30. August 2012

BDEW nimmt zum "Winterbericht" der Bundesnetzagentur Stellung

Der BDEW hat die von der Bundesnetzagentur im "Bericht zum Zustand der leitungsgebundenen Energieversorgung im Winter 2011/12" vorgeschlagenen operativen und legislativen Handlungsempfehlungen intensiv analysiert und bewertet. Die Ergebnisse und alternativ erarbeitete Lösungsvorschläge sind Grundlage von Gesprächen, die der Verband mit dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und der Bundesnetzagentur (BNetzA) führt.

Am 7. Mai 2012 hat die Bundesnetzagentur den "Bericht zum Zustand der leitungsgebundenen Energieversorgung im Winter 2011/12" (datiert auf den 3. Mai 2012) veröffentlicht. Der Bericht untersucht eingehend die Situation der Strom- und Gasversorgungsnetze im Winter 2011/2012. Im Fokus steht dabei der Zustand der Strom-Übertragungsnetze im gesamten Winterhalbjahr; daneben wird der Gasversorgungsengpass in Süddeutschland im Februar 2012 beleuchtet. Der Bericht gibt darüber hinaus einen Ausblick auf die bevorstehenden Herausforderungen vor dem Hintergrund von Energiewende und verstärkter marktseitiger Vernetzung Europas. Die Analyse mündet in Empfehlungen für operative Maßnahmen sowie für Anpassungen des gesetzlichen und regulatorischen Rahmens.

Der BDEW begrüßt die von der Bundesnetzagentur durchgeführte intensive Analyse der Strom- und Gasversorgungssituation im Winter 2011/12 sowie die Formulierung von Schlussfolgerungen zur Optimierung des Gesamtsystems. Zur Darstellung der branchenseitigen Einschätzung ist der BDEW mit dem BMWi und der BNetzA in einen Dialog getreten.

Energiewende stellt Unternehmen vor große Herausforderungen
Die Gewährleistung einer möglichst stabilen Strom- und Gasversorgung ist originäre Aufgabe der Energiewirtschaft - als gesetzlicher Auftrag ebenso wie als Eigeninteresse der Energieunternehmen, Kunden zuverlässig zu beliefern. Der Umbau des Energiesystems im Zuge der Energiewende stellt die Unternehmen der Energiewirtschaft dabei vor besondere Herausforderungen.

In Folge des Atommoratoriums vom März 2011 sind sechs Kernkraftwerke mit einer Nettoleistung von 6.305 Megawatt (MW) abgeschaltet worden. Insbesondere in Süddeutschland, wo 4.960 MW nukleare Kraftwerksleistung weggefallen sind, lassen sich Transportengpässe und Probleme mit der Spannungshaltung identifizieren.

Zudem wirkt sich der schnell wachsende Anteil erneuerbarer Energien mit privilegierter und volatiler Einspeisung auf die Auslastung und damit unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit des bestehenden thermischen Kraftwerksparks aus.

Die mit diesen Entwicklungen verbundenen Herausforderungen sind insbesondere mit dem Erfordernis eines massiven Netzausbaus verbunden. Maßnahmen zur Verbesserung der kurzfristigen Versorgungssicherheit sollten daher als Übergangslösungen konzipiert werden, bis der Netzausbau voranschreitet.

Kernanforderungen des BDEW an Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgungsicherheit
Für das Ziel, die Stabilität der Strom- und Gasversorgung auch weiterhin zu gewährleisten, sind vielfältige Maßnahmen erforderlich. Kernanforderungen sind dabei:

  • Kosteneffizienz,
  • Rechtssicherheit, insbesondere hinsichtlich Haftungs- und Entschädigungsfragen,
  • Kontrahierungsfreiheit und Schutz bestehender Verträge sowie
  • Kostenanerkennung.

Darüber hinaus ist aus Sicht des BDEW bei der Auswahl bzw. Festlegung von Maßnahmen Folgendes grundsätzlich zu beachten:

  • Investitionen in Kraftwerke, Strom- und Gasnetze weisen unterschiedliche Planungshorizonte und Amortisationszeiträume auf. Dies ist insbesondere bei Maßnahmen, die als kurzfristige Übergangslösungen zur Verbesserung der Versorgungssituation im Strom beitragen sollen, zu berücksichtigen.
  • Die Strom- und Gasversorgungssysteme sind über einen langen Zeitraum gewachsen. Die im Zuge der Liberalisierung entstandenen Marktrollen haben dazu geführt, dass einzelwirtschaftliches Verhalten der Marktakteure in einem nationalen und zunehmend europäischen Markt an die Stelle einer gebietsbezogenen Systemrationalität getreten ist.
  • Für das Gasversorgungssystem ist darüber hinaus festzuhalten, dass durch die Zusammenlegung der Marktgebiete in den letzten Jahren Wettbewerb und Handel starken Auftrieb bekommen haben. Dadurch gibt es technische und vertragliche Grenzen, die zu berücksichtigen sind.
  • Die Gaswirtschaft hat die zuverlässige Versorgung mit Erdgas immer wieder unter Beweis gestellt. Diese Zuverlässigkeit ist für die Verbraucher - für Haushaltskunden, die auf Basis der EU-Verordnung zur Sicherheit der Erdgasversorgung (Nr. 994/2010) geschützt sind, ebenso wie für Gewerbe- und Industriekunden sowie angrenzende EU-Mitgliedstaaten - von zentraler Bedeutung. Eine einseitige Absicherung der Stromversorgung zulasten der Erdgasversorgungssicherheit könnte den Erdgasmarkt nachhaltig schädigen. Deshalb ist eine bidirektionale Stabilisierung beider Systeme anzustreben.

Vor diesem Hintergrund hat der BDEW in seiner Stellungnahme zum "Bericht der Bundesnetzagentur zum Zustand der leitungsgebundenen Energieversorgung im Winter 2011/2012" alternative bzw. weiterführende Lösungsvorschläge (S. 19-24) erarbeitet, die dem BMWi und der BNetzA Anfang August 2012 vorgestellt wurden. Der BDEW beobachtet die Entwicklungen genau und arbeitet weiterhin konstruktiv mit der BNetzA und den zuständigen Ministerien zusammen.


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