BDEW-Abwassertreff: Abwasserentsorger aus Mitteldeutschland treffen sich in Thüringen

Am 9. Juni 2016 lud die BDEW-Landesgruppe Mitteldeutschland zum zweiten Thüringer BDEW-Abwassertreff auf die Kläranlage des Zweckverbandes Wasser/Abwasser „Mittleres Elstertal“ nach Gera ein.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer durch Martin Wenzel, Vorsitzender des Landesfachausschusses Abwasser der BDEW-Landesgruppe Mitteldeutschland und Geschäftsführer der Energie- und Wasserversorgung Altenburg GmbH, sowie Gerd Hauschild, Geschäftsstellenleiter des Zweckverbandes Wasser/Abwasser "Mittleres Elstertal", referierte Dr. Karlheinz Hintermeier, Referent im Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz, zu Konflikten, die sich aus der Fortschreibung der Abwasserbeseitigungskonzepte (ABK) im Freistaat Thüringen ergeben. Hauptgegenstand der sich anschließenden lebhaften Diskussion waren die in den ABK festgelegten zentralen und dezentralen Wege der Abwasserentsorgung. Nicht alle darin festgeschriebenen wasserrechtlich zulässigen Lösungen sind wirtschaftlich sinnvoll. Unwirtschaftliche Lösungen dürfen aber nicht gefördert werden, auch nicht, wenn sie das ABK vorschreibt. Er verwies auf die zeitaufwändigen Auseinandersetzungen mit den Wirtschaftlichkeitsprüfungen zu den ABK.

Dr. Hintermeier warnte vor einer öffentlichen Diskussion um Solidarität und "Gerechtigkeitslücken". Stattdessen käme es darauf an, dauerhaft belastende, unwirtschaftliche und ineffiziente Infrastrukturen im ländlichen Raum zu vermeiden. Seitens der Teilnehmer wurde ein intensiverer Dialog zwischen Ministerien und Verbänden eingefordert.

Dr. Karlheinz Hintermeier vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (links) referierte zu Problemen, die sich aus der Fortschreibung der ABK im Freistaat Thüringen ergeben

Klaus Hänseroth (rechts), Geschäftsstellenleiter des Trink- und Abwasserzweckverbandes Notter, stellte die Nutzung der Synergieeffekte bei der Zusammenarbeit eines Gewässerunterhaltungsverbandes mit einem Abwasserzweckverband in den Mittelpunkt seines Vortrages

 

Dr. Jörg Rehberg, Fachgebietsleiter im Geschäftsbereich Wasser/Abwasser der BDEW-Hauptgeschäftsstelle in Berlin, stellte den Teilnehmern das Kalkulationstool des BDEW zu den Abwassergebühren, sowie das Internettool zur Gebührenmodellierung vor. Des Weiteren ging er auf die Ergebnisse der VEWA-Studie für den Bereich der Abwasserentsorgung ein. Dr. Rehberg erläuterte die ablehnende Haltung des BDEW zur Verlegung von Breitbandkabeln in Abwasserleitungen. Ein weiterer lebhaft diskutierter Punkt war der aktuelle Stand der Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorgaben zur Klärschlammverwertung.

Klaus Hänseroth, Geschäftsstellenleiter des Trink- und Abwasserzweckverbandes Notter, stellte die Erfahrungen seines Verbandes bei der Zusammenarbeit mit dem Gewässerunterhaltungsverband "Mittleres Unstrutland" und die Nutzung der sich daraus ergebenden Synergieeffekte vor. Er verwies darauf, dass die Aufgaben der Gewässerunterhaltung zukünftig nur mit einer größeren Solidarität der Kommunen leistbar sind. Dabei stellt die konstruktive Mitwirkung bzw. Unterstützung der regionalen Abwasserverbände einen wichtigen Baustein dar.

Robert Köllner, Mitarbeiter der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck GmbH, stellte das Projekt "Energieautarke Kläranlage Jena" vor. Mit der durch das Bundesumweltministerium geförderten Maßnahme konnte im Jahr 2015 nahezu ein Eigenversorgungsgrad von 100 % ohne den Einsatz von Co-Fermenten erreicht werden. Planer und Betriebsverantwortliche haben in gemeinsamer Arbeit die richtigen Ideen entwickelt und die Entscheidungen für die Entwicklung einer modernen und energieeffizienten Kläranlage getroffen. 

Florian Moritz, Mitarbeiter bei Rödl & Partner in Nürnberg, stellte den aktuellen Stand des Kennziffernvergleiches der Abwasserentsorgung im Freistaat Thüringen vor. Die fünfte Erhebungsrunde steht in den Startlöchern. Die Datenerhebung erfolgt ab Juni 2016, die unternehmensspezifischen Berichte, inklusive der Zusammenfassung der Ergebnisse werden bis Oktober vorliegen. Der öffentliche Projektbericht soll im März 2017 übergeben werden.

Der Blick in die Teilnehmerliste zeigt, dass nicht nur viele Besucher aus den benachbarten Bundesländern teilnahmen, sondern dass mit dieser Veranstaltungsform viele Vertreter kleinerer kommunaler Aufgabenträger und Verwaltungseinrichtungen erreicht werden konnten, was einen realen Mehrwert der BDEW-Abwassertreffs für die mitteldeutschen Abwasserentsorger darstellt.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Martin Wenzel, Vorsitzender des Landesfachausschusses Abwasser der BDEW-Landesgruppe Mitteldeutschland und Geschäftsführer der EWA Energie- und Wasserversorgung Altenburg GmbH.

Der nächste BDEW-Abwassertreff wird im Juni 2017 in Magdeburg stattfinden.

 

Ansprechpartner:
Peter von Fircks
Referent
BDEW-Landesgruppe Mitteldeutschland

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