13. April 2015

BDEW-Kraftwerksliste 2015 veröffentlicht

Inzwischen 53 Prozent aller geplanten Kraftwerksneubauten in Frage gestellt.

53 Prozent aller geplanten Kraftwerksneubauten sind inzwischen in Frage gestellt.
"Wenn die Energiewende und die Umstellung auf die Erneuerbaren Energien als tragende Säule der Energieversorgung gelingen soll, dann brauchen wir auch in Zukunft als verlässliche Ergänzung neue, effizientere und klimafreundlichere Kraftwerke", betonte Hildegard Müller. Doch wachse der wirtschaftliche Druck bei bestehenden KWK-Anlagen und Kraftwerken und auch die Lage beim Kraftwerksneubau spitze sich immer weiter zu.

Nach der aktuellen BDEW-Kraftwerksliste, die in Hannover vorgestellt wurde, fehlt bei inzwischen rund 53 Prozent aller geplanten Neubauprojekte eine konkrete Investitionsentscheidung. Insgesamt sind 74 Großprojekte, die eine Leistung von mindestens 20 Megawatt haben, mit rund 33.000 Megawatt installierter Leistung geplant, in Genehmigung oder in Bau. Bei 39 Projekten ist die Umsetzung in Frage gestellt. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren es noch 32 Projekte, 2013 waren es 22 Projekte, die als unsicher galten. "Wenn es politisch so weiter geht wie bisher, dann wird es keine neuen, modernen Kraftwerke geben. Es gibt einfach keine Investitionsanreize, auch wenn die Politik immer betont, dies ändern zu wollen. Das Gegenteil ist mit den bisher bekannt gewordenen Plänen der Fall", so Hildegard Müller.

Erschwerend komme hinzu, dass der Anteil der Kraftwerke, die rund um die Uhr Strom erzeugen können, in den nächsten Jahren stark sinken werde. "Wir gehen nach heutigem Kenntnisstand davon aus, dass die gesicherte Leistung bis zum Abschalten der letzten Kernkraftwerke 2022 um 16,7 Gigawatt zurückgehen wird", sagte Müller. Neben den Projekten, die laut BDEW-Kraftwerksliste unsicher sind, wirken sich die bei der Bundesnetzagentur beantragten Kraftwerksstilllegungen negativ auf die gesicherte Leistung aus. Außerdem werden durch den Ausstieg aus der Kernenergie weitere Kapazitäten vom Netz gehen. Müller: "Zudem ist es aus heutiger Sicht wahrscheinlich, dass aufgrund der Marktentwicklungen, der zunehmenden Unwirtschaftlichkeit konventioneller Kraftwerke und verschärfter Emissionsgrenzwerte noch weitere Stilllegungen folgen werden."

Foto: Roland Horn

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