02. Mai 2011

50,2 Hertz-Problem: Übergangsregelung für PV-Anlagen

Als Übergangslösung für das sog. 50,2 Hertz-Problem (siehe BDEW direkt 3/2011) hat das Forum Netztechnik/ Netzbetrieb im VDE (FNN) eine Regelung für Photovoltaikanlagen erarbeitet, die zum 1. April 2011 in Kraft getreten ist. Sie sieht eine frequenzabhängige Wirkleistungssteuerung bei Überfrequenz vor. Hersteller von PV-Anlagen haben sich dazu bereit erklärt, ab dem 1. April 2011 nur noch Produkte auszuliefern, die gemäß der vom FNN erarbeiteten Übergangslösung umgerüstet sind.

Das FNN überarbeitet die bisher gültige technische Richtlinie "Eigenerzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz". Abgelöst wird die alte VDEW- bzw. VDN-Richtlinie durch die neue Anwendungsregel VDE-AR-N 4105, welche voraussichtlich im Juli 2011 veröffentlicht wird. Mit Inkrafttreten der neuen Anwendungsregel sollen sich erstmals auch Energieerzeugungsanlagen, die am Niederspannungsnetz angeschlossen sind, an der statischen Spannungshaltung beteiligen. Ebenfalls wird im neuen Regelwerk das sogenannte "50,2 Hertz-Problem" aufgegriffen. Aktuell weist das FNN im Internet darauf hin, dass aufgrund des starken Zubaus von Photovoltaikanlagen das "50,2 Hertz-Problem" zunehmende Bedeutung erlangt und eine kurzfristige Lösung erfordert (siehe auch BDEW direkt 3/2011).

Die derzeit installierte PV-Leistung in Deutschland beträgt rund 17,3 Gigawatt (Stand: Ende 2010). Im Zusammenhang mit der Abschaltung der PV-Anlagen bei 50,2 Hertz (Hz) besteht die Möglichkeit, dass ein systemkritischer Zustand eintreten kann. Um dies zu vermeiden, bedarf es umgehend einer Übergangslösung - bis die neue Anwendungsregel VDE-AR-N 4105 in Kraft tritt, um das Problem einzudämmen.

Hierzu hat das FNN eine Übergangsregelung in Form eines Hinweises für PV-Anlagen erarbeitet. Die Übergangsregelung gilt ab dem 1. April 2011 bis zum Inkrafttreten der VDE-AR-N 4105. Sie beschreibt eine einfache und schnell realisierbare Lösungsmöglichkeit einer frequenzabhängigen Wirkleistungssteuerung bei Überfrequenz, einschließlich Wiederzuschaltverfahren. Die Übergangsregelung des FNN beschreibt zwei Verfahren zur Lösung des „50,2 Hertz-Problems“. Das erste Verfahren sieht vor, dass bei Überfrequenz eine Abschaltung der PV-Anlagen aufgrund fest eingestellter Werte zwischen 50,3 Hz und 51,5 Hz in 0,1-Hz-Schritten (Gleichverteilung) erfolgt. Verfahren zwei verweist auf die Kennlinie „Frequenzabhängige Wirkleistungsreduktion“ gemäß der BDEW-Richtlinie "Erzeugungsanlagen am Mittelspannungsnetz", Kapitel 2.5.3 und Bild 2.5.3-1.

Hersteller von PV-Anlagen haben sich bereiterklärt, dass ihre Produkte, die sie ab dem 1. April 2011 ausliefern, gemäß der vom FNN erarbeiteten Übergangslösung umgerüstet sind.

Der technische Hinweis zur frequenzabhängigen Wirkleistungssteuerung von PV-Anlagen im Niederspannungsnetz ist auf der Website des FNN zu finden.


Weitere Informationen


Stefan Manske
Geschäftsbereich Energienetze und Regulierung
Telefon 0 30 / 300 199-1113
E-Mail stefan.manske @bdew.de

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