03. Mai 2011

BDEW zur wasserfachlichen Aussprachetagung 2011 in Berlin:

Wasserabgabe an Kunden auf niedrigstem Stand seit der Wiedervereinigung

EU-Strategie zum Wassersparen muss regionale Unterschiede beachten / Rückgang des Wassergebrauchs in Deutschland um 24 Prozent seit 1990

Berlin, 3. Mai 2011 - Der Wassergebrauch von Privat-Haushalten, Industrie und Gewerbe in Deutschland sinkt seit Jahren deutlich. Die Wasserabgabe an die Kunden ist nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) auf den niedrigsten Stand seit 1990 gesunken. So ermittelte der Branchenverband nach ersten Auswertungen für das Jahr 2010, dass nur noch 4.5 Milliarden Kubikmeter Wasser an Haushalte, Industrie und Kleingewerbe geliefert wurden. 1990 hatte dieser Wert noch 5,9 Milliarden Kubikmeter betragen - ein Rückgang um rund 24 Prozent. "Diese Zahlen zeigen: Der sorgsame Umgang der Kunden mit Wasser in Deutschland ist eine Selbstverständlichkeit. Der natürliche Wasserhaushalt und der Wasserkreislauf, in dem sich unsere wichtigste Ressource ständig erneuert, sind in Deutschland auch dank der nachhaltigen Bewirtschaftungs-Strategien der Wasserversorger vollkommen intakt. Wenn die Europäische Kommission jetzt ihre Wasserspar-Strategie für Europa vorantreibt, sollte sie nicht alle EU-Staaten über einen Kamm scheren, sondern die jeweilige Situation in den einzelnen Ländern berücksichtigen", sagte Wulf Abke, Vizepräsident Wasserwirtschaft des BDEW, heute auf der wasserfachlichen Aussprachetagung 2011 im Rahmen der Messe 'Wasser Berlin International'.

Zum Vergleich: Die sich jährlich erneuernde verfügbare Wassermenge in Deutschland beträgt 188 Milliarden Kubikmeter. Nur 17 Prozent dieser natürlichen Vorkommen werden von den unterschiedlichen Kundengruppen wie Haushalten oder Industrie genutzt.

Die Kommission prüft derzeit im Rahmen eines so genannten "Water Fitness Check" auch die bisherige EU-Politik zur Bekämpfung von Wasserknappheit und Dürre. Erste Ergebnisse sollen am 10. Mai in Brüssel diskutiert werden. Darüber hinaus wird die Möglichkeit einer neuen EU-Richtlinie zur Wassereffizienz von Gebäuden geprüft.

"Eine Forderung nach generellen Wassereinsparungen ohne gleichzeitige Berücksichtigung regionaler und örtlicher Gegebenheiten wie Wasserdargebot, Wasserverfügbarkeit und der vorhandenen Infrastruktur wirft neue Probleme auf, die sich insbesondere auf die Hygiene und den Betrieb von wasserwirtschaftlichen Anlagen auswirken und in der Folge ihrerseits neue Regelungen erfordern", sagte Abke.

Die Entwicklung eines jährlich stärker abnehmenden Pro-Kopf-Gebrauchs und der Rückgang der Wasserabgabe an die Industrie führten in Deutschland inzwischen zum Teil zu einer Unternutzung der ausgelegten Infrastruktur und ließen kaum noch Spielraum nach unten, so der BDEW-Vizepräsident. Um Ablagerungen und Korrosion sowie hygienische Probleme aufgrund längerer Aufenthaltszeiten und geringerer Fließgeschwindigkeit zu vermeiden, müssten die Trinkwasser- und insbesondere Abwasserleitungen intensiv gespült werden. Die vermehrte Spülung verhalte sich bei zunehmendem Betriebsaufwand kontraproduktiv zu dem eigentlich reduzierten Wassergebrauch. Ein wirkliches Wassersparen sei in diesen Fällen nicht möglich. Zudem führten sie letztendlich zu einer zusätzlichen Kostenbelastung für den Kunden.

"Wassereinsparungen in Ländern mit großen Wasserressourcen und niedrigem Wassergebrauch führen zu keiner Verbesserung der Situation in Mitgliedstaaten mit Wassermangel. Die Kommission sollte aufgrund der Unterschiede in den Mitgliedsländern auch eine regional unterschiedliche Regelung anstreben. Das würde den unterschiedlichen Bedürfnissen von Mitgliedstaaten mit Dürreproblemen und Wasserknappheit und Ländern mit ausreichenden Wasserressourcen gerecht", so Abke abschließend.


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