08. August 2011

Gemeinsame Presseinformation von BDEW, BUND und NABU

Neues Pflanzenschutzgesetz muss klarere Vorgaben zur Reduktion von Umweltbelastungen machen

Tier- und Pflanzenarten der Agrarlandschaft bedroht / Schutz der Gewässerressourcen verankern

Berlin, 8. August 2011 - Die Wasserwirtschaft im BDEW, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) haben den Entwurf des neuen Pflanzenschutzgesetzes grundsätzlich begrüßt, fordern jedoch deutliche Nachbesserungen. Nach Auffassung der Verbände muss im Gesetz der Ressourcenschutz stärker verankert werden. Der Entwurf des Bundeslandwirtschaftsministeriums soll voraussichtlich im August vom Bundeskabinett beschlossen werden. "Der Schutz der Gewässerressourcen hat für die Wasserwirtschaft im BDEW hohe Priorität. In diesem Sinn sollte im neuen Pflanzenschutzgesetz die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Wasserschutz- und Trinkwassergewinnungsgebieten gesondert geregelt werden", fordert Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

"Pestizide tragen wesentlich zum Artensterben in unserer Agrarlandschaft bei. Zwei Drittel aller Arten in diesem Lebensraum werden als gefährdet bezeichnet. Das ist nicht hinnehmbar", erklärt Olaf Bandt, Geschäftsführer des BUND. "Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner muss im Pflanzenschutzgesetz die Sicherung ökologischer Rückzugsflächen für Tiere und Pflanzen in der Agrarlandschaft festschreiben. Sonst werden Rebhuhn und Kiebitz bald aus unserer Kulturlandschaft verschwunden sein".

NABU-Präsident Olaf Tschimpke betont: "Wir brauchen dringend klare Sonderregelungen für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in NATURA 2000-Gebieten. Es darf nicht sein, dass jeder Landwirt in Naturschutzgebieten nach seinem Belieben Pestizide ausbringen kann." Zudem fordert der NABU für Klein- und Hausgärten ein Verbot von Totalherbiziden auf der Basis von Glyphosat. "Solche für die Umwelt besonders gefährlichen Unkrautkiller haben im Kleingarten nichts verloren“, erklärt Tschimpke. "Die chemische Unkrautbekämpfung ist mit dem naturgemäßen Gärtnern, dem sich immer mehr deutsche Kleingärtner verpflichtet fühlen, nicht vereinbar. In Gärten ohne Gift fühlen sich Mensch und Tier am wohlsten."

Im neuen Pflanzenschutzgesetz werden die gute fachliche Praxis sowie der integrierte Pflanzenschutz geregelt. Im Rahmen einer standortangepassten Bewirtschaftung sollen so die Umwelt geschützt und die Anwendung chemischer Pflanzenschutzmittel auf das notwendige Maß beschränkt werden. Die Verbände fordern, diese im Rahmen einer Rechtsverordnung verpflichtend zu verankern. Damit könnten Verstöße auch mit Bußgeldern versehen werden.

Der zunehmende Internet- und Versandhandel von Pflanzenschutzmitteln sei mit großer Skepsis zu betrachten, da hier die große Gefahr einer Ausweitung des illegalen Handels besteht, warnen BDEW, BUND und NABU. Sie sprechen sich dafür aus, Maßnahmen zum Erkennen und Vermeiden von illegalen Anwendungen deutlich stärker in das Gesetz aufzunehmen.


Hintergrundinformationen
Die Unternehmen der deutschen Wasserwirtschaft nutzen für die Trinkwassergewinnung Grund- und Oberflächenwasser. Mit rund 70 Prozent stellt das Grundwasser inklusive Quellwasser die wichtigste Rohwasserressource für die Trinkwassergewinnung in Deutschland dar. Oberflächengewässer werden zu rund 30 Prozent genutzt. Dazu zählen laut BDEW Talsperren, Uferfiltrat, angereichertes Grundwasser sowie direkte Entnahmen aus Flüssen und Seen.

Tier- und Pflanzen der Agrarlandschaft sind bedroht. Zwei Drittel aller Arten dieses Lebensraums müssen nach Angaben des NABU als gefährdet betrachtet werden. Besondere Bestandseinbußen werden bei Rebhuhn, Kiebitz sowie bei Bewohnern der feuchten Wiesen und Weiden verzeichnet. Siehe http://www.nabu.de/agrarwende/feldvoegel.pdf.

Agrarwissenschaftler der Uni Göttingen kamen 2010 in einer Studie zu der Erkenntnis, dass Pestizide die Hauptursache des Artensterbens in der Agrarlandschaft darstellen. An ihr beteiligten sich Kollegen aus acht europäischen Ländern. Siehe: www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3477


Ansprechpartner

Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

Ricarda Ballhaus
Redaktion Fachpresse
Tel.: 030 - 300 199 - 1163
Fax: 030 - 300 199 - 4190
Mail: ricarda.ballhaus@bdew.de


Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)

Tomas Brückmann
BUND-Pestizid-Experte
Tel.: 030 – 27586 - 420
Fax.: 030 – 27586 - 440
Mail: tomas.brueckmann@bund.net
www.bund.net/pestizide


Naturschutzbund Deutschland (Nabu)

Karin Deckenbach
Pressesprecherin
Tel. 030-284984 1510
Mail: karin.deckenbach@NABU.de
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