04. November 2010

Erste Live-Debatte der Dialog-Offensive "Energie ist nicht schwarz-weiß"

"Der Netzausbau wird zum Flaschenhals"

Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Medien diskutierten über die Energiewende

Berlin, 04. November 2010 - Deutschland braucht den massiven Ausbau der Stromnetze, um die im Konzept der Bundesregierung angestrebte Energiewende zu schaffen. Das war einhellige Meinung auf einer ansonsten kontrovers geführten Debatte von Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, die am Mittwochabend im Berliner ewerk stattgefunden hat. Podiumsgäste der vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) organisierten Veranstaltung waren Jochen Homann, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Dr. Rolf Martin Schmitz, Vorstandsmitglied von RWE, Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe sowie der taz-Autor und Blogger Nick Reimer. Die Debatte war eine Veranstaltung im Rahmen der BDEW Dialog-Offensive "Energie ist nicht schwarz-weiß".

"Wir müssen wieder mehr miteinander sprechen und nicht mehr nur übereinander" sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung des BDEW, zur Begrüßung. Dabei betonte sie, dass die Akzeptanz für erneuerbare Energien zu einem wesentlichen Teil auch von deren Bezahlbarkeit abhänge. Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze dürfe nicht nur auf Kosten der Verbraucher gehen. Hier müsse die Politik entsprechende Entscheidungen treffen, sagte Müller.

"Es macht keinen Sinn, immer mehr erneuerbare Energien hinzuzubauen, wenn die Netze nicht Schritt halten können", sagte Staatssekretär Homann. "Der Netzausbau wird zum Flaschenhals für den Ausbau der Erneuerbaren", bestätigte Reimer. Er sprach sich daher für eine deutliche Beschleunigung der Genehmigungsverfahren beim Ausbau von Übertragungsnetzen aus. Alle Beteiligten waren sich darin einig, dass mehr Akzeptanz und mehr Dialog zwischen den Beteiligten nötig sind, um die Herausforderungen beim Netzausbau zu meistern.

Unterschiedliche Auffassungen gab es über den Willen der Energiebranche, den Kraftwerkspark zu flexibilisieren und ganz auf regenerative Energien auszurichten. "Es ist eine massive Flexibilisierung des Kraftwerkparks nötig", so Rainer Baake von der Deutschen Umwelthilfe. Die Bundesregierung habe dieses Problem in ihrem neuen Energiekonzept zwar "verbal" erkannt. "Kernkraft- und Kohlekraftwerke tragen aber nicht dazu bei, dass diese Flexibilisierung auch umgesetzt wird", führte Baake weiter aus. RWE-Vorstand Rolf Martin Schmitz vertrat hingegen die Auffassung, dass der deutsche Kraftwerkspark auch dann in der Lage sein müsse, für die Industrie und die Haushalte genügend Strom zu produzieren, wenn die Sonne nicht scheine und der Wind nicht wehe. "Dann müssen konventionelle Kraftwerke einspringen. Niemand will auf eine sichere Stromversorgung verzichten", betonte Schmitz.

Dass das Interesse an einer breiten Diskussion über die Energiewelt der Zukunft vorhanden ist, zeigt die rege Beteiligung auf der neuen Debatten-Website des BDEW. Über 50.000 Bürger haben bereits Energiedebatte.com besucht.


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Quelle: Christian Kruppa