01. Juni 2012

"Energiewelt Ost": Einstellungen in den neuen Bundesländern zur Energiewende

Die im Frühjahr 2012 von der Universität Leipzig veröffentlichte Studie "Energiewelt Ost" untersucht eigenen Angaben zufolge als erste die Einstellungen der verschiedenen Akteursgruppen in Ostdeutschland zur Energiewende. Befragt wurden Haushalte, Kommunen und energieintensive Unternehmen. 81 Prozent der befragten Haushalte sind für den Umbau der Energieversorgung. Ähnlich positiv äußern sich die Kommunen: 69 Prozent der befragten Städte und Gemeinden stehen hinter der Energiewende. Die Unternehmen der energieintensiven Industrien in den neuen Bundesländern sehen den Wandel hingegen kritischer: Nur 37 Prozent befürworten die Neuausrichtung der Energiepolitik.

Für die Studie "Energiewelt Ost" wurde mit Hilfe von telefonischen beziehungsweise schriftlichen Befragungen von November 2011 bis Februar 2012 die Einstellung in Ostdeutschland zur Energiewende untersucht. 1.650 Haushalte wurden telefonisch befragt; 700 Kommunen und 130 Unternehmen der energieintensiven Industrie erhielten Fragebögen, 126 Kommunen und 33 Unternehmen antworteten. Die Ergebnisse sind nach Angaben der Studie repräsentativ für die fünf neuen Bundesländer.

Die Mehrheit der Haushalte steht der Energiewende offen gegenüber. Allerdings lehnen 51 Prozent Veränderungen im Landschaftsbild im unmittelbaren Umfeld ab. Hinzu kommt, dass sich die Befragten von ihrem Energieversorger nicht ausreichend über Fragen des Netzausbaus informiert fühlen. 53 Prozent der Haushalte sind bereit, sich finanziell an Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu beteiligen. Beim Bau solcher Anlagen sehen sie an erster Stelle die Energieversorger in der Pflicht. Die höchste Akzeptanz hat die Wasserkraft, gefolgt von Photovoltaik und Windkraft.

Für die befragten Kommunen steht im Rahmen der Energiewende vor allem die Versorgungssicherheit im Mittelpunkt. 39 Prozent der Städte und Gemeinden rechnen hier jedoch mit Einschränkungen aufgrund des massiven Ausbaus der Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bürgerakzeptanz. Für 62 Prozent der befragten Kommunen spielt Bürgerbeteiligung in Zukunft eine große Rolle. Dies betrifft vor allem die Bürgerinformation bei Bauvorhaben, aber auch die finanzielle Beteiligung, zum Beispiel über Bürgeraktien oder Genossenschaftsmodelle. Nur 15 Prozent der befragten Städte und Gemeinden verfügen aktuell über ein energiepolitisches Konzept. Bei lediglich 25 Prozent ist ein solches Konzept derzeit in Planung.

Für die befragten Betriebe bedeutet die Energiewende einen massiven Einschnitt. Preisstabilität und Versorgungssicherheit sind für sie beim Umbau der Energieversorgung außerordentlich wichtig. Letztere sehen 74 Prozent der Unternehmen gefährdet. Als Gründe werden fehlende Netze, Kraftwerke und Speicher genannt. Zwar erwarten die Betriebe, dass Deutschland durch die Energiewende eine Vorreiterrolle in der Welt einnehmen wird. Jedoch gehen sie gleichzeitig davon aus, dass die Bundesrepublik als Wirtschaftsstandort geschwächt wird. Eine Mehrzahl sieht aufgrund der Veränderungen Arbeitsplätze gefährdet; für einige ist auch die Verlegung von Unternehmensteilen ins Ausland vorstellbar. Viele Firmen planen den Einsatz effizienter Technologien zur Einsparung von Energie.

Trotz der prinzipiell hohen Zustimmung zur Energiewende von Bürgern, Kommunen und zum Teil auch Unternehmen werden die Auswirkungen durchaus kritisch gesehen. Alle rechnen mit einem Anstieg der Strompreise und mit massiven Veränderungen im Landschaftsbild.

Das "Kompetenzzentrum für Öffentliche Wirtschaft und Daseinsvorsorge" der Uni Leipzig führte die Studie "Energiewelt Ost" in Kooperation mit der envia Mitteldeutsche Energie AG (enviaM) durch.


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Sven Kulka
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