01. September 2011

Primärenergieverbrauch Deutschlands im ersten Halbjahr 2011 rückläufig

Aufgrund der milden Witterung, gestiegener Ölpreise und des Kernkraft-Moratoriums ging der Primärenergieverbrauch in Deutschland in der ersten Jahreshälfte zurück. Verglichen mit den Vorjahreswerten sank er um 3,2 Prozent von 7.095 Petajoule (PJ) oder 242,1 Mio. t Steinkohleneinheiten (SKE) auf 6.869 PJ oder 234,4 Mio. t SKE, so die aktuellen Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen.

Den stärksten Einfluss auf den Verbrauch hatten die im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010 deutlich höheren Temperaturen. Die hiervon verursachten Verbrauchsrückgänge überdeckten die konjunkturellen Zuwächse völlig. Temperaturbereinigt wäre der Primärenergieverbrauch nach Schätzungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen um ein Prozent gestiegen.

Hohe Temperaturen verantwortlich für Rückgang des Erdgasverbrauchs
Der Erdgasverbrauch sank um 8,6 Prozent. Die witterungsbedingten Verbrauchsrückgänge der Privathaushalte konnten durch den konjunkturbedingt höheren Erdgaseinsatz in der Industrie nicht ausgeglichen werden. Der Einsatz von Erdgas in den Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung lag unter dem Wert des Vorjahreszeitraumes.

Stromnachfrage leicht gestiegen
Mit 269 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) lieferte die Energiewirtschaft im ersten Halbjahr dieses Jahres 1,5 Prozent mehr Strom an ihre Kunden als im entsprechenden Vorjahreszeitraum (erstes Halbjahr 2010: 266 Mrd. kWh). Trotz dieses Zuwachses lag der Stromverbrauch damit noch unter dem Niveau, auf dem er sich vor Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 befand.

Der Beitrag der Kernenergie zur Energiebilanz der ersten sechs Monate lag mit 638 PJ (21,8 Mio. t SKE) 15 Prozent unter seinem Vorjahreswert. Nach Inkraftsetzung des Moratoriums Mitte März ging die Stromerzeugung aus Kernenergie allein im zweiten Quartal um 36 Prozent zurück. Der Anteil der Kernenergie am Primärenergieverbrauch sank auf 9,3 Prozent und lag damit erstmals seit 25 Jahren im einstelligen Bereich.

Die erneuerbaren Energien deckten den Strombedarf in den ersten sechs Monaten zu 20 Prozent. Aus Windenergieanlagen kamen 13,1 Prozent mehr Strom als im ersten Halbjahr 2010; die Stromerzeugung der Wasserkraftanlagen (ohne Pumperzeugung) sank um 9,6 Prozent. Photovoltaikanlagen lieferten rund 80 Prozent mehr Strom als noch vor einem Jahr; insgesamt deckte Strom aus Sonnenenergie zu 3,4 Prozent den Strombedarf Deutschlands.

Gemessen am Primärenergieverbrauch insgesamt legten die erneuerbaren Energien in Summe um 1,6 Prozent zu; ihr Anteil betrug zum Halbjahresende 10,2 Prozent.

Der Mineralölverbrauch sank um 0,5 Prozent auf 2.219 PJ (75,7 Mio. t SKE). Hohe Preise und der milde Witterungsverlauf ließen den Bedarf an leichtem Heizöl um knapp ein Viertel einbrechen. Dem stagnierenden Absatz an Otto- und Flugkraftstoffen stand ein moderater Anstieg beim Diesel gegenüber. Der gute Konjunkturverlauf in der Petrochemie erhöhte die Nachfrage nach Rohbenzin und anderen Mineralölprodukten.

Der Verbrauch von Steinkohle ging um etwa 1,3 Prozent zurück. Während der Einsatz in Kraftwerken um gut drei Prozent abnahm, stieg der Bedarf der Stahlindustrie um rund zwei Prozent. Der Verbrauch von Braunkohle lag um 1,1 Prozent über dem des Vorjahrszeitraumes. Zuwächse gab es sowohl in der Stromerzeugung wie auch bei den Veredelungsprodukten.

Detaillierte Angaben zum Primärenergieverbrauch in Deutschland im ersten Halbjahr 2011 finden sich auf der Website der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (www.ag-energiebilanzen.de).


Weitere Informationen

Diplom-Wirtschaftsmath. (FH) Florentine Kiesel
Geschäftsbereich Strategie und Politik
Telefon 0 30 / 300 199-1613
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