01. Juni 2011

BDEW und HEA beteiligen sich an Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz

Die neue "Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz", an der sich auch der BDEW und ihre Marktpartnerorganisation, die Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung (HEA), aktiv beteiligen, hat sich am 9. Mai 2011 erstmals öffentlich zu Wort gemeldet - mit einer Pressekonferenz. In der Allianz haben sich branchenübergreifend zudem führende Vertreter aus Industrie, dem Handwerk, Energieversorger und der Wissenschaft zusammengeschlossen, um die angestoßene Energiewende der Bundesregierung auch im Gebäudebestand aktiv zu begleiten und mit voranzutreiben.

Der BDEW vertritt in der Allianz die Interessen seiner Mitglieder, die ca. 70 Prozent der Heizenergie im Gebäudebestand liefern. Voraussetzung für eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Steigerung der Energieeffizienz der Energieversorgung ist eine systemübergreifende Betrachtung der einzelnen Energieverbraucher über die Grenzen des Gebäudes hinaus. Hier bringt der BDEW die Erfahrungen seiner Mitgliedsunternehmen sowie seine eigenen ein. Gleichzeitig trägt die HEA als Marktpartnerverbund des BDEW dazu bei, dass sich die Diskussion auch innerhalb der Allianz nicht auf die herkömmlichen Heizsysteme beschränkt, sondern auch Wohnungslüftung, Wärmerückgewinnung und Gebäudesystemtechnik die Bedeutung zugemessen bekommen, die sie in der zukünftigen Gebäudeenergieversorgung einnehmen werden. Zudem stellen sie sicher, dass sich die Diskussion nicht auf das Gebäude beschränkt, sondern das Gebäude als Teil eines zukünftigen integrierten Gesamtsystems zur sicheren und bezahlbaren Energieversorgung gesehen wird.

Nach einer ersten Pressekonferenz am 9. Mai, in der die Allianz ihre Ziele und Forderungen in Form eines Positionspapiers einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt hat, fand bereits am 25. Mai ein parlamentarisches Frühstück statt, in dem Vertreter der beteiligten Verbände erläuterten, welche Rahmenbedingungen jeweils aus ihrer Sicht die deutsche Bau- und Energiewirtschaft voranbringen würden und welchen Beitrag die Allianz hierfür leisten will. Neben Stephan Kohler von der Deutschen Energie-Agentur (dena) und Klaus Jesse vom Bundesindustrieverband Deutschland Haus- Energie- und Umwelttechnik (BDH) erläuterte Hildegard Müller, die Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des BDEW, den Teilnehmern aus dem Kreis der Bundestagsabgeordneten die Relevanz der energetischen Gebäudesanierung für das Energiesystem der Zukunft.

Frau Müller machte deutlich, dass das Gebäude der Zukunft zu einem aktiven Bestandteil des Energieversorgungssystems in beide Richtungen, als Energieverbraucher, aber auch als Energiespeicher und als Energielieferant, werden muss. Moderne Mikro-KWK-Anlagen auf Erdgasbasis können beispielsweise eine Ausgleichsfunktion für fluktuierende erneuerbare Erzeugungskapazitäten darstellen, indem sie bei Windflauten oder fehlender Sonneneinstrahlung die Stromversorgung dezentral unterstützen. Wärmepumpensysteme bieten die Möglichkeit, bei einem Überangebot erneuerbarer Energien diese Energie in Form von Wärme aufzunehmen. Bei zu geringem Angebot im Stromnetz lassen sich Wärmepumpen ausschalten und leisten auf diese Art und Weise einen Beitrag zur Netzstabilität. Durch geeignete Vernetzung vieler dezentraler Optimierungssysteme ergeben sich "virtuelle Kraftwerke", die für Systemstabilität im Netz sorgen.

