02. Juli 2012

BMWi-Studie: Energieeinsparquoten und Energieeffizienz-Fonds führen zu steigenden Energiepreisen

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat im März 2012 eine in seinem Auftrag vom Fraunhofer ISI in Zusammenarbeit mit Ecofys und dem Öko-Institut erstellte Studie veröffentlicht, welche das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines Einsparquotensystems und eines Energieeffizienz-Fonds untersucht. Im Ergebnis sehen die Institute bei beiden Instrumenten nur bedingt Vorteile gegenüber bestehenden Maßnahmen, beide würden aber sicher zu einem Anstieg der Energiepreise führen.

Das Energieeffizienzziel der Bundesrepublik Deutschland ist klar definiert. Bis zum Jahr 2020 sollen die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent gegenüber dem Wert von 1990 reduziert werden, zusätzlich sollen der Primärenergiebedarf für Gebäude um 20 Prozent und der Stromverbrauch um zehn Prozent gegenüber dem Vergleichsjahr 2008 verringert werden. Für eine erfolgreiche Umsetzung dieser Ziele sind sinnvolle und effiziente Maßnahmen nötig. Ziel der war es daher, neben den vorhandenen Instrumenten des deutschen Energiekonzepts den Einsatz neuer Instrumente - wie eines Energieeffizienz-Fonds oder eines Einsparquotensystems für Energieunternehmen (Einsparverpflichtungen) - zu prüfen und zu vergleichen.

Unter Erweiterung bestehender Instrumente fasst die Studie ein verschärftes Ordnungsrecht, eine Ausweitung der finanziellen Förderung (z.B. Steuervergünstigungen, zinsgünstige Darlehen) sowie zusätzliche Beratungsprogramme (z.B. Audits, Effizienznetzwerke) zusammen. Die Bewertung der Instrumente erfolgt dabei unter Berücksichtigung von insgesamt acht Kriterien, angefangen von Umfang und Qualität der Einsparmaßnahmen über die Kosten bis hin zur Marktkonformität und zu Wechselwirkungen mit anderen Instrumenten.

Umfang, Qualität und Kosten
In Bezug auf den Umfang des zu erreichenden Einsparpotenzials im Gebäudesektor kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass mit einem Einsparquotensystem nur etwa 20 Prozent des Gesamtpotenzials ausgeschöpft werden können. Dies ist darauf zurückzuführen, dass bei einer Einsparquote kostenintensive Sanierungsmaßnahmen mit langen Amortisationszeiten, aber hohen Einsparungen von den verpflichteten Akteuren in der Regel gemieden werden. Im Vergleich dazu lassen sich durch den Ausbau der finanziellen Förderung sowie einem verschärften Ordnungsrecht bis zu 80 Prozent des Einsparziels erreichen.

In puncto Kostenvergleich würden neu eingeführte Maßnahmen wie das Einsparquotensystem und der Energieeffizienz-Fonds in jedem Fall zusätzliche Kosten für den Staatshaushalt verursachen, da insbesondere ein Einsparquotensystem mit erheblichem zusätzlichen Verwaltungs- und Kontrollaufwand verbunden ist. Darüber hinaus könnten bei einer haushaltsunabhängigen Finanzierung beider Instrumente die Unternehmen die daraus erwachsenden Kosten nur über die Energiepreise weitergeben. Für die Einrichtung eines Energieeffizienz-Fonds hängt die Kostenfrage zunächst von der Art der Finanzierung ab. Andererseits halten die Autoren Einsparverpflichtungen gerade bei der Gebäudesanierung, einem wichtigen Baustein zur Steigerung der Energieeffizienz, für ungeeignet, da hier individuelle und kapitalintensive Maßnahmen gefragt sind. Eine private Finanzierung würde zwar den Haushalt schonen, wäre aber wegen der Belastung der Hauseigentümer politisch schwer durchsetzbar. Die einfachere Möglichkeit - eine Finanzierung aus öffentlichen Haushaltsmitteln - würde das Fondsvolumen deutlich begrenzen.

Bei einem Vergleich der Gesamtkosten der untersuchten Systeme zeigen sich klare Kostenvorteile für den Ausbau der bestehenden Fördersysteme. Zur Erreichung der Zielvorgaben müssten beim bestehenden finanziellen Fördersystem alle Beteiligten etwa 16 Milliarden EUR aufbringen, für ein Einsparquotensystem schätzt die Studie Gesamtkosten von etwa 22,6 Milliarden EUR.

Marktkonformität
Die Studie weist hier zunächst darauf hin, dass Erfahrungen mit Einsparquotensystemen aus anderen europäischen Ländern nur sehr bedingt auf Deutschland zu übertragen sind, da es auf die jeweilige Marktsituation des Landes ankommt. Im Sinne der Studie ist die Einführung eines Einsparverpflichtungssystems insbesondere für Länder mit schwach entwickeltem Dienstleistungsmarkt von Vorteil. In Deutschland ist dieser Markt jedoch bereits gut entwickelt und zeigt eine dynamische Entwicklung. Bei Einführung einer gesetzlichen Einsparquote würde sich der Markt zugunsten größerer Anbieter verschieben, da kleinere Unternehmen geringere Möglichkeiten haben, ihre administrativen Kosten zu senken.

Weiße Zertifikate im Modellversuch
Die Studie untersucht auch die - im Energiekonzept der Bundesregierung angekündigte - Prüfung so genannter "Weißer Zertifikate" in einem Modellversuch. Dieses Instrument soll - analog zum Emissionshandel - kostengünstige Einspareffekte erzielen. Die Einrichtung einer Modellregion mit Weißem-Zertifikate-System sieht die Studie jedoch mit zahlreichen Problemen verknüpft. Neben Schwierigkeiten, Unternehmen für die Teilnahme an einem Modellversuch zu gewinnen, sieht die Studie den praktischen Gehalt des Modells für Gesamtdeutschland eher kritisch. Darüber hinaus haben sich durch das zügige Voranschreiten auf EU-Ebene in Bezug auf die neue Energieeffizienz-Richtlinie die politischen Rahmenbedingungen verschoben, so dass aus praktischer Sicht für einen derartigen Modellversuch keine Zeit bleibt.

Die vollständige Studie steht bei der Bundesstelle für Energieeffizienz zum Download zur Verfügung.


Weitere Informationen

Hartmut Kämper
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 030 / 300 199-1373
E-Mail hartmut.kämper@bdew.de

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