20. Dezember 2016

Energielabel künftig auch für Solarpaneele und Gebäudeautomation?

Die EU-Kommission hat am 30. November 2016 den Ökodesign-Arbeitsplan für die Jahre 2016 bis 2019 veröffentlicht. Solarpaneele und Gebäudeautomations- und Kontrollsysteme beispielsweise sollen neu bearbeitet und viele bestehende Verordnungen, u.a. für Transformatoren, Elektromotoren und Wasserpumpen überprüft werden. Der BDEW wird die Umsetzung aktiv verfolgen und seine Mitgliedsunternehmen informieren.

Für die EU-Kommission tragen die Ökodesign-Vorschriften gemeinsam mit der Energieverbrauchskennzeichnung maßgeblich zur Erreichung der Energieeffizienzziele der Europäischen Union bis 2020 bei. Primärenergie-Einsparungen durch die bereits verabschiedeten 28 Ökodesign-Verordnungen sowie 16 Energielabel-Verordnungen addieren sich laut EU-Kommission auf die Hälfte der Summe, die für die Effizienzziele bis 2020 nötig seien.

Arbeitsplan 2016 bis 2019
Am 30. November 2016 hat die EU-Kommission mit dem "Winterpaket" (BDEW extra 53/2016) den Ökodesign-Arbeitsplan für die Jahre 2016 bis 2019 veröffentlicht.

Für folgende neue Produktgruppen soll es künftig Ökodesign-Vorschriften und/oder ein Energielabel geben:

  • Gebäudeautomations- und Kontrollsysteme
  • Elektrische Wasserkocher
  • Handtrockner
  • Aufzüge
  • Solarpaneele und Wechselrichter
  • Kühl-Behälter
  • Hochdruckreiniger (nur Energielabel)


Für die Produktgruppen Gateways, Mobil-/Smartphones sowie Basisstationen sind zunächst detaillierte Analysen zur Machbarkeit geplant.

Bislang lag der Schwerpunkt auf der Verbesserung der Energieeffizienz der Produkte. Mit diesem Arbeitsplan will die Kommission untersuchen, inwieweit zusätzliche Kriterien wie beispielsweise Haltbarkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit stärker berücksichtigt werden können. Dies gilt sowohl bei neuen als auch bei der Überarbeitung bestehender Verordnungen. Im Rahmen von Ökodesign wurden bereits über 50 Produkte bzw. Produktgruppen bearbeitet, so dass es zunehmend schwer fällt, weitere geeignete Produktgruppen zu finden mit hohem Energieeinsparpotenzial. Zusätzliche Kriterien dürften hier das Betätigungsfeld vergrößern. Außerdem werden auch Produktgruppen wie Gebäudeautomation betrachtet, die den Energieverbrauch nur mittelbar verringern, hier beispielsweise durch eine automatische Beleuchtungs- und Heizungssteuerung.

Zudem will die EU-Kommission die Umsetzung des Arbeitsplans 2012 bis 2014 (BDEW direkt 1-2/2012) weiterführen. Darunter fällt beispielsweise die Produktgruppe "Smart Appliances", hier ist die Vorstudie noch nicht ganz abgeschlossen. "Stromkabel" dagegen werden laut Arbeitsplan nicht weiter verfolgt, da die produktseitigen Einflussmöglichkeiten im Rahmen von Ökodesign als zu gering erachtet werden. Fast alle bestehenden Ökodesign- und Energielabel-Verordnungen enthalten Überprüfungsklauseln. Bis 2019 sind davon u.a. Transformatoren, Elektromotoren, Wasserpumpen sowie die gesamte Weiße Ware betroffen.

Der BDEW wird seine Mitgliedsunternehmen über den Fortgang sowie über eine marktgerechte Umsetzung und mögliche Auswirkungen auf die Energiebranche weiter informieren.

Hintergrund
Die Ökodesign-Richtlinie 2009/125/EG verpflichtet die EU-Kommission, das Arbeitsprogramm in Form von mehrjährigen Arbeitsplänen festzulegen. Für aufgelistete Produktgruppen werden Vorstudien in Auftrag gegeben, die Empfehlungen für eine produktspezifische Umsetzung mittels Ökodesign- und/oder Energieverbrauchskennzeichnungs-Verordnungen geben.

Ökodesign stellt Mindestanforderungen an die Energieeffizienz von energieverbrauchsrelevanten Produkten. Produkte, die diese Vorschriften nicht erfüllen, dürfen in der Europäischen Union nicht mehr neu in den Verkehr gebracht werden. Das Marktangebot wird damit hin zu effizienteren Produkten verschoben. Wird jedoch beispielsweise ein Pumpentausch nötig, kann dies zu Problemen führen, da u.U. passende Geräte nicht mehr erlaubt sind. Zu Ökodesign wurde in den letzten Jahren viel Kritik geäußert: Bevormundung der Bürger (z.B. beim Glühlampenverbot), zu viel Bürokratie aber auch zu wenig ambitioniert (Umwelt-/Verbraucherverbände). Auch das Bundeswirtschaftsministerium setzt sich national und auf EU-Ebene für eine ambitionierte Umsetzung ein, beispielsweise ist die nationale Top-Runner-Initiative Bestandteil des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz - NAPE (BDEW extra 49/2014).


Weitere Informationen

Claudia Oberascher
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1372
E-Mail claudia.oberascher@bdew.de

Kathrin Watson
BDEW-Vertretung bei der Europäischen Union
Telefon 0032 2 774 51 15
E-Mail kathrin.watson@bdew.de

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