01. Juni 2012

Bericht der Europäischen Umweltagentur zur effizienten Wassernutzung

Mit Blick auf die Erarbeitung der neuen EU-Wasserstrategie (Blueprint to Safeguard Europe's Water), die die Kommission im November 2012 veröffentlichen will, hat die Europäische Umweltagentur einen Bericht zum Thema Wassereffizienz vorgelegt. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Europa seine Anstrengungen zur effizienteren Verwendung von Wasser verstärken muss, da sonst negative Konsequenzen für die Wirtschaft drohen könnten. Der verschwenderische Umgang mit Wasser habe weitreichende Auswirkungen auf Ressourcen, die sowohl die Ökosysteme als auch der Mensch benötigten.

Der Bericht  der Europäischen Umweltagentur unter dem Titel "Maßnahmen zur effizienten Nutzung der Wasserressourcen in Europa" ist der erste von mehreren, den die EU-Behörde mit Sitz in Kopenhagen bis Herbst 2012 zur Vorbereitung und Unterstützung des "Blueprint Water" veröffentlichen will. Die weiteren Berichte werden sich u.a. mit den Themen Hydromorphologie, Vulnerabilität von Ökosystemen und der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie befassen und politisch relevante Informationen zu diesen Themenbereichen bündeln.

Der vorliegende Bericht untersucht bestehende Maßnahmen und Instrumente im Bereich der Wasser- und Ressourceneffizienz, weist auf die Leitinitiative Ressourceneffizienz der EU hin, in der Wasser als eine der wichtigsten und schützenswertesten Ressourcen genannt wird, und untersucht Verknüpfungen von Wasser und Energie sowie Auswirkungen der Ressourceneffizienz auf die Wasserqualität.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass die Wasservorräte in vielen Regionen Europas schon heute übernutzt werden, was nicht nur eine Gefahr für elementare Ökosystemdienstleistungen sei, sondern auch ernsthafte Hindernisse für die ökonomische Entwicklung darstelle. Die Umweltagentur spricht sich dabei für ein integriertes Wassermanagement aus und fordert eine bessere Umsetzung der bestehenden Gesetzgebung durch die Mitgliedstaaten.

Der Bericht untergliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil untersucht die Umweltagentur mögliche Maßnahmen und technische Lösungen zur Verbesserung der Wassereffizienz in den Bereichen

  • Wasser und Landwirtschaft
  • Wasser und Energieversorgung
  • Trinkwasserversorgung
  • Wassernutzung in der Industrie.

Dem Bericht zufolge besteht ein 40-prozentiges Einsparpotential des EU-weiten Wassergebrauchs.

Die Europäische Umweltagentur geht im Abschnitt "Wasser und Energie" auch auf den Energieverbrauch der Wasserwirtschaft bei der Trinkwasseraufbereitung und Abwasserbehandlung ein sowie auf die Energiegewinnung aus Wasserkraft. Der Bericht stellt hier ausdrücklich klar, dass energieintensive Aufbereitungsverfahren der Trinkwasserversorgung nicht nachhaltig sind und die Trinkwassernutzung somit auch im Sinne des Ressourcenschutzes stets an der Quelle erfolgen sollte.

Darüber hinaus beschäftigt sich der Bericht mit dem Einsatz ökonomischer Instrumente zur Marktregulierung (Teil 2). Dabei wird diskutiert, welchen Beitrag Preise, Gebühren und Steuern für einen effizienten Umgang mit der Ressource Wasser haben können.

Zum Schluss (Teil 3) wird die Frage nach geeigneten Indikatoren zur Evaluation von Wassereffizienz sowie für einen "Wasserfußabdruck" gestellt. Der umstrittene "Water Exploitation Index", der auch von der Europäischen Kommission als Indikator für Wasserknappheit genutzt wird, wird in dem Bericht erstmals kritisch hinterfragt. Der Water Exploitation Index setzt die jährliche Wasserentnahme in einem bestimmten Gebiet in Bezug zum langfristig verfügbaren gesamten Wasserdargebot dieses Gebiets. Diese Rechnung ist aus Sicht des BDEW zu simpel, da sie dazu führt, dass Gebiete, die eigentlich über ein ausreichendes Wasserdargebot verfügen, nach diesem Index zu Gebieten mit Wasserknappheit erklärt werden.

Abschließend plädiert der Bericht für eine gemeinsame, ökonomische Wassernutzungsstrategie, in deren Fokus die Verknüpfung von "Wasser - Energie - Nahrung" steht.


Weitere Informationen

Nadine Fischer
BDEW-Vertretung bei der EU
Telefon 0032 2771 96 42
E-Mail nadine.fischer@bdew.de

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