06. Juli 2011

Bedeutung der Wohnungslüftung wächst weiter

Wohnungslüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sparen nicht nur Energie, sondern sind in vielen Fällen geradezu ein Muss, will man nicht Bauschäden durch Schimmel und Feuchte riskieren. Diesem Thema widmete sich im Mai 2011 das 3. Forum Wohnungslüftung. Lüftungssoftware und neue Fachinformationen zur Lüftung sind bei der HEA-Fachgemeinschaft, der Marktpartnerorganisation des BDEW, erhältlich.

Die europäische Gebäudeeffizienzrichtlinie, seit Juli 2010 in Kraft, birgt enorme Herausforderungen insbesondere für die Wohnungswirtschaft. Ohne intelligente Lüftungstechnik können zukünftig Niedrigstenergiehäuser, wie sie ab 2021 nur noch errichtet werden dürfen, kaum realisiert werden. André Hempel vom Bundesministerium für Verkehr, Bauen und Stadtentwicklung (BMVBS) forderte beim 3. Forum Wohnungslüftung u.a. mehr Modellvorhaben, die einen ganzheitlichen Ansatz systemisch abbilden, sowie eine weitere Qualifizierung der Energieberater, Planer und ausführenden Handwerker. Wichtig seien auch Untersuchungen zu den Auswirkungen von Sanierungsfahrplänen auf die Wertentwicklung von Immobilien und den Mietspiegel.

Zum 3. Forum Wohnungslüftung, das am 26. Mai 2011 in Berlin statt fand, hatte die HEA - Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung e.V., der Marktpartnerverbund des BDEW, zusammen mit der Solarpraxis AG und dem Bundesverband für Wohnungslüftung (VfW) eingeladen. Experten aus der Energie- und der Wohnungswirtschaft, Politiker, Planer, Sachverständige, Architekten und Hersteller diskutierten praxisnah Konzepte und Varianten für mehr Energieeffizienz. Unterstützt wurde die Veranstaltung von den Sponsoren Stiebel Eltron, Dimplex und Wolf.

Nicht nur Energieeinsparung und Wirtschaftlichkeit spielen bei der Entscheidung für eine Lüftungsanlage eine Rolle, eine hohe Bedeutung hat auch das Thema Gesundheit. Hier bieten ventilatorgestützte Lüftungssysteme beste Möglichkeiten zur Verminderung von Bauschäden durch Schimmel und Feuchte und zur Aufrechterhaltung einer hygienischen Raumluft. Pollen und Staub bleiben draußen, und auch störender Lärm gelangt nicht ins Gebäude.

Erfordernis lüftungstechnischer Maßnahmen
Die Entwicklung der letzten Jahre führt im Neubau und nach Modernisierungen zu einer immer luftdichteren Gebäudehülle. Vor diesem Hintergrund fordert die neue DIN 1946-6 (Mai 2009) für neu zu errichtende oder lüftungstechnisch relevant zu modernisierende Gebäude mit einem so genannten Lüftungskonzept festzustellen, ob für die betroffenen Wohnungen eine lüftungstechnische Maßnahme erforderlich ist. Eine lüftungstechnische Maßnahme ist zur Vermeidung von Schimmelpilzbefall und Feuchteschäden dann erforderlich, wenn ein definierter minimaler Volumenstrom zum Feuchteschutz durch den im Mittel in der Heizperiode gegebenen Volumenstrom durch Infiltration nicht mehr sichergestellt werden kann.

Für bestehende Gebäude ohne umfassende, die Dichtheit maßgeblich beeinflussende Modernisierungsmaßnahmen (z.B. nur einzelne Fenster ausgetauscht) sind aus Sicht des Feuchteschutzes auch nach DIN 1946-6 keine lüftungstechnischen Maßnahmen erforderlich. Lüftungstechnisch relevant sind aber Modernisierungsmaßnahmen, wenn in Mehrfamilienhäusern mehr als ein Drittel der vorhandenen Fenster ausgetauscht oder in Einfamilienhäusern ein Drittel der Fenster ausgetauscht und zusätzlich mehr als ein Drittel der Dachfläche abgedichtet wird.

Das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 war auch beim 3. Forum Wohnungslüftung ein wichtiges Thema, dem sich mehrere Vorträge widmeten. Detaillierte Informationen zu Lüftungskonzept und Lüftungssystemen finden sich in der neu aufgelegten HEA-Fachinformation "Wohnungslüftung Teil 1 - Grundlagen", die über die HEA-Fachgemeinschaft bezogen werden kann. Hier ist auch ein kostenloses Planungstool erhältlich, mit welchem in wenigen Schritten ermittelt werden kann, ob für ein Gebäude oder eine Wohnung eine lüftungstechnische Maßnahme erforderlich ist. Außerdem ist eine umfassende Auslegungssoftware für Lüftungsanlagen nach DIN 1946-6 zu bekommen.

Wechselwirkungen von EnEV und EEWärmeG
Seit dem 1. Oktober 2009 ist die aktuelle Energieeinsparverordnung (EnEV) in Kraft. Gleichzeitig gilt für Neubauten seit dem 1. Januar 2009 auch das Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien im Wärmebereich (Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz, EEWärmeG). Sowohl die EnEV als auch das EEWärmeG definieren energetische Anforderungen an Gebäudehülle und Anlagentechnik. In der Folge ergeben sich zahlreiche Wechselwirkungen bei der Nachweisführung und der jeweiligen Pflichterfüllung.

Für ventilatorgestützte Lüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung bzw. Abwärmenutzung durch Abluftwärmepumpen ergeben sich teilweise sehr komplexe Sachverhalte. Über diese Systeme bestehen verschiedene Möglichkeiten, die Anforderungen des EEWärmeG ganz oder teilweise zu erfüllen. Mit dem "Wegweiser zum Einsatz von ventilatorgestützten Lüftungssystemen" hat die HEA-Fachgemeinschaft eine weitere neue Fachinformation herausgegeben. In dieser wird das grundsätzliche Vorgehen zum Nachweis der Erfüllung von EnEV 2009 und EEWärmeG für diese Systeme erläutert und an Hand von praxisorientierten Beispielen aufgezeigt. Der Wegweiser erläutert, wie Deckungsanteile bestimmt werden und weist auf viele unterschiedliche Kombinations- und Lösungsmöglichkeiten hin. In Beispielen für ein Einfamilienhaus wird die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben ausgehend vom Referenzfall der EnEV für verschiedene ventilatorgestützte Systeme untersucht. Wärmeschutz und Anlagentechnik werden so gewählt, dass sowohl EnEV 2009 als auch das EEWärmeG gerade eingehalten werden.


Weitere Informationen

Alexander Sperr
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1376
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