30. August 2012

Freiwilliges Benchmarking sehr erfolgreich, Monopolkommission fordert jetzt Pflichtbenchmarking

Das Benchmarking auf freiwilliger Basis ist in der Wasserwirtschaft sehr erfolgreich. Viele neue Landesprojekte wurden erfolgreich durchgeführt und ihre Ergebnisse anonymisiert veröffentlicht. Jetzt fordert die Monopolkommission in ihrem Hauptgutachten ein Pflichtbenchmarking.

Die Monopolkommission befasst sich in ihrem 19. Hauptgutachten, das im Juli 2012 veröffentlicht wurde, erstmalig mit Benchmarking für die Wasserwirtschaft  als "anreizregulierungsähnliche[m] Instrument". Sie stellt richtig dar, dass sich einige Landeskartellbehörden auf dieses Verfahren stützen und dass die Projekte von oder in Zusammenarbeit mit anderen Landesministerien oder in Initiative der Wasserwirtschaft durchgeführt werden. Auch das breite Spektrum - bis hin zum Prozessbenchmarking - wird zutreffend analysiert. Das Verbesserungspotential und echte Fortschritte werden für einige Teilnehmer gesehen, aber die Monopolkommission befindet, dass "wohl die überwiegende Mehrzahl der Betriebe dem Benchmarking kritisch gegenüber" stehe.

Wichtig ist, dass die Monopolkommission derartige Projekte grundsätzlich für geeignet hält, die Effizienz in der Wasserwirtschaft zu verbessern. Sie ähnelten vom theoretischen Ansatz dem in regulierten Bereichen eingesetzten Effizienzvergleich. Leider zieht die Monopolkommission aus Sicht des BDEW die falschen Schlüsse aus ihrer Analyse. Sie empfiehlt eine Verpflichtung zur Teilnahme am Benchmarking. Der BDEW hält die Freiwilligkeit und Anonymität für die zentralen Erfolgsfaktoren dieser Leistungsvergleiche. In diesen Benchmarkingprojekten vergleichen sich die Unternehmen in fünf Bereichen, die auch als Säulen bezeichnet werden: Qualität, Sicherheit, Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Kundenservice. Zweck des Vergleichs ist, von den Besten zu lernen. Erfolgreiche Methoden und Prozesse werden identifiziert, kennengelernt und ggfs. übernommen.

Die Forderung der Monopolkommission nach einer "echten Vergleichbarkeit" zwischen den Projekten lässt sich durchaus nachvollziehen, daher hatte der BDEW mit der sog. IGES-Studie die Schaffung von Kernkennzahlen angeregt, die die Landes-Benchmarkingprojekte zukünftig untereinander vergleichbar machen sollen (max. 30 Kernkennzahlen). Derzeit entwickelt der DVGW hierfür sog. Branchenkennzahlen, wobei die Branchenkennzahlen für die Säulen Wirtschaftlichkeit und Kundenservice vom BDEW bearbeitet werden.

Der hohe Detaillierungsgrad der Vergleiche, den die Monopolkommission fordert, ist bereits gegeben, aber den Gutachtern anscheinend nicht bekannt.

Nach Auffassung des BDEW darf die erfolgreiche Eigeninitiative der Branche nicht durch derartige Forderungen wie die der Monopolkommission gefährdet werden, vor allem da die Monopolkommission eine Regulierung der Branche durch die Bundesnetzagentur fordert. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass sich im politischen Raum niemand diesen Forderungen anschließt. Neben dem "Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft" ist Benchmarking eine der tragenden Säulen der Modernisierungsstrategie, die die Politik von der Wasserwirtschaft gefordert hatte.

Neue Projekte in den Bundesländern
In vielen Bundesländern haben sich aktuell Wasserver- und Abwasserentsorger verglichen. Teilweise werden die Projekte in Kooperation mit anderen Verbänden durchgeführt. Die etablierten Projekte werden teilweise um neue Elemente wie Kundenbefragungen oder Transparenzmodule erweitert.

  • Sachsen-Anhalt hat erstmalig ein landesweites Projekt durchgeführt und die Ergebnisse in einem öffentlichen Projektbericht im März 2012 veröffentlicht. Der Umweltminister des Landes würdigt die Ergebnisse in dem Bericht mit einem Grußwort.
  • Rheinland-Pfalz hat im Juni 2012 ebenfalls einen neuen Bericht präsentiert. Hier haben sich Wasser- wie Abwasserunternehmen bereits zum dritten Mal verglichen.
  • Baden-Württemberg hat im Frühjahr 2012 seine sechste Runde des Wasserbenchmarkings vorgestellt. Der Projektbericht umfasst auch die Ergebnisse der vierten Runde des Abwasserbenchmarkings.
  • In Nordrhein-Westfalen vergleichen sich die Trinkwasserversorger jährlich; so wurden kürzlich die Ergebnisse der dritten Runde vorgestellt. Gleichzeitig startete die vierte Runde. Die nordrhein-westfälische Landesregierung bekennt sich klar zu Benchmarking, das sie als Alternative zu kartellrechtlichen Überprüfungen sieht. Als einziges Bundesland ist hier auch das Wirtschaftsministerium, in dem die Kartellbehörde angesiedelt ist, als Auftraggeber, neben Umwelt- und Innenministerium, in das Projekt eingebunden.
  • In Niedersachsen hat eine neue, zweite Vergleichsrunde begonnen.
  • In Brandenburg vergleichen sich die Unternehmen derzeit auch zum zweiten Mal. Hier soll auch ein neues Modul einer Kundenbefragung erprobt werden. Die Abschlusspräsentation ist für Anfang November 2012 geplant.

Eine kurze Übersicht über den aktuellen Stand der Benchmarkingprojekte bietet die aktualisierte Benchmarking-Broschüre des BDEW (Stand Juli 2012).

Über Benchmarking und seine Erfolge berichtet auch das aktuelle Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2011, das der BDEW im März 2011 zusammen mit anderen Verbänden herausgegeben hat. Seinen Mitgliedern stellt der BDEW exklusiv die Grafiken des Branchenbilds in interaktiver Form zur Verfügung. BDEW-Mitglieder können sich noch bis Ende August 2012 an der Bedarfsumfrage für das nächste, vierte Branchenbild beteiligen.


Weitere Informationen

Vera Szymansky
Geschäftsbereich Wasser und Abwasser
Telefon 0 30 / 300 199-1212
E-Mail vera.szymansky@bdew.de

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