Energieunternehmen interessant, weil die geforderte Begleitung des geförderten Projektes durch einen Sachverständigen auch von Experten eines Energieunternehmens erfolgen kann. Voraussetzung für die Anerkennung sind die Qualifikationsanforderungen aus Paragraph 21 der Energieeinsparverordnung. Eine Beschränkung hinsichtlich der sogenannten Unabhängigkeit, die in einigen Förderprogrammen EVU-Mitarbeiter ausschießt, besteht nicht. EVU können also ihre Kunden bei der Beantragung der Fördermittel unterstützen.

Förderfähig sollen ab Juli 2015 nach dem vorliegenden Merkblatt sein:

  • die energetische Sanierung von gewerblich genutzten Nichtwohngebäuden, die das energetische Niveau eines KfW-Effizienzhauses für Bestandsgebäude erreichen (Programmnummer 277),
  • die Umsetzung von Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle und/oder der technischen Gebäudeausrüstung zur Verbesserung der Energieeffizienz an bestehenden gewerblichen Nichtwohngebäuden (Programmnummer 278),
  • die Errichtung energieeffizienter gewerblich genutzter Gebäude, die das energetische Niveau eines KfW-Effizienzhauses für Neubauten erreichen (Programmnummer 276),
  • sonstige erforderliche Maßnahmen zur Vorbereitung, Realisierung und Inbetriebnahme der im Programm geförderten Maßnahmen (Energiemanagementsysteme, Planungskosten, Einregulierung, Altanlagenentsorgung, usw.).


Antragsberechtigt sind nach derzeitigem Stand

  • Unternehmen, die im Rahmen einer Contracting-Vereinbarung (Energie-) Dienstleistungen für einen Dritten an gewerblichen Nichtwohngebäuden erbringen,
  • in- und ausländische Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft (produzierendes Gewerbe, Handwerk, Handel und sonstiges Dienstleistungsgewerbe), die sich mehrheitlich in Privatbesitz befinden,
  • freiberuflich Tätige, zum Beispiel Ärzte, Steuerberater, Architekten,
  • Unternehmen, die bestehende gewerbliche Gebäude erwerben (Ersterwerb).


Es sind zahlreiche Einzelmaßnahmen in dem KfW-Programm förderfähig. Die jeweiligen technischen Mindestanforderungen (Entwurf) hat die KfW in einer gesonderten Anlage zusammengefasst. Zu den Einzelmaßnahmen zählen beispielsweise:

  • Einbau, Austausch oder Optimierung raumluft- und klimatechnischer Anlagen inkl. Wärme-/Kälterückgewinnung und Abwärmenutzung,
  • Erneuerung und/oder Optimierung der Wärme-/Kälteerzeugung, -verteilung und -speicherung inkl. Kraft-Wärme- bzw. Kraft-Wärme-Kälte-Kopplungsanlagen,
  • Austausch und/oder Optimierung der Beleuchtung,
  • Einbau oder Optimierung der Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sowie der Gebäudeautomation.

Die Einzelmaßnahme "Einbau neuer Wärmeerzeuger" wird mit einer Maßnahmenliste beschrieben. Danach sind zahlreiche Energieträger und Heiztechnologien förderfähig, beispielsweise verbesserte Brennwertkessel, Fernwärme-Übergabestationen und -anschlüsse, KWK-Anlagen, Strahler, Abgasanlagen, Prozesswärme. Gasmotorisch oder elektrisch angetriebene Wärmepumpen sind in dieser Liste allerdings nicht aufgeführt und - mit Blick auf das "Marktanreizprogramm" (MAP) - von der Förderung der Einzelmaßnahmen ausgeschlossen. Bei den Fördertatbeständen "Effizienzhaus" (Neubau und Sanierung) sollen Wärmepumpen wiederum förderfähig sein.

Es werden Kredite bis zu 100 Prozent der förderfähigen Kosten (in der Regel bis zu 25 Mio. Euro je Vorhaben) finanziert. Zinssätze und Tilgungsregeln folgen der Systematik dieses KfW-Programms und sind dem Merkblatt zu entnehmen. Der Tilgungszuschuss kann bei Sanierung bis zu 17,5 Prozent des Zusagebetrages (maximal jedoch 175,- Euro pro Quadratmeter) betragen. Bei Neubauten und bei den Einzelmaßnahmen beträgt der Tilgungszuschuss bis zu fünf Prozent des Zusagebetrages (maximal 50,- Euro je Quadratmeter).

Förderanträge sind durch einen Sachverständigen über ein Kreditinstitut zu stellen und banküblich zu besichern. Als Sachverständiger im Sinne dieses Kreditprogramms gilt eine nach Paragraph 21 Energieeinsparverordnung (EnEV) berechtigte Person für die Ausstellung oder Prüfung der Nachweise nach der EnEV. Für Maßnahmen an Denkmälern sind nur die "Sachverständigen für Baudenkmale" aus der Expertenliste für die Förderprogramme des Bundes zugelassen. Die De-minimis-Zuwendungsgrenzen sind zu beachten.

Ein weiteres Programm, in dem auch Kommunen für ihre Sozialeinrichtungen und Kommunalgebäude (u.a. Schulen und Sportstätten) antragsberechtigt sein sollen, ist im NAPE angekündigt.

Bei Redaktionsschluss waren sowohl das oben beschriebene Programm für gewerbliche Unternehmen als auch das angekündigte Programm für Kommunen auf der KfW-Website noch nicht veröffentlicht. Das Programm für Kommunen startet voraussichtlich erst im Oktober 2015 im Rahmen des bereits bestehenden "Investitionskredits Kommunale und Soziale Unternehmen" (IKU, KfW-Programm 148). Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es noch Änderungen an den beigefügten Dokumenten geben wird.


Weitere Informationen

Boris Safner
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1376
E-Mail boris.safner@bdew.de