01. Juni 2012

Symposium: Wie kann die Energiewende finanziert werden?

Diskutierten am 30. Mai in Berlin: v.l. Thomas Kästner (Ernst & Young), Ulrich Gericke (HSBC Trinkaus), Jochen Homann (Bundesnetzagentur), Sven Becker (Trianel), Thomas Bareiß (CDU/CSU-Bundestagfraktion), Andreas Kuhlmann (BDEW), Quelle: BDEW/Peter-Paul Weiler

Knapp 200 Teilnehmer diskutierten auf dem BDEW-Symposium am 30. Mai 2012 in Berlin unter dem Titel "Energiewende braucht Investitionen - Kreativität und Regulierungsbedarf in Zeiten des Umbaus" mit Referenten aus der Energie- und Finanzwirtschaft sowie der Politik. Dabei offenbarte sich, dass die Energiewende für Deutschland nicht nur enorme finanzielle Herausforderungen mit sich bringt, sondern auch die Fülle der Lösungsansätze für diese Herausforderungen größer ist, als viele denken. Allerdings: Auf die Rahmenbedingungen kommt es an. Die Diskussion zeigte, dass zusätzlich zur Regulierung der Energiemärkte die verschärfte Bankenregulierung die Finanzierung von Energieprojekten erschwert. In den Vorträgen und Diskussionsrunden wurde aber auch die integrierende Wirkung der Energiewende deutlich: Es bilden sich zahlreiche neue Kooperationsformen, mit denen neue Finanzquellen erschlossen werden können. Für die Initiative zu dieser Veranstaltung erhielt der BDEW viel Lob aus Reihen der Mitgliedsunternehmen des BDEW, aber auch aus der Finanzbranche und der Politik.

BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller bezog sich in ihrer Einführung auf das enorme Investitionsvolumen beim Umbau der Energieversorgung: „EU-Kommissar Oettinger hat den europaweiten Investitionsbedarf bis 2020 mit einer Billion Euro beziffert, davon 500 Mrd. Euro für Energieinfrastrukturmaßnahmen. Dieser kann nicht mehr von den Energieversorgern alleine gedeckt werden.“ Wie sehen die idealen Rahmenbedingungen aus, um das für die Energiewende notwendige Kapital zu erschließen? Die Vorträge zeigten, dass diese je nach Investor, Investitionsobjekt und Anlageziel unterschiedlich sind. Nach Einschätzung der Teilnehmer ist ein erheblicher Teil der Zurückhaltung gegenüber Investitionen der politischen Unsicherheit im Energiebereich geschuldet  - aber auch die ökonomischen Rahmenbedingungen spielen eine Rolle: Planungssicherheit, so lässt sich eines der Ergebnisse der Tagung zusammenfassen, ist die wichtigste Voraussetzung für Investitionsbereitschaft. Auch erschwerten die komplizierten Regulierungsansätze insgesamt sowie die strikten Unbundlingvorschriften Investitionen in die Energienetze.

Dabei beeinträchtigten die Energieversorger, Projektentwickler und Anlagenbauer nicht nur die Bankenkrise und die verschärfte Regulierung des Finanzsektors, sondern auch die sich aus dem zunehmenden Einsatz erneuerbarer Energien ergebenden verringerten Einsatzzeiten der konventionellen Kraftwerke und die damit geringeren Erlöse. Hier mahnten die Teilnehmer eine bessere Koordinierung an, um gegenläufige Entwicklungen zu vermeiden. Die Frage der Energiewende ist nach Einschätzung von Veranstaltungsteilnehmern denn auch untrennbar mit der Frage von Langfristkrediten und den Schwierigkeiten der Refinanzierung verbunden. Denn die neben Basel III eingeführte Finanzmarktregel Solvency II begünstige in Teilbereichen Anleihen mit kurzen Laufzeiten, was zu einer Belastung der langfristigen Finanzierung führen dürfte. Die gestiegenen Risiken der Energieinvestitionen führten darüber hinaus nicht nur zu einem Wettbewerb der Energiewirtschaft um Kapital, sondern auch zu Wettbewerbsverzerrungen gegenüber weniger liberalisierten Mitbewerbern im europäischen Binnenmarkt.

Entwarnung gaben die Referenten dagegen vorerst für die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU): Der bisherige Entwurf zu Umsetzung der Beschlüsse des Baseler Ausschusses (Basel III) in europäisches Recht durch die Capital Requirements Directive (CRD IV) ändere nichts an der Behandlung von Krediten an kleine und mittlere Unternehmen (KMU), vielmehr werde in diesem Bereich sogar über eine Absenkung des Risikogewichts nachgedacht.

Geänderte Finanzmarktregeln und die durch die Energiewende geschaffenen neuen Rahmenbedingungen erfordern Kreativität bei der Gestaltung neuer Finanzierungsformen: Die Referenten und Diskussionsteilnehmer berichteten von neuen Kooperationen, z.B. Beteiligungsmodelle für Stadtwerke oder Bürgergenossenschaften, die neue Investoren mit sich bringen.

Der erfolgreiche Umbau der Energieversorgung in Deutschland ist nicht Aufgabe eines Einzelnen und kann es auch nicht sein - Energie- und Finanzbranche nahmen sich gegenseitig in die Pflicht, eine noch bessere Zusammenarbeit und Koordination anzustreben, um den politischen Entscheidern Lösungsvorschläge anbieten zu können. Nur so lassen sich die technischen und finanziellen Herausforderungen der Energiewende gemeinsam bewältigen.

Nach dem Login (oben rechts) finden Mitglieder weitere Informationen und Serviceleistungen.

Ansprechpartner

Mitglieder können hier nach dem Login die Kontaktdaten der Ansprechpartner zu den jeweiligen Themen einsehen