01. November 2010

Im Zeichen von Effektivität und Effizienz: das 8. Forum Wärmepumpe

Staatssekretär Jan Mücke beim Eröffnungsvortrag, Quelle: BDEW

Neben der Frage nach der Effizienz und der Weiterentwicklung der Wärmepumpentechnologie stand beim "8. Forum Wärmepumpe" am 7. Oktober 2010 in Berlin insbesondere auch die Effektivität im Mittelpunkt: Welchen Beitrag kann die elektrische Wärmepumpe zu den politischen Klimaschutzzielen leisten? Über 150 Gäste aus der Energiebranche sowie aus Politik und Presse beteiligten sich am intensiven Fachdialog in Berlin.

Am Vorabend des Forums bot ein Parlamentarisches Abendessen im Aquarium am Zoologischen Garten die Gelegenheit zum Austausch über Smart Grid und Wärmepumpen. Hans-Joachim Otto (FDP), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi), lobte in seiner Keynote die Wärmepumpe als Multitalent im Wärmemarkt, da sie sowohl effizient als auch erneuerbar sei. Besonders hob er auch das Potenzial der Wärmepumpe zum Lastmanagement hervor. Die Wärmepumpe habe bereits heute ein großes Marktpotential.

Otto kündigte für die erste Jahreshälfte 2011 eine wissenschaftliche Studie zum Lastmanagement-Potenzial der Wärmepumpe im intelligenten Stromnetz der Zukunft an, die das BMWi dann mit der Branche diskutieren werde. Zu den Fragen, die im Rahmen der geplanten Studie geklärt werden sollten, gehöre unter anderem der ökonomische Sinn eines Wechsels vom wärme- zum stromgeführten Betrieb. Aber auch die politischen Rahmenbedingungen für den Einsatz von Wärmepumpen kamen zur Sprache: Spontanen Beifall erhielt der Staatssekretär für die Anregung, dass die Jahresarbeitszahl-Anforderungen für die Altbau-Nutzung angepasst werden müssten.

Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP), Paul Waning, stellte anschließend das neue Positionspapier zum Potenzial der Wärmepumpe für das Lastmanagement im Smart Grid vor, das der BWP in Kooperation mit der HEA, dem ZVEH und dem ZVEI erstellt hat. Auch für den Kunden, der eine auf die Energiespeicherung optimierte Wärmepumpe betreibe, müsse es einen echten Nutzen geben: "Andernfalls kann sich die Politik wünschen, was sie will." Wichtig sei es, keinen Phantasien nachzulaufen, sondern Realitäten zu erkennen.

Energieeinsparungen durch Wärmepumpen
Die eigentliche Fachtagung eröffnete am 7. Oktober Jan Mücke, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, mit einem Vortrag über die Energieeinsparverordnung (EnEV). Diese wird – durch Anpassung an die europäische EPBD (Energy Performance of Buildings Directive) - 2012 erneut die Vorschriften für die Energieeffizienz von Gebäuden ändern.

So sollen ab 2020 alle neuen Gebäude im "Niedrigstenergiestandard" erstellt werden. Mücke stellte aber auch klar: "Die Novelle der Gebäuderichtlinie enthält - mit Ausnahme der bereits erwähnten Anforderungen an die Errichtung von Niedrigstenergiegebäuden - keine materiellen energetischen Verschärfungen, etwa für Bestandsgebäude." Erhalten bleibe bei der Neufassung die Primärenergie als Bilanzgröße. Derzeit werde auch geprüft, ob die Wärmepumpentechnik als Referenzanlagentechnik in der EnEV-Novelle festgeschrieben werden solle.

Um diese Einsparziele zu erreichen, sind Anreize statt ordnungsrechtlicher Pflichten vorgesehen: "Der Sanierungsfahrplan ist auf Freiwilligkeit angelegt. Wir stellen wirtschaftliche Anreize in den Mittelpunkt unserer Politik und nicht die Bevormundung der Bürgerinnen und Bürger", betonte Staatssekretär Mücke. Daneben solle den öffentlichen Gebäuden noch stärker als bisher eine Vorbildfunktion zukommen. Darüber hinaus sollten die Anforderungen des Energiefachrechts in Zukunft noch stärker vom Bauplanungsrecht flankiert werden. Schließlich gebe es für energieeffiziente Gebäude auch genügend wirtschaftliche Gründe: "Der weitaus größte Anteil der Kosten, die für ein Gebäude über dessen gesamten Lebenszyklus anfallen, wird durch den Betrieb verursacht", so Staatssekretär Mücke.

