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Start-up Ecoworks:

Ge­bäu­de­sa­nie­rung vom Fließband

NetZero für Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser im Eiltempo: Ecoworks will die serielle Sanierung als Standard in der Bau­bran­che eta­blie­ren.

Illustration Gebäudeteile hängen in einem Kleiderschrank

© Robert Albrecht / BDEW

Vorsichtig navigiert der Kran­füh­rer das Fas­sa­den­ele­ment durch die Luft, damit die Bau­ar­bei­ter es an der Hauswand be­fes­ti­gen können. An­schlie­ßend werden weitere Module verbaut, die das Gebäude nach und nach um­schlie­ßen wie eine zweite Haut. Fenster, Wär­me­schutz oder Lüftungen sind bereits in der neuen Hülle in­te­griert. Alles fix und fertig aus der Fabrik. Dazu kommt ein neues Dach mit So­lar­an­la­ge und eine Wär­me­pum­pe im Keller.

Serielle Sanierung heißt das Konzept, das Ecoworks-Gründer und Ge­schäfts­füh­rer Emanuel Hei­sen­berg 2019 nach Deutsch­land gebracht hat – und mit dem schneller als bisher aus einem un­sa­nier­ten Haus ein saniertes wird. Im besten Fall erfüllt es den Net-Ze­ro-Stan­dard und erzeugt damit unter dem Strich in der Jah­res­bi­lanz so viel er­neu­er­ba­re Energie, wie die Bewohner ver­brau­chen – ohne en­er­gie­aut­ark zu sein. Möglich wird das unter anderem durch eine hoch­ef­fi­zi­en­te Sanierung zum Ef­fi­zi­enz­haus 55, eine groß­flä­chi­ge PV-Anlage sowie Wär­me­rück­ge­win­nung in der Lüf­tungs­tech­nik.

„Das Prinzip gab es bereits vor zehn Jahren in Holland. Wir haben es tech­no­lo­gisch optimiert und nicht nur im Rei­hen­haus­be­reich, sondern auch für Mehr­fa­mi­li­en­häu­ser als Ge­ne­ral­un­ter­neh­mer umgesetzt“, sagt Emanuel Hei­sen­berg, der ein Enkel des berühmten No­bel­preis­trä­gers Werner Hei­sen­berg ist. In der Praxis bedeutet das: Im ersten Schritt wird das Gebäude per 3-D-La­ser­scan mil­li­me­ter­ge­nau erfasst und mit den ge­won­ne­nen Daten ein digitaler Zwilling erstellt.

Eine Pla­nungs­soft­ware entwirft im zweiten Schritt die neue Ge­bäu­de­hül­le mit maß­ge­schnei­der­ten Modulen. In der Fabrik fertigen Roboter dann passgenau Fassaden- und Dach­ele­men­te vor: mit Dämmung, Fenstern, Lüftung, Rohren, Außenputz und PV-An­la­gen. Pro­du­ziert werden die Elemente mit Partnern aus der Industrie. Seit 2024 ist auch Bi­en-Zen­ker an Bord, einer der größten Fer­tig­haus­her­stel­ler Europas.

„Sanierung bisher oft wie vor 100 Jahren“

Bisher funk­tio­nie­re die Sanierung von Gebäuden noch größ­ten­teils wie vor 100 Jahren, erklärt Hei­sen­berg. Viel Hand­ar­beit von ver­schie­de­nen Gewerken. Arbeiter montieren die Platten des Wär­me­ver­bund­sys­tems einzeln an der Hauswand, setzen neue Fenster ein und in­stal­lie­ren die einzelnen Leitungen. „Mit der seriellen Sanierung können wir mitt­ler­wei­le bis zu 80 Prozent der Arbeiten von der Baustelle in die Fabrik verlagern“, sagt Hei­sen­berg. Er schätzt, dass Gebäude mit seinem System drei Mal so schnell saniert werden können wie bei einer klas­si­schen Sanierung.

