20. August 2010

2. Forum Wohnungslüftung:

Gute Zeiten für die Lüftungstechnik

Ein lebendiges Forum zu Machbarkeiten, strategischen Allianzen und Markthemmnissen versprach Dr. Jan Witt, Geschäftsführer der HEA-Fachgemeinschaft, den Teilnehmern des 2. Forums Wohnungslüftung in Berlin. Eingeladen hatten HEA und Solarpraxis AG; erstmals war der Bundesverband für Wohnungslüftung (VfW) Mitveranstalter. 80 Fachleute aus Politik, Forschung, Planungspraxis, Energiewirtschaft und Industrie nahmen das Dialogangebot an und informierten sich eingehend über neue Richtlinien, Innovationen, Trends und Markterfahrungen.

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass Lüftungstechnik im Neubau etabliert ist. Nachholbedarf bestehe bei Sanierung und Modernisierung, insbesondere in der Wohnungswirtschaft. Hier gilt es, deren Vorteile gerade in Fachkreisen noch bekannter zu machen und Hemmschwellen abzubauen, leistet diese Technik doch einen unverzichtbaren Beitrag zur Verbesserung von Raumluftqualität und Schallschutz sowie zur Vermeidung von Bauschäden durch Schimmel und Feuchte.

Wachsender Stellenwert aus Sicht des BMVBS
Peter Rathert vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) beleuchtete den wachsenden Stellenwert der Lüftungstechnik im Kontext des EnEG, der EnEV 2009 und der neuen EU-Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD). Angesichts luftdichter Bauweise, steigender Wärmelasten im Gebäudeinneren und wachsender Anforderungen an die Innenraumhygiene wird Lüftungstechnik unverzichtbar.

In Kombination mit Flächenheizungen
Anton Höß beleuchtete unterschiedliche Lösungen für Geräte- und Systemtechnik. Klar erkennbar sind Trends zur Minimierung des Außenluftvolumenstroms und zur Wärmerückgewinnung – zunehmend in Kombination mit Wärmepumpen. Ein gestiegenes Interesse an Kühlfunktionen lässt erkennen, dass diese Komfortleistung der Wohnungslüftung – ob passiv oder aktiv – im Gespräch ist. Abluftwärme wird entweder für die Anhebung der Zulufttemperatur oder in Kombination mit Wärmepumpen für die Erwärmung von Trink- oder Heizungswasser genutzt. Innovationen der Wärmepumpentechnik wie Digital-Scroll-Verdichter, elektronische Expansionsventile u.a. machen 15 Prozent höhere Jahresarbeitszahlen möglich. Der zunehmende Einsatz von Flächenheizungen unterstützt zudem den Komfortfaktor.

Beträchtliches Haftungsrisiko für den Planer
Über ein „heißes Eisen“, Haftungsfragen von Planern und Bauunternehmern bei Neubau oder sanierten Wohnräumen ohne Lüftungsanlagen, referierte Raimund Käser, Bundesverband für Wohnungslüftung, (VfW). Immer noch viel zu wenig in der Baupraxis beachtet wird, dass die allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik nur Mindestanforderungen an die Bauausführung darstellen. Das gilt insbesondere für die Lüftung. Die Rechtspraxis zeigt, dass für den Planer oder Bauunternehmer ein beträchtliches Haftungsrisiko entsteht, wenn der zu gewährleistende Luftwechsel nur durch zusätzliche Lüftungsmaßnahmen des Nutzers erreicht werden kann.

Lüftungstechnik inVerbindung mit dem EEWärmeG
Prof. Bert Oschatz vom Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden (ITG), widmete sich den Chancen für die Wohnungslüftung bei der Umsetzung des EEWärmeG. Die Pflicht zum Einsatz erneuerbarer Energien kann alternativ auch durch Abwärmenutzung erfüllt werden. Es müssen dann 50 Prozent des Wärmeenergiebedarfs dadurch gedeckt werden. Zumindest anteilig wird dies durch ventilatorgestützte Lüftungssysteme möglich, beispielsweise durch Wärmerückgewinnung mit einer Abluft-Wasser-Wärmepumpe oder einem Zu- und Abluftsystem mit Wärmeübertrager.

Forderung: Luftwechselrate erhöhen
Prof. Michael Haibel, Hochschule Biberach, wies auch auf den zentralen Aspekt der Qualität bei Planung und Ausführung hin. Wird der Fokus allein auf den Energieverbrauch gerichtet, kommt der gesetzlich geforderte Luftwechsel garantiert zu kurz. Gesundheitliche Belastungen folgen. Abschließend sprach sich Haibel aus Gründen des Gesundheitsschutzes nachdrücklich für eine Erhöhung der Luftwechselrate aus.

Vertrauensbildende Maßnahmen
Am Beispiel der Haustechnikplanung für ein Passivhaus erläutete der Planer Hinnerk Fütterer, Energiebüro Fütterer Ruppmann GbR aus Berlin, welche Vorurteile bei den neun Baugruppenfamilien ausgeräumt und welche Rahmenbedingungen des Geschosswohnungsbaus beachtet werden mussten. Die Vermeidung von Geräuschen, überdurchschnittliche Mehrkosten und zusätzlicher Platzbedarf waren dabei zentrale Themen. Fütterer bezifferte die Mehrkosten für die Lüftungstechnik mit fünf Prozent; insgesamt liegen die Baukosten dieses Mehrgeschossers im Passivhaus-Standard bei 2.200 Euro je Quadratmeter (inkl. Mwst.). Fütterer legte der Industrie nahe, sich stärker der Passivhauszertifizierung ihrer Geräte zu widmen und technische Unterlagen zu Schallemissionen bereitzustellen. Um der Lüftungstechnik in der Wohnungswirtschaft zum Durchbruch zu verhelfen, werden flexiblere Systemlösungen benötigt.

Impulse für Akzeptanz
Wird Wohnungslüftung bereits ausreichend gefördert? Dieser Fragestellung widmete sich Dr. Rudolf Hennes von der KfW-Bankengruppe. Die KfW-Programme Energieeffizient Bauen und Sanieren sowie die DIN 1946 Teil 6 haben den Trend zur Wohnungslüftung verstärkt. Bei Einhaltung der Kriterien wird diese Technologie speziell im Programm Energieeffizient Sanieren gefördert. Marc-André Müller von den Stadtwerken Düsseldorf stellte überdies ein eigenes Förderprogramm des EVU vor, bei dem ein Antrag erst nach Inbetriebnahme der Anlage gestellt wird. Einig waren sich alle Anwesenden darin, dass auf die Lüftungstechnik bessere Zeiten zukommen. Allerdings ist am Schulterschluss von Industrie, Forschung, Praxis und Politik weiter zu arbeiten.

In einem speziellen Industrieforum und in einer begleitenden Schau stellten die Hauptsponsoren Dimplex und Wolf Haustechnik neueste Entwicklungen in der Lüftungstechnik vor.


Weitere Informationen:

Alexander Sperr
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1376
E-Mail alexander.sperr@bdew.de

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