Wärmepumpe 2.0 - Kühlung, Lastmanagement und Energiespeicherung
Dr. Knut Zschiedrich, Vorstandsvorsitzender der RWE Vertrieb AG, legte seinen Schwerpunkt auf bislang noch unterschätzte Potenziale der Wärmepumpe, etwa in den Bereichen Kühlung und Energiespeicherung. Aus Unwissenheit werde bislang nur ein Bruchteil der für die energieeffiziente passive Kühlung bestens geeigneten Wärmepumpen-Anlagen auch tatsächlich dafür genutzt - und der Bedarf an Kühlung steige in Zukunft weiter.

RWE setze auf die Wärmepumpe. Als schalt- und steuerbares System könne die Wärmepumpe regionale Spitzen in der Stromerzeugung glätten und damit den Paradigmenwechsel in der zunehmend auf regenerative Energien gestützen Strombranche unterstützen: den Wechsel von der generell verbrauchsabhängigen Erzeugung zum teilweise erzeugungsabhängigen Verbrauch.

Dr. Jörg Heinen von der Rheinland Westfalen Netz AG vertiefte die technischen Aspekte des Themas Demand-Side-Management, also der gezielten Steuerung des Verbrauchs je nach Belastung des Netzes bzw. Einspeisesituation. Wärmepumpen als schaltbare Lasten könnten dabei gebündelt als virtuelle Speicher am Markt platziert werden - analog zu virtuellen Kraftwerken, die sich aus vielen kleineren Erzeugern zusammensetzen.
Allerdings seien dafür zunächst Investitionen in die Infrastruktur erforderlich; außerdem müssten die Wärmepumpen-Anlagen auf die erforderlichen Speicherleistungen hin optimiert werden - derzeit seien dafür mindestens Abschaltzeiten von vier Stunden am Stück zu überbrücken. Hier müssten die entsprechenden Rahmenbedingungen für einen wirtschaftlichen Betrieb geschaffen werden.

Je tiefer desto teuflischer: Rechtsrisiken bei Bohrungen
Prof. Dr. Klaus Englert stellte die Risiken der oberflächennahen Geothermie - die Risiken im Baugrund - aus juristischer Sicht dar. Dabei stellte Prof. Englert klar, dass alle am Bohr-Projekt Beteiligten - Bauherr bzw. Auftraggeber, Planer, Bohrunternehmer, aber auch die Behörden - eine Haftungsgemeinschaft bilden. Alle naturgegebenen, insbesondere auch die geologischen, Umstände fallen allerdings in den Risikobereich des Auftraggebers. Der Auftragnehmer muss aber - sollte er Bedenken wegen des Baugrunds haben - diese dem Auftraggeber unverzüglich mitteilen.

Effizienz und Effektivität: Arbeitszahlen sind wichtig, aber nicht immer entscheidend
Von 2006 bis 2010 maß das Fraunhofer ISE in einem großen Feldtest die Effizienz von fast 100 Wärmepumpen in ganz Deutschland. Die detaillierten und ständig aktualisierten Werte von acht Anlagen im Betrieb können nun auf der eingesehen werden. Projektleiter Marek Miara stellte die Ergebnisse des im September 2010 abgeschlossenen Feldtests vor: Die durchschnittliche Effizienz bei Erdreich-Wärmepumpen lag bei einer Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,9, wobei Erdsonden geringfügig effizienter arbeiteten als die Erdkollektoren. Die breite Streuung der Effizienzwerte zeige, dass es sich um "normale" Anlagen, nicht um ungewöhnlich effiziente Modelle handele. Interessant sei auch, dass die mittlere Solevorlauftemperatur der Sonden nicht unter 5 Grad sank. Auch über den Projektzeitraum von mehr als drei Jahren ließ sich keine durchschnittliche Temperaturabsenkung messen.