Sanierung vorher und nachher im Slider

In Bochum hat Ecoworks 2023 die serielle Sanierung von drei Mehr­fa­mi­li­en­häu­sern aus dem Jahr 1965 (Bild oben) ab­ge­schlos­sen. Durch die Maßnahmen sank der En­er­gie­ver­brauch von jährlich 150 kWh pro Qua­drat­me­ter auf 30 kWh


In Mön­chen­glad­bach hat das Start-up 2023 fünf Wohn­häu­ser aus dem Baujahr 1956 (Bild oben) seriell saniert. Als En­er­giep­lus­häu­ser erfüllen sie heute den Net­Ze­ro-Stan­dard.


Möglich wurde das Tempo mit viel In­vest­ment des Start-ups. „Wir stecken jährlich etwa zwei Millionen Euro in Forschung und Ent­wick­lung, um neue Hard- und Software zu kreieren, die es uns erlaubt, immer mehr Teile vor­zu­fer­ti­gen.“ Ein Beispiel ist die tech­ni­sche Ge­bäu­de­aus­rüs­tung: Module mit Elektro- und Hei­zungs­lei­tun­gen werden in der Fabrik in die Fas­sa­den­ele­men­te in­te­griert und müssen später nur noch an die Wär­me­pum­pen im Keller und die Wohnungen an­ge­schlos­sen werden – nach dem Prinzip Plug-and-play.



16 Patente kann Ecoworks mitt­ler­wei­le vorweisen. Hei­sen­berg: „Wir bewegen uns in der Bau­bran­che in einem eher analogen, tra­di­tio­nel­len Umfeld. Das Risiko, In­no­va­tio­nen zu ent­wi­ckeln, über­neh­men deshalb wir als Start-up.“ Seine In­ves­to­ren stehen dafür hinter ihm. Rund 50 Millionen Euro hat Hei­sen­berg seit der Gründung seines Start-ups bisher ein­ge­sam­melt. Davon allein 40 Millionen in einer Se­ries-A-Fi­nan­zie­rungs­run­de 2023. Unter den Geld­ge­bern finden sich unter anderem der deutsche Misch­kon­zern Haniel Group sowie die eu­ro­päi­schen Ven­ture-Ca­pi­tal-Fonds Kompas VC und World Fund. Hei­sen­berg selbst hält noch 12,5 Prozent der Anteile.

„Konzept ist marktreif“

Als Ge­ne­ral­un­ter­neh­men managt Ecoworks mit 130 Mit­ar­bei­tern aktuell 24 Sa­nie­rungs­pro­jek­te für öf­fent­li­che, private und fonds­ba­sier­te Woh­nungs­un­ter­neh­men mit einem Volumen von 158 Millionen Euro. „Unser Konzept ist marktreif und die Ge­bäu­de­hül­len­sa­nie­rung so weit stan­dar­di­siert, dass sie in der breiten Masse zum Einsatz kommen kann.“ Laut Schät­zun­gen von Experten liegt das Potenzial der seriellen Sanierung bei min­des­tens acht Millionen Wohn­ein­hei­ten. Und auch Nicht­w­ohn­ge­bäu­de wie Schulen oder Büros sollen künftig seriell saniert werden.



Bleibt die Frage nach der Wirt­schaft­lich­keit: Ein Qua­drat­me­ter sanierte Wohn­flä­che kostet die Kunden von Ecoworks durch­schnitt­lich etwa 1.800 Euro ohne Förderung, mit Zu­schüs­sen durch die KfW Ban­ken­grup­pe sind es 1.000 Euro. „Bei einer kli­ma­neu­tra­len Sanierung sind wir damit im Kos­ten­vor­teil gegenüber der tra­di­tio­nel­len Methode“, so Hei­sen­berg.

Trotz schlech­ter Kon­junk­tur­pro­gno­sen für das Bau­ge­wer­be geht er 2025 von weiterem Wachstum für sein Un­ter­neh­men aus. „Wir sind in einem rück­läu­fi­gen Markt im ver­gan­ge­nen Jahr auf 23 Millionen Euro Umsatz gewachsen und rechnen damit, in den nächsten 24 Monaten einen drei­stel­li­gen Umsatz zu erreichen.“

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