EEG Erzeugungsanlagen am Hoch- und Höchstspannungsnetz

Neue VDN-Richtlinie weist den Weg zum netzverträglichen Anschluss von EEG-Anlagen

Für den Anschluss von Erzeugungsanlagen an das Netz der öffentlichen Versorgung standen bisher zwei Richtlinien für die Nieder- und die Mittelspannung zur Verfügung. Durch die sprunghafte Entwicklung speziell der Windenergieanlagen (WEA), die auf Basis des Gesetzes für den Vorrang Erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz - EEG) in der neuesten Fassung vom 21.07.2004 an das Netz angeschlossen werden, reichen die existierenden Vorgaben für den Netzanschluss nicht mehr aus. Durch die drastisch gestiegene Leistungszunahme, die vom Netz - in der Regel in strukturschwachen Gegenden - aufgenommen werden muss, war ohnehin aus physikalischen Gründen schon seit langem ein Anschluss direkt an das Hoch- oder sogar Höchstspannungsnetz erforderlich geworden.

Hinzu kommt, dass bei der derzeit installierten Leistung von WEA die im UCTE-Netz vorgesehene und verfügbare Reserveleistung von 3000 MW nicht mehr ausreicht, um den plötzlichen Ausfall der gesamten, installierten Leistung der WEA bei einem Fehlerfall im Netz auszugleichen. Damit wäre ein vollständiger Netzzusammenbruch vorprogrammiert, wenn der Anschluss der WEA auch weiterhin nach der bisherigen Philosophie erfolgte. WEA neuer Art müssen sich daher wie die konventionellen Kraftwerke in einem Fehlerfall an der Netzstützung beteiligen und dürfen sich nicht mehr wie bisher im Fehlerfall unverzüglich vom Netz trennen.

Die bestehenden Richtlinien mussten daher durch eine Richtlinie speziell für diese neuen Anforderungen ergänzt werden. Dabei galt es nicht nur, die besonderen Bedingungen in der Hoch- und Höchstspannung zu berücksichtigen, sondern auch die Auswirkungen im europäischen UCTE-Netz zu betrachten. Die Richtlinie musste daher in das System des TransmissionCode (TC) eingebunden werden.

Mit der jetzt zur Verfügung stehenden Richtlinie wurde technisches Neuland betreten, da viele Probleme und Anforderungen an die WEA bisher nicht relevant waren. Besonders das dynamische Verhalten im Fehlerfall stellt völlig neue Anforderungen an die Hard- und Software der WEA, um einen sicheren und stabilen Netzbetrieb zu gewährleisten, da sich auch die WE zukünftig im Fehlerfall an der Netzstützung beteiligen müssen. Die Anforderungen wurden daher in enger Abstimmung auch mit den Herstellern formuliert.

Die neue VDN-Richtlinie "EEG-Erzeugungsanlagen am Hoch- und Höchstspannungsnetz - Leitfaden für Anschluss und Parallelbetrieb von Erzeugungsanlagen auf Basis erneuerbarer Energien am Hoch- und Höchstspannungsnetz in Ergänzung zu den NetzCodes" fasst die aktuellen Erkenntnisse zusammen, die bei einem Anschluss an das Hoch- oder Höchstspannungsnetz zukünftig zu berücksichtigen sind. Als wesentliche Punkte wären zu nennen:

  • Bereitstellung von Blind- und Kurzschlussleistung im Fehlerfall,
  • Begrenzung der Blindleistungsaufnahme nach einem Fehler,
  • Reduzierung der Oberschwingungen in der Hoch- und Höchstspannungsebene,
  • Besondere Einstellung der Schutzeinrichtungen.

Nachdem die Richtlinie zunächst im Extranet des VDN den Fachleuten der Mitgliedsunternehmen zur Kommentierung vorgestellt wurde, steht die endgültige Version jetzt im Internet des VDN allen interessierten Kreisen zur Verfügung. Da sie auf Grund der Verhältnisse in Deutschland richtungsweisende Aussagen generell für die Einbindung der WEA auf den höheren Spannungsebenen macht, wird sie auch auf internationalen Veranstaltungen den Fachleuten präsentiert werden.

Der Lenkungsausschuss Netztechnik des ehemaligen VDN, der die vorliegende Richtlinie genehmigt hat, empfiehlt den Netzbetreibern, diese Richtlinie zukünftig als Basis für die Netzanschlussregeln zu machen.

Die Vorgaben der Richtlinie gelten für Anlagen, für die ab September 2004 eine Anschlussanfrage gestellt wird. Für technische Forderungen der Richtlinie, die neu erhoben werden und die noch keinen Niederschlag im TransmissionCode oder in bestehenden Netzanschlussregeln gefunden haben, gilt eine Übergangsfrist von einem Jahr.

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