Miara betonte aber auch, dass Effizienz nur ein Maß für die Input/Output-Relation sei. Eine andere wichtige Größe sei die Effektivität, das Maß der Zielerreichung. Schließlich könne auch bei einer hohen Effizienz - wenn die Energie nicht zielführend verwendet werde - die Effektivität, also beispielsweise die Erreichung der ökologischen und Klimaschutzziele, darunter leiden. So erreichten Luft-Wärmepumpe mit einer Solaranlage systembedingt eine geringere Effizienz, aber die Effektivität im Sinne der 20-20-20-Ziele steige: "Effizienz ist gut, Effektivität ist besser", betonte Miara: "Arbeitszahlen sind wichtig, aber nicht immer entscheidend." Die Effizienz von Luftwärmepumpen lag im Durchschnitt bei einer JAZ von 2,9, wobei etwa ein Drittel aller Anlagen Durchschnittswerte von über 3,0 erzielte.

Viele Wege führen zum regenerativen Zeitalter
Politiker aller Bundestags-Fraktionen waren sich bei der Podiumsdiskussion einig, dass kein Weg an einer zum allergrößten Teil regenerativen Energieversorgung vorbeiführt - und dass das auch für die Wärmeversorgung gilt. Unterschiedlich wurden allerdings die Ziele und Vorgaben des neuen Energiekonzepts der Bundesregierung bewertet: Während Thomas Bareiß (CDU/CSU) die anspruchsvollen Ziele für Erneuerbare lobte, kritisierte die Opposition das Konzept als einen Rückschritt, mit dem man hinter die weitreichenderen rot-grünen Ziele zurückfalle. Außerdem mahnte etwa Dirk Becker (SPD) konkretere Maßnahmen gerade auch für den Wärmebereich an: "Haushaltsrechtliche Fördermittel haben immer das Problem des Auf und Ab", daher müsse man andere Signale setzen oder - wenn man nur auf Freiwilligkeit setze - auch ausreichende Fördermittel bereitstellen. "Im Wärmebereich muss wesentlich mehr kommen", so Becker.

Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) forderte vernünftige und verlässliche Rahmenbedingungen für den Ausbau von erneuerbarer Energie, und das leiste dieses Konzept nicht: "Die Grundlage in diesem Konzept ist, dass alles in die Zukunft vertagt wird!" Außerdem basiere die Regierungsplanung darauf, dass der Zubau von erneuerbaren Energien zurückgehen werde.

Michael Kauch (FDP) wies auf die durch die vereinbarte Schuldenbremse begrenzten Mittel hin. Im Gegensatz zu Rot-Grün schöpfe die Regierung nun endlich die "Atomgewinne" ab und stecke die Erlöse in den Energie- und Klima-Fonds - ebenso wie die Mehrerlöse aus der Versteigerung von Emissionsrechten. Das sichere eine haushaltsunabhängige Finanzierung von Anreizen für erneuerbare Energien. "Derzeit wird ein haushaltsunabhängiges Förderinstrument geprüft - dabei wird auch das BEE-Prämienmodell angedacht", erklärte Kauch und betonte die Bereitschaft zu Gesprächen mit der Erneuerbare-Energien-Branche. Bedenken äußerte Kauch gegen ordnungsrechtliche Pflichten: "Wir können gerade ältere Menschen nicht ordnungsrechtlich durch Zwangssanierung enteignen!"

Die Bezahlbarkeit und Sozialverträglichkeit der Sanierungsmaßnahmen spielte auch für Ralph Lenkert (Die Linke) eine wichtige Rolle. "Ich betrachte das Energiekonzept von den Zielen her als vernünftig, aber der Weg, den die Bundesregierung eingeschlagen hat, ist für mich der falsche." So kritisierte er den Regierungsentwurf als phantasielos: "Wärmepumpen kommen im Konzept nicht vor, dabei können gerade Wärmepumpen Stromspitzen im Netz abmildern." Auch um die Kosten für den Netzausbau zu senken, müssten Wärmepumpen stärker im Konzept verankert werden.


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Alexander Sperr
Geschäftsbereich Energieeffizienz
Telefon 0 30 / 300 199-1376
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