Durch die noch am Anfang der Entwicklung stehende "Power to Gas"-Technologie wird es möglich, elektrische Energie in Methan umzuwandeln und in dieser Form in das Erdgasnetz einzuspeisen. Bei zu geringem Angebot von Wind- oder Solarstrom wird mit dem Erdgas dann über effiziente GuD-Kraftwerke oder KWK-Anlagen wieder Strom erzeugt. So wird das Gasnetz zum Stromspeicher. Dazu sind zusätzliche Anstöße zu einer verstärkten Erforschung der Verfahrensschritte und der Einbindung in die vorhandenen Infrastruktur erforderlich.

Wirksame Maßnahmen sind gefordert
Zu den vom BDEW unterstützten Forderungen der Allianz gehört die Forcierung einer schnellen, effizienten und bezahlbaren Modernisierung im Gebäudebestand durch bewährte und klimaeffiziente Anwendungen wie Gasbrennwerttechnik oder Wärmepumpen. Der diskriminierungsfreie Marktzugang für alle Technologien, die in diesem neuen Energiesystem einen substanziellen Beitrag leisten können, muss gewährleistet sein. Stichworte sind hier: Benachteiligung von Bio-Erdgas im Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetz, Diskussion um technologisch überzogene Jahresarbeitszahlen für Wärmepumpen; die nicht ausreichende Berücksichtigung von Wärmerückgewinnungssystemen bei Fördermaßnahmen.

Alle Anbieter von qualitativ hochwertigen Energiedienstleistungen und Energieeffizienzmaßnahmen sollen gleichen Marktzugang erhalten. Dazu gehört auch ein klares politisches Bekenntnis zur Bewertung der Energieberatung, die dann als unabhängig gelten muss, wenn sie auf Basis anerkannter Normen, Regelwerke und Regeln der Technik technologieübergreifend und energieträgerunabhängig erfolgt. Ein erfolgreiches Beispiel hierfür ist der bedarfsorientierte Energieausweis, der als unabhängiges Audit inzwischen breite Anerkennung findet und ein hochwirksames Instrument ist, um energetische Schwachstellen im Gebäude zu erkennen. Über 60 Prozent der BDEW-Mitgliedsunternehmen bieten eine solche Dienstleistung bereits am Markt an.

Der BDEW sieht das Instrument des Contracting in all seinen Ausprägungsformen als besonders wirksam an. Daher muss es zu einem wichtigen Baustein in der Gebäudesanierung entwickelt werden. Über das Instrument des Contractings gelingt es, die Anfangsinvestitionen als Hürde in geeigneter Weise abzubauen, indem die Kosten auch über die Betriebs- und Energiekosten verteilt zu einer kalkulierbaren, aber leichter finanzierbaren Investition werden.

Die rasche Steigerung der Energieeffizienz im Gebäudebestand braucht staatliche Förderprogramme und steuerliche Anreize für die energetische Gebäudesanierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung. Der BDEW setzt sich zusammen mit der Allianz dafür ein, Förderprogramme und steuerliche Anreize für die energetische Gebäudesanierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung zu verbessern. Förderung sollte sich an marktreifen Technologien und an einer kosteneffizienten CO2-Vermeidung orientieren. Sie sollte nicht als Dauersubvention wirken, mittelfristig degressiv gestaltet sein, jedoch über einen längeren Zeitraum ohne Stop-and-Go dem Markt zur Verfügung stehen.

Nicht zuletzt die Energiewirtschaft leistet bereits heute, gemeinsam mit ihren Marktpartnern aus Handwerk und Industrie, einen deutlichen Beitrag zur Steigerung der Gebäudeenergieeffizienz, insbesondere über die Anbebote entsprechender Dienstleistungsprodukte. Zudem bieten Energieversorger insgesamt fast 1.700 unterschiedliche Förderprogramme im Bereich Bauen und modernisieren an. Die Mitwirkung bei der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz soll diese Aktivitäten der Mitgliedsunternehmen zusätzlich unterstützen und die öffentliche Wahrnehmung dieser Leistungen weiter verbessern.


Weitere Informationen


Dr. Jan Witt
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1370
E-Mail jan.witt@bdew.de

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