07. Dezember 2010

Erfolgreicher Start des Market Coupling - großer Schritt zum Strombinnenmarkt

Am 9. November 2010 sind - auf dem Weg zu einem integrierten EU-weiten Binnenmarkt für Strom - zwei aufeinander abgestimmte Marktkopplungsverfahren erfolgreich gestartet. Es handelt sich um eine Kopplung der Großhandelsmärkte Zentral-Westeuropas unter der Beteiligung von Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Frankreich und Deutschland / Österreich. Diese Marktkopplung bezieht darüber hinaus die Stromspotmärkte Nordeuropas ein. Hier werden über Deutschland / Österreich die Länder Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland in den Wettbewerb integriert. Ein Market-Coupling dieses Umfangs und dieser Komplexität stellt eine bislang weltweit einmalige Pionierleistung dar. Es bestehen außerdem Vorüberlegungen zu einer geographischen Ausweitung dieser Marktkopplung und ihrer Verfeinerung.

Die Kopplung der "Day-Ahead-Märkte" (Market-Coupling) stellt nach allgemeiner Auffassung die effektivste Art dar, wie knappe Kuppelkapazitäten effizient genutzt werden können. Market-Coupling führt zu
  • steigendem Handel zwischen Marktgebieten (steigende Importe und Exporte),
  • höheren gehandelten Mengen an den einzelnen Börsenplätzen (höhere Liquidität),
  • maximaler Preiskonvergenz bei gegebener Kapazität zwischen den einzelnen Börsenplätzen und damit zu
  • einer Unterstützung der Entwicklung eines integrierten liquiden Commodity-Marktes unter effizienter Nutzung grenzüberschreitender Kapazität.

Der Start des Market Coupling war eindrucksvoll: Am ersten Tag gab es über die gesamten 24 Stunden zwischen Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Frankreich und Deutschland / Österreich keine Engpässe. Das ist eine gute Nachricht für den Binnenmarkt und eine gute Nachricht für den Wettbewerb. Dennoch muss der grenzüberschreitende Ausbau der Netze weiterhin mit Priorität angegangen werden, um auch zu kritischen Zeitpunkten, wie z.B. bei hohem Windaufkommen und niedrigem Verbrauch am Wochenende Strom effizient nutzen zu können. Auch die Ergebnisse des zweiten Market Couplings - die Verbindung des skandinavischen mit dem westeuropäischen Markt - hat die Erwartungen erfüllt.

Der BDEW hat diese Entwicklung über die sogenannte "Market Parties Platform" (MPP) gefördert. In der Market Parties Platform haben die Energieverbände von Belgien, den Niederlanden, Luxemburg, Frankreich und Deutschland ihre Kräfte gebündelt, um das Zusammenwachsen der Märkte zu fördern.

Dieser Prozess startete mit einem offiziellen "Memorandum of Understanding" Mitte 2007. Die sehr komplexen organisatorisch-infrastrukturellen Voraussetzungen wurden von den Übertragungsnetzbetreibern und Börsen geschaffen. Regierungen, Regulatoren und Marktparteien haben den Vorgang Schritt für Schritt unterstützt.

Der BDEW sieht in dem erfolgreichen Start der Marktkopplung in Westeuropa und mit Nordeuropa einen großen Schritt auf dem Weg zu einem integrierten europäischen Strommarkt. So weitreichend die jetzt vollzogene Marktkopplung auch sein mag: Der BDEW wird sich dafür einsetzen, dass auch die weiteren notwendigen Schritte zu vollintegrierten Binnenmarkten für Strom und Gas getan werden.


Weitere Informationen

Dr. Stephan Krieger
Geschäftsbereich Strategie und Politik
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Marcel Steinbach
Geschäftsbereich Vertrieb, Handel und gasspezifische Fragen
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