07. August 2008

Eurostat-Strompreisvergleich 2. Halbjahr 2007:

Deutsche Strompreise liegen im europäischen Mittelfeld

Im europäischen Vergleich der Strompreise ohne Staatslasten liegt Deutschland im guten Mittelfeld. Dies ist das Ergebnis der neuen, aussagekräftigeren Erhebungsmethodik, die das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) seit Beginn des Jahres 2008 anwendet. Damit ist klar: Wenn jeweils nur diejenigen Preisbestandteile einander gegenübergestellt werden, die von den Stromversorgern beeinflusst werden können, muss die deutsche Energiewirtschaft den europäischen Vergleich nicht scheuen. Nach der Eurostat-Erhebung vom Januar 2008, in der Durchschnittswerte aus 29 Ländern für das zweite Halbjahr 2007 berücksichtigt werden, liegen in der Kategorie Preise ohne Steuern, Abgaben und Umlagen die deutschen Strompreise bei der Belieferung mittlerer Industrieunternehmen auf Platz 17. Bei den Strompreisen für Haushalte nimmt Deutschland in dieser Kategorie Rang 21 ein. Die Eurostat-Angaben bestätigen damit die Berechnungen der Universität Duisburg-Essen in der Strompreisstudie, die im Frühjahr 2008 veröffentlicht wurde (BDEW direkt spezial 36/08).

Die Änderung der Erhebungsmethodik beim Eurostat-Strompreisvergleich für Haushalte und Industrie führt beim Themenkomplex Staatslasten nun zu einer realistischen Darstellung der Situation in Deutschland: Erstmals weist Eurostat für die deutschen Haushaltskunden die gesamten staatlichen Belastungen aus. Der Anteil der Staatslasten am Strompreis macht in Deutschland 39,2 Prozent aus. Nur in Dänemark ist der Anteil noch höher (57,2 Prozent). Bei der Industrie werden in der relevanten Kategorie Preise ohne Mehrwertsteuer und ohne erstattungsfähige Steuern verglichen, wobei die Stromsteuer als erstattungsfähige Steuer angesetzt ist. Eurostat weist dabei für Deutschland einen Staatslastenanteil von 11,7 Prozent aus. Das ist der viertschlechteste Platz unter den aufgeführten Ländern.

Beim Vergleich von Preisen ohne Steuern, Abgaben und Umlagen liegen die deutschen Strompreise für die Industrie im Mittelfeld; für Haushalte ist die Situation etwas ungünstiger. Bemerkenswert ist, dass die Strompreise ohne Steuern, Abgaben und Umlagen z.B. im vermeintlichen Musterland des Wettbewerbs - Großbritannien - höher als in Deutschland sind.

Für den Kunden allerdings ist ein Vergleich der Preise inklusive aller Steuern, Abgaben und Umlagen entscheidend: Aufgrund der oben beschriebenen hohen Staatslasten nimmt Deutschland in dieser Kategorie bei den Industriestrompreisen für mittelgroße Unternehmen nur Rang 21 ein, bei den Haushaltsstrompreisen sogar den drittletzten Platz (bei Berücksichtigung der Kaufkraft den fünftletzten Platz).

Die neue Eurostat-Erhebungsmethodik betrachtet nunmehr Verbrauchsbänder; für diese werden mengengewichtete Durchschnittspreise über alle Kunden ermittelt, die in diesem Verbrauchsbereich liegen. Bei den Eurostat-Preisangaben handelt es sich um Preise für das zweite Halbjahr 2007. Mit Änderung der Erhebungsmethodik hat Eurostat eine neue Zeitreihe begonnen, da ein direkter Vergleich von Preisen nach der bisherigen und der aktuellen Erhebungsmethodik nicht möglich ist. Die Ergebnisse der Eurostat-Erhebung decken sich insbesondere bei den Staatslasten mit den Berechnungen der Universität Duisburg-Essen in der Strompreisstudie, wobei in dieser noch die bisherigen konkreten Verbrauchsfälle angesetzt wurden.

Der BDEW hat die Änderung der Eurostat-Erhebungsmethodik mit dem Ziel einer höheren Transparenz bei den Strom- und Gaspreisen in den letzten Jahren aktiv begleitet und konnte u.a. in einer Sitzung auf Komitologieebene Ende 2006 noch maßgebliche Verbesserungen erreichen (rechte Spalte: Kontakt spezial 02/07).

Einzelheiten zum Eurostat-Strompreisvergleich für Haushalte und Industrie können der Folienpräsentation entnommen werden, die in der rechten Spalte zum Herunterladen zur Verfügung steht